Folge 49: Goldstrand (Katerina Poladjan)

Shownotes

Die Utopie führt in den Megapark - am "Goldstrand" wird heute wild gefeiert, doch in Katerina Poladjans neuem Roman trägt die Südküste Bulgariens eine andere Bedeutung. Denn 1922 ist eine junge Frau bei der Überfahrt verlorengegangen, und ihr Verschwinden wirkt noch ein Jahrhundert später nach.

Erzählt wird von dem in Rom lebenden Filmemacher Eli Fontana, der in zahllosen Gesprächen mit seiner Psychoanalytikerin die eigene Vergangenheit und Familiengeschichte aufarbeitet. Dabei verschmelzen Film, Geschichte und Fantasie miteinander. Man kann weder den Worten noch den Bildern trauen.

Fynn und Lucas sind angetan, haben aber Fragen an den Gewinner des Preis der Leipziger Buchmesse 2026: Wann wird aus einem Referenzrahmen Konsumismus mit Größenwahn? Reichen schon Leitmotive, um durch einen Roman zu tragen? Taugen surrealistische Passagen wirklich als Fluchtpunkt einer Geschichte?

Ihr möchtet euch über den Podcast austauschen oder einen Programmvorschlag machen?
Schreibt uns bei BlueSky!
https://bsky.app/profile/gelesenpodcast.bsky.social
Oder tretet unserem Discord-Server bei
https://discord.gg/w6XUSaWW7q

Transkript anzeigen

00:00:00: Eine Reise!

00:00:00: Ein Sprung, eine Lehrstelle in der Biografie.

00:00:03: Zuletzt eine Echowunde!

00:00:05: Denn mit dem Preis der Leipziger Buchmesse im Jahr- und Sechsundzwanzig ausgezeichnet Roman Goldstrand von Katharina Polarjan erzählt von ihm in Rom lebenden Filmemacher Eli Fontana den zahllosen Gesprächen mit seiner Psychoanalytikerin die eigene Vergangenheit und Familiengeschichte aufarbeitet.

00:00:19: Dazu zählt auch der Tag im Januar zwanzig, an dem seinen Vater Felix mit dessen Vater Lev uns seine Schwester Vera von Odessa nach Konstantinopel flieht – auf Heiberstrecke springt Vera von Bord.

00:00:30: wie die Jahrzehnte später wird daraus eines von Elis Filmbildern.

00:00:34: In seinen Beschreibungen gegenüber der Dottoressa Malatesta verschwimmt Historie mit seinem künstlerisch gestalterischen Blick, aus der Erinnerung schälen sich die Architekten.

00:00:42: Karriere seines Vaters, die für den Sozialismus einen Platz an der Sonne, an der Südkuste Bulgariens schaffen wollte – Die Rebellion der Mutter gegen den faschistischen Großvater, seine scheitandene Beziehung wie die zu seiner Ex-Frau Jenny oder zu seiner Tochter Vera, die mit ihrem Namen den Kreis schließt!

00:00:59: Ich habe mir mal einen Schnittmeister gekannt, der behauptete er könnte bewegte Filmbilder nicht mehr ertragen weil er jedes der vierundzwanzig Einzelbilder pro Sekunde sehe.

00:01:07: Bei mir war das Gegenteil der Fall.

00:01:09: ich sah alles gleichzeitig und konnte nicht mehr auseinanderhalten.

00:01:12: heißt es programmatisch verdichtet auf kaum mehr als hundertfünfzig Seiten zieht ein Leben vorbei die großen Bewegung der Welt als Nebensatz zu persönlichen Entwicklungen.

00:01:22: wir haben den Roman gelesen und wir dass in Finnbank hat.

00:01:25: Und Lukas Pravenchik, na wo ging deine Abi-Fahrt?

00:01:28: Ganz klassisch nach Lorette Delmar.

00:01:30: oder warst du auch schon einer der verwegenen jungen Kids die diesen neuen Gold strand heimgesucht haben und besetzt haben.

00:01:37: Nein, das war noch gar kein Thema.

00:01:39: Aber ja du sprichst es schon an!

00:01:40: Der Goldstrand dürfte für die meisten Mittel-Europäer mittlerweile vor allen Dingen so eine Art Ballermann und Megapark Ersatz.

00:01:47: Ich habe mal gegoogelt und man findet unter anderem mit KI Bildern beworben natürlich Veranstaltungen wie das Hardstyle Inferno oder die Bierpong World Championship außerdem Konzerte von u.a Almklausi, Lorenz Büffel und Richard Beer aka der Bierkapitän.

00:02:03: Und ich finde allein dieser Kontrast von Utopia heutiger Wirklichkeit.

00:02:08: Die nie so ganz außerzählt wird im Roman, also wir sitzen dann nicht irgendwann im Techno-Hummel aber ich finde dieses nebeneinander ist schon sehr evokativ!

00:02:18: Ich meine, das ist ja ein bisschen auch der Grund weswegen wir den Roman ausgesucht haben oder weswegen er mir so ein bisschen ins Auge.

00:02:23: viel weil ich ja schon auch so eine Faszination mit solchen Nicht-Orten habe.

00:02:27: Mit solchen künstlichen Nicht-Ordnen Der Ballermann an sich Loret Delmar und eben auch der Goldstrand.

00:02:33: Und dass sind auch würde ich sagen die stärksten Kapitel dieses Romanes wenn sich Unser Protagonist irgendwann am Menschenleeren Goldstrand befinden wird und diesen in der Nebensaison oder man arbeitet für gerade dort dieser Gegend daran, niemals nebensisonen zu haben.

00:02:48: Also den Gold Strand das ganze Jahr überbewohnbar und super

00:02:52: scheißegal.

00:02:53: Gold Strand ist das ganze ja

00:02:55: genau.

00:02:56: also Peter Wackel muss sich ein neues Lied muss es als erneuerlich sein lassen.

00:03:01: Aber diese Momente werden eben eh in der Nebensaison durch diesen verlassenen, nutzlos gewordenen Ort geht.

00:03:07: In dem sich Hotel ein Bierbar an deutsche Supermarktnachbildungen heilt.

00:03:11: das sind schon super eindrückliche Bilder.

00:03:14: und auch die Highlands des Romans.

00:03:16: ich dachte glaube ich und dass ist natürlich jetzt ein sehr sehr subjektiver Kritikpunkt für den der Roman ansicht nichts kann.

00:03:22: aber Ich dachte ich kriege es und Adrimini Also an diesen Ölrichseidelfilmen erinnert.

00:03:26: Ich dachte, es würde auch ein bisschen näher um so die Kondition Romane am Goldstrand gehen und nicht nur sage ich mal den Goldstrant als State of mind über allem benutzen.

00:03:36: Ja, wir sind vor allen Dingen in Rom und ich glaube die ewige Stadt ist schon hier das Kraftzentrum des Films.

00:03:41: aber Wir bewegen uns schon weit durch die Geschichte ungefähr hundert Jahre also.

00:03:46: Ich meine wie sind am Ende wahrscheinlich so gegen?

00:04:05: filmischen techniken fragen die hier eingesetzt werden?

00:04:08: weil das ist ja ein roman der sich durch seinen protagonisten auch in so eine filmisch gestaltende Welt rüber rettet.

00:04:16: Da war mein Gefühl schon, es ist vor allen Dingen die Doppelbelichtung, die man aus dem Kino übernommen hat das Gefühl dass verschiedene Orte, verschiedene Bilder so nebeneinander durcheinander gleichzeitig übereinander existieren können, dass alles irgendwie Kontrastfolie für die eigene Erfahrung ist.

00:04:33: also Man isst nie an einem Ort sondern der Versuch zu erzählen Der Versuch biografisch zu arbeiten der verstreut einen in der Welt und in der Geschichte.

00:04:42: Ich finde, genau wie dieses Bild das du gerade schon so ein bisschen angedeutet hast ist es eine von vielen cleveren Konstruktionen.

00:04:50: Und das soll gar kein Endurteil sein sondern erst mal ein Startpunkt!

00:04:54: Das ist schon ein Roman mit vielen cleverer Grundkonstruktion viel cleveren Ideen oder?

00:05:00: Also man baut hier auf jeden Fall ganz dem anderen großen Thema der Architektur entlang.

00:05:06: schon irgendwie ein sehr gutes Fundament für das, was man hier schaffen möchte.

00:05:10: Du bringst es schon fast ein bisschen auf den Punkt... Ich habe mich gefragt ob ist so das Genre des Handwerks-Romans gibt oder ob man so den Handwerk-Roman als Qualitätsurteil fällen kann?

00:05:19: Weil wir haben in der Filmkritik die großen Handwerke der Filmgeschichte wo man sagt ja da wird hervorragend Dienst nach Vorschrift gemacht und Goldstrand ging mir eh nicht.

00:05:30: Das ist so ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe... Ich glaube wir müssen uns ausnahmsweise mal nicht die Frage stellen.

00:05:35: Ist es eine Roman- oder eine Novelle?

00:05:36: Es ist eindeutig ein Roman!

00:05:37: Aber wirklich hier heilen Gramm Fett dran.

00:05:40: Jeder Satz ist perfekt komponiert und gesetzt.

00:05:43: Hier ist ein Autoren, der ganz genau weiß was sie tut.

00:05:45: Die sich nicht nur im Film auskennt, die mythologische Anspielung reinbringt.

00:05:49: Historische Anspielungen, die sehr nette Spielereien mit zahidebene und realitätsebenen Macht.

00:05:54: Und doch saß er sich am Ende vor allem mit Intellektuelle Bewunderung da, als jetzt wirklich mit dem Gefühl eine große Reise gemacht zu haben.

00:06:03: Also wirklich eine große ebische Geschichte erlebt zu haben.

00:06:06: Es blieb es bliebt vor der für den Kopf aber nicht für das Herz.

00:06:09: Wo will ich nicht sagen möchte dass man auch immer Vorderfluss Herz braucht Aber...es ließ mich doch interessant ernüchtert zurück am Ende.

00:06:16: Ja!

00:06:17: Ich habe mich schon gefragt ob das nicht so sehr ein konstruierter, ein gebauter, ein designtaruman ist.

00:06:24: Ob der nicht vielleicht ein bisschen mehr Lieben noch gebrauchen könnte?

00:06:28: Es gibt in der Tatskritik den Satz gegen Ende.

00:06:32: In dem Buch gibt es keine Zeile die überflüssig wäre und das würde ich wahrscheinlich sogar unterstreichen.

00:06:37: aber Ich finde so fühlt er sich schon auch so ein bisschen leblos an.

00:06:43: Es gibt natürlich ganz viele tolle Einzelideen und schöne Sätze und kruge Beobachtungen, aber insgesamt hat es mich ja schon auch ein bisschen kalt gelassen.

00:06:51: Und ich weiß auch tatsächlich nicht genau was das jetzt heißt im Sinn von... Ich fordere nicht immer die große melodramatische Geste ein.

00:07:01: Ich forderen nicht auf besondere Erklärung und Aufklärung, dass alles perfekt ineinander greift.

00:07:07: Aber irgendwie habe ich hier schon vor allen Dingen diese großen Baumaterialie und

00:07:13: den

00:07:13: Blueprint gesehen aber es fühlte mich hier irgendwie nicht wohl.

00:07:17: Es war ein gut gebautes Haus, aber kein Zuhause.

00:07:20: dieses

00:07:21: Buch Der Roman macht es sich selber natürlich nicht leicht auf der ersten Seite, beziehungsweise stellt sich schon mal in sehr große Fußstapfen und fordert auch gleich den ganz großen Vergleich ein.

00:07:31: Denn es beginnt eigentlich mit einem Analgarm aus den Anfängen von Faserland und Imperium.

00:07:36: Es geht los mit diesem Satz also wie er auf Faserlands standet und dann eben mit einer Szene auf einem Schiff die sich später als Filmscene entpuppen wird.

00:07:44: Und dort ist ja wirklich eine Ansage Das ist ja schon kein Zitat mehr, das ist wirklich ein Hinweisen auf guck mal.

00:07:53: in dieser Linie möchte ich stehen.

00:07:55: Und es ist eine Filmszene die natürlich gleichzeitig auch biografisch erlebtes ist.

00:08:00: also Ich glaube dass meinte ich mit der Doppelbelichtung.

00:08:02: In diesem Buch ist immer alles mehrere Dinge gleichzeitig.

00:08:06: Es sind immer so ein bisschen Vibrierende Kanten, man hat die ganze Zeit das Gefühl es gibt so frühe Stummfilme wo man so zwei Bilder übereinander liegt und das eine bewegt sich ein bisschen.

00:08:15: oder hier in der Architektur Beleuchtung gibt es das ganz oft.

00:08:19: Es gibt ja diese eigene Kunstformen dass man so Häuser anstrahlt und dann haben wir das Gerüst des Hauses und darum ist da noch eine Lichtbewegung ist noch eine projizierte Bewegung Und das fühlte sich die ganze Zeit so an, als würden die Kanten von allen Dingen so ein bisschen fibrieren.

00:08:33: Als wird uns die ganzezeit gesagt es könnte aber auch anders sein.

00:08:36: wir müssen Eli nicht glauben, wir müssen den Filmen nicht glauben und den Bildern nicht glauben.

00:08:41: Allgemein sind Zweifel angebracht!

00:08:44: Weißt du normalerweise, wenn man sagt ein Werk erinnert dich an zehn andere Werke die Du gerade auch konsumieren könntest ist das Werk an sich nicht gut.

00:08:51: Das würde ich hier genau anders rumsehen.

00:08:52: Ich habe ja mehr das Gefühl dass Frau Poulajan so eine Art meine Lieblingsbücher Remix aufgenommen hat und ihnen in Buchform gepackt hat oder meine Lieblingautoren aufgenommen hat, weil Kracht habe ich schon erwähnt.

00:09:05: Nina Harad-Schwillig kam ja auch sehr bekannt dabei vor also hier wie man die Geschichte eines Landes irgendwie koppelt an persönliche Schicksale und das auch mit medienreflexiven Beurteilungen versieht und es

00:09:16: ist ein bisschen brikolage irgendwie.

00:09:19: oder wir nehmen diese Versatzstücke, wir remixen... Ja aber ich weiß nicht!

00:09:24: Ich finde es fühlt sich nicht super spielerisch an.

00:09:27: klar sind da viele Referenzen.

00:09:29: gleichzeitig hab' ich aber schon das Gefühl Diese Leichtigkeit, die manchmal damit einhergeht, stellt sich nicht so recht ein.

00:09:36: Ich finde schon, dass das ein Buch von einer gewissen melancholischen Schwere ist und das habe ich ihm eher positiv angerechnet.

00:09:43: Ich hatte schon das Gefühl, es wird ernst genommen auch wenn unser Protagonist hier natürlich manchmal auch so ein bisschen ein Filou und ein Luftikus und dergleichen isst vielleicht auch irgendwie einen Oplomoff, der was geschafft hat oder so?

00:09:58: Das ist ein sehr, sehr guter Punkt weil es schon auch schön auf was angeht.

00:10:01: Was ich gleich sagen sollte vielleicht ist das hier wirklich auch einfach einen weiter Schritt in der post-italen Wachablösung in der Literaturgeschichte oder in der deutschen Literatur sind die jetzt so langsam kommt.

00:10:10: denn dieses Es wird ernst genommen.

00:10:12: was du gerade gesagt das ist glaube ich sehr wichtig.

00:10:14: Die Referenzen hier wie man's aus der Post moderne vor allem kennt reichen von E bis Uncooltour.

00:10:19: also das geht von Adiano Gellantano Filmen eben über Pasolini bis hin zur kirchischen Mythologie das kennt man alles.

00:10:25: soweit aber es bekommt doch Eine merkwürdige neue Art der Bedeutung.

00:10:30: Es geht nicht mehr allein darum, durch die Referenz eine Genugturm beim Leser bei der Leserin zu erschaffen sondern es wird sich wirklich gefragt wie man sich ausrichten kann mit einem Leben in dem man eben Passolinimark wie eben große Vögel kleine Vögle vielleicht ein Leben geprägt haben könnte?

00:10:45: Wie Architektur ein Leben prägt und vielleicht deswegen auch so diese... ist es ja kein Frontankracht, aber so diese sehr bewusste In-eine-Beziehung setzen und zu sagen denn jetzt kommen wir.

00:10:58: Also so Faserland weil's eben vor dreißig Jahren und heute endet die Reise eben nicht im Zürichsee sondern im Meer bei Bulgarien

00:11:06: Ja!

00:11:06: Und wie gehen auch nicht sofort unter?

00:11:08: Sondern wir schwimmen Wir finden irgendwie doch noch Boden unter den Füßen und können uns abstoßen.

00:11:13: Aber abstoßen finde ich vielleicht in Teilen dann auch dass sich Doch manchmal mit dieser Zitatwelt so ein bisschen Struggle.

00:11:20: Wir haben hier am Ende die Formulierungen, nachdem der Roman zu Ende geht.

00:11:24: In diesem Roman haben einige Worte an anderen Stellen auch ganz oder halbe Sätze von Italo Calvino, Marcel Duchamp, Marie von Adenburg, Kaspar David Friedrich, Johann Wolfgang von Goethe, George Marauder, Heiner Müller und Ludwig Wittgenstein Eingang gefunden.

00:11:39: Du hast wahrscheinlich recht, all diese intellektuellen Wolken die um alle unsere Figuren war waren.

00:11:44: Ich habe schon das Gefühl dass sind Figuren mit denen verbringen wir auch Zeit weil sie sind uns nicht unterlegen sondern selbst die deutsche Touristin vielleicht auch irgendwie so ein Klischeebild Jenny die weiß ja nun doch eigentlich vieles und könnte auch unserem Eli die ganze Welt ein bisschen besser erklären.

00:12:00: aber ich hab manchmal das Gefühl in dem Moment in dem man so mit Zitaten umgeht ist man schon auch nur die Summe von dem, was man gelesen hat.

00:12:08: Und natürlich sind wir heute das auf irgendeinem Level.

00:12:09: aber manchmal fühlt es sich für mich an und du darfst mir gerne sagen ob das ein alberner Gedanke ist, aber dachen musste ich diesmal denken am Ende des Buches.

00:12:17: Manchmal fühlt sich diese postmoderne Zitatwelt an wie Konsumismus, aber auf einer vermeintlich höheren Ebene also so wie vielleicht eine andere Art von Kultur.

00:12:28: sich zusammensetzt aus irgendwie den Marvel-Zitaten keine Ahnung, weil zurück in die Zukunft finden hat man hier auch so die Staffage des eigenen Lebens und die Beschreibung der Figuren auch über diesen Zugang.

00:12:42: Also ich frag mich manchmal sind wir nicht auch persönliche Erfahrungen und soziale Kontakte?

00:12:47: Sind wir so überdeterminiert?

00:12:49: Sind we so von Schabloden zugemüllt, die uns die Kultur, die wir konsumieren irgendwie vorgibt?

00:12:54: das war hier ein bisschen das Gefühl dass das Spiel mit diesem Zeichen auch irgendwann selber so eine eigene art von sandkasten wieder wird und das sind alles die förmchen mit denen man halt die welt basteln kann.

00:13:06: das könnte vielleicht selber also dir das verloren sein im sandkasten.

00:13:10: so der zweite große putz ein eben was.

00:13:12: warum ich hier nicht zwei daumen hoch gebe sondern nur sage dass ist ein gutes buch was ich gerne gelesen habe.

00:13:19: du hast schon recht Es ist halt auch irgendwo ein typischer deutscher Gegenwart.

00:13:23: zum Roman.

00:13:23: Auch wenn du diese Liste an Vorbildern gerade vorgelesen hast, dann ist das natürlich auch wieder hermetisch genau ausgesucht und ich sage mal perfekt entlangschreiben zwischen Bad Taste und Good Taste.

00:13:36: Da gibt es auch im Roman eine längere Passage in den Giorgio Morode an sich gedannt wird als Person wie er Eli erlöst haben würde.

00:13:43: Das scheint auf jeden Fall einen Teil der neuen Meter beim Roman schreiben zu sein dass man die Liste gut selber gestalten muss.

00:13:50: Ich hab nur trotzdem das Gefühl, dass hier am Ende auch so eine widersche Gesetze.

00:13:54: man steht zwar noch.

00:13:55: Man schwimmt aber da ist ja irgendwo auch eine Lebensenttäuschung in diesem Roman.

00:14:00: also der Italiener mit so einem und das war es jetzt Aber wofür eigentlich?

00:14:05: Und da überträgt sich vielleicht natürlich die Stimmung der Hauptfigur so ein bisschen auf uns als Leser als Leserin und damit muss man vielleicht erst mal klar kommen

00:14:14: Ja, es ist ein nostalgisch aber vor allen Dingen melancholischer Roman.

00:14:18: Ein wehmütiger Roman einer.

00:14:21: und da habe ich dann Angst gehabt Oh, wo rutsch ich denn jetzt hin?

00:14:25: Weil wenn wir in dieser Filmwelt oder auch in dieser italienischen Filmwelt sind.

00:14:29: Man soll wahrscheinlich erst mal an Fellini denken und Cinecita und so werden hier ja auch genaimt aber... Ich dachte oh fuck!

00:14:36: Ich glaube, ich rutsche in einen Paulo Sorrentino-Film.

00:14:39: Das habe

00:14:40: ich ja auch aufgeschrieben.

00:14:42: La Grande Belés hat dreimal unterstellt.

00:14:44: Genau, genau als er da beginnt zu tanzen in diesem Club und dann ist man noch mal jung und lebendig.

00:14:50: Da dachte ich, oh fuck!

00:14:51: Ich bin eine grande

00:14:52: Beletzer.".

00:14:53: Und da fühlt sich mich dann doch... also mir geht jetzt noch irgendwie dieser unangenehme Schauer über den Nacken weil das ist für mich ja auch schon so früh vergreistes Zitat Kino dass Genophilini wäre aber eben Also, nicht dass ich für Lini besonders schätzen würde.

00:15:09: Das ist ja nun wirklich bei diesen großen so mid-century Orteurfilme machen so einer von denen wie die mir der auch tendenziell eher egal ist oder die in seinen zirkushaften Paraden und in seine Übersteigerung und immer ach dann kommt da noch mal eine Frau mit ner Peitsch um die Ecke dem er auch oft recht egal isst.

00:15:26: aber diese Schwunnstufen vorm von Paolo Sorentino die brauche ich erst gar nich'.

00:15:30: Und ja!

00:15:30: Ich musste schon leider daran denken Auch wie schön es hier alles iß Wie gerne man das alles liest, wie gut diese Sätze alle funktionieren.

00:15:39: Man kann Sorrentino ja nur nicht vorwerfen, dass seine Filme nicht voll von gefälligen Bildern sind und das kann man auch diesem Roman nicht vorwärfen.

00:15:47: Wie ging es dir?

00:15:47: Du hast auch, wie du seit Sorrentinu erlebt...

00:15:50: Ich wollte auch gerade Sorrentinos anbringen!

00:15:52: Und ich würde sagen, Sorrentina hat tatsächlich einen guten Film gemacht nämlich Il Divo den ich wirklich sehr schätze.

00:15:59: wo finde ich tatsächlich diese Filini-Pastiche sogar halbwegs gelingt weil sie ...durch das Thema des Films an sich auf eine neue Ebene gehoben wird und so aussieht selber Humor raus.

00:16:08: Aber Schajen... Also ich kann

00:16:10: schon sagen, danach hat Serentino die Haut von Fellini getragen wie ein Serienkiller.

00:16:16: Was

00:16:16: würdest du denn sagen?

00:16:17: So Schajenn'n und La Grande Belessa und ewige Jugend hieß der?

00:16:21: Das sind schon schlimme Filme!

00:16:24: Die man sich damit seinen Campari-Spritz in der Hängematte anguckt und sich denkt ach, ach, das lebt.

00:16:32: Also bitte nicht abschalten, liebe Filmstudierne.

00:16:36: Nächste Woche tissen wir Ferspender!

00:16:38: Vor allen Dingen hatte ich das Gefühl auch der Art wie... Die Art, wie das Politische irgendwie in das Ganze reinkracht.

00:16:44: Nämlich so als seine ästhetische Effekt hat mich doch sehr an das Orientino erinnert weil Politik ist immer präsent und der Opa dann der blöde Faschist.

00:16:53: aber sie reicht irgendwie dann doch nie ganz bisschen die Leben hinein.

00:16:56: man diskutiert im Salon über die Revolution Aber so recht hat es nicht mit einem zu tun.

00:17:01: Und auch der zweite Weltkrieg geht an unseren Figuren ein bisschen vorbei.

00:17:05: und ich finde also gleichzeitig haben wir diese sehr Vorhin angestellten diese sehr ostentativen Sätze darüber, so irgendwas passiert und dann fällt die Berliner Mauer gleichzeitig.

00:17:16: Also einerseits haben wir dieses Split-Scream-Momente andererseits habe ich das Gefühl... Die Politik wird mehr so beschrieben aus so ner Pflichtschuldigkeit um irgendwie zu zeigen Zeit vergeht!

00:17:26: Das Leben geht weiter.

00:17:27: Es ist natürlich auf der einen Seite ein spannender Schwester Roman Danzulasa von Nelio Wiedermann den wir ja auch besprochen haben.

00:17:35: Ja da hab' ich auch dran gedacht.

00:17:37: Ja, tatsächlich ähnliche Techniken verwenden und auch ähnlich offen umgehen mit ihrem Popkulturellen Grundwissen.

00:17:47: Ich würde vor allem sagen dass Frau Pollardian hier noch deutlich gekontert und auch deutlich geschickter mit der Sprache umgeht als Herr Biedermann das tut.

00:17:54: aber jetzt soll auch unfair ein vierte Roman gegen einen zweiten Roman zu stellen.

00:18:01: Das klingt jetzt auch wie eine Kritik, die es gar nicht mal so sehr sein soll.

00:18:05: Es ergibt schon total Sinn, dass das Ding hier den Preis der Lachziger Buchmesse gewonnen hat.

00:18:09: Das ist schon Literaturpreis Bate.

00:18:13: Allerdings auf die beste Art und Weise, wie man's schreiben kann!

00:18:16: Was heißt das denn für dich?

00:18:17: Also wir haben ja im Filmbereich bei Oscar-Bate und so immer relativ wage Kriterien.

00:18:21: aber was würdest du denn sagen sind so die konstituierenden Elementen von

00:18:25: Buchpreis-Bates?!

00:18:28: Also wir haben grundsätzlich eine epische Geschichte, die man wahrscheinlich auch problemlos an achthundert Seiten hätte erzielen können.

00:18:33: Und ich

00:18:33: bin so dankbar dass es nicht getan hat!

00:18:35: Darf ich sagen das diese Verdichtung ist schon super?

00:18:38: Dass sich nicht fünfzig Seiten nochmal da mit ihm am Set rum hänge und dann ein Dinner irgendwie für sechzig Seiten langweilig ist... Da habe ich schon hier und da so'n kleines Stoßgebet in Richtung Literatur-Himmel gegeben.

00:18:51: Ja aber genau das scheint mir doch wirklich durchaus wichtig zu sein um heutzutage einen Preis zu gewinnen.

00:18:56: Clemens Meier kann davon ein Giet singen und keine neue Steuererklärung schreiben, ne?

00:19:00: Wenn du mit deinen Tausend Einhundertseilen Projektoren ankommst, das wirst du leider nix.

00:19:04: Aber ich glaube

00:19:05: schon... Ja aber gut!

00:19:06: Man sollte nur wenn man tausend einhundert Seiten geschrieben haben auch nicht davon ausgehen dass man Preise gewinnt.

00:19:10: da kann man jetzt über die Sympathie, die ihm dazufliegen muss diskutieren.

00:19:14: Da war ich auch ein bisschen skeptisch bei seinem Gebaren.

00:19:18: Aber es ist natürlich auch eine Kürze die sich selber eben auch ankündigte dem man sagt man nimmt sich eigentlich an Erzählungen Vor zwanzig, dreißig Jahren noch sehr viel ausführlicher erzählt hätte und macht es jetzt eben so verknappt.

00:19:29: Man hat diese Fülle an intertextueller Referenz, dass man sagen kann, jeder in der Familie kann das auch lesen!

00:19:35: Ich glaube du kannst dieses Buch sehr gut verschenken zu Geburtstagen, zu Feiertagen.

00:19:39: Das scheint mir bei der Vergabe von Literaturpreisen immer sehr wichtig zu sein.

00:19:44: Das klingt jetzt alles auch viel negativer als ich es meine, aber hier lässt sich schon sehr viel rausziehen für unterschiedliche Menschen.

00:19:50: Wie gesagt, wer sich mit Film auskennt, kann sich in die Filmgeschichte vertiefen und wie Lukas ja auch schon meinte so mit diesem Doppelbelichtungsargument arbeiten.

00:19:59: Man könnte auch so ein bisschen argumentieren dass sie sich auf jeden Fall von sowjetischer Montagetechnik vielleicht probiert wird.

00:20:06: Also montagetechnik wird sie sich ja auf jeden fall probiert.

00:20:10: Dann ist es natürlich auch, wie du schon gesagt hast so ein Listen-Roman in vielen Stellen.

00:20:15: Da kommen Dinge vor die heutzutage in Büchern halt drin sein müssen.

00:20:18: da geht's ganz viel um die Vergangenheit.

00:20:20: das lesen wir Deutschen ja auch immer gerne vor allem weil es eine andere ist also nicht unsere.

00:20:25: Wir müssen uns selber nicht auf den Schlips getreten fühlen aber sind Dinge die nahe genug an uns dran sind und dann gewinnt man eben einen Buchpreis.

00:20:31: Das ist mir vielleicht hier und da auch ein bisschen zu zynisch, aber ich verstehe schon dass man da Kalkül vermuten kann.

00:20:38: Aber vielleicht steigen wir mal in diese einzelnen Elemente ein bisschen tiefer an einfach nur zu sagen ja hier sind viele Referenzen.

00:20:45: wollen wir vielleicht zuerst einmal so diesen

00:20:47: die große Referenzliste aufmachen?

00:20:50: wie viel hast du gefunden?

00:20:51: Ich habe Achtzig

00:20:53: Oh, naja ich hab äh, zweiundachtzig und damit gibst du das nächste Mal die Getränke aus.

00:20:58: Nein!

00:20:58: Aber lass uns vielleicht erst mal über diesen ganzen psychoanalytischen Rahmen sprechen, über diese Therapiestunden, die da stattfinden... Insofern amüsant fand als das man ja nun da doch auch sich so ein bisschen lustig macht über diese Methodik oder vielleicht auch die Sehnsucht, mancher Leute gerade in diesem Zugang diese Welt dann nochmal erklärt zu bekommen.

00:21:20: Wir wissen ja nicht so richtig warum Eli das jetzt macht aber wir sehen dass diesen ganzen Roman über Zeichen und Symbole und Kanarienvögel und Holzenden und Potempschgetreppen angesammelt werden.

00:21:32: Sie addieren sich nicht so richtig zu was aus.

00:21:35: Du sagst, am Ende hat es dich ein bisschen ... dir nicht das Gefühl gegeben, dass ein großes Projekt dahinter gewesen ist und das ist scheinbar auch einer der Gags oder dass all diese Elemente des Lebens sich eigentlich nie ganz zusammenfügen lassen und die Fiktion vielleicht rahm-größt, vielleicht irgendwie Bindeglied sein kann aber daraus entsteht trotzdem nicht zwangsläufig ein Ganzes.

00:21:56: Man könnte auch glaube ich sagen, dass Frau Prulajan wieder sehr mit uns als Leser, ein Leser in einem Kopf schreibt und man hat schon so einen Empfinden.

00:22:06: Wenn man das Gefühl hat, man wäre diesem Roman auf die Schliche gekommen oder man wüsste wie das jetzt ungefähr weitergeht dann baut sie eben was allen um entweder Sachen ins Leere laufen zu lassen oder wäre ganz woanders zu sein.

00:22:17: also weil die Symbole eben dann nirgendwo hinführen weil plötzlich die Dottoressa die am Anfang noch durchaus realitär wirkt weil dass alles immer konfußer wirkt bei der Realität sind sich immer mehr miteinander vermischen Bis man, und ich glaube das war mein Problem mit diesem Roman.

00:22:32: Dass ich ab der Hälfte irgendwann dachte... ...ich glaube dass führt halt alles nirgendwo hin!

00:22:36: Ich glaube das bleibt alles so ein kleiner Witz Und dann hat sich nicht mehr so Lust drauf.

00:22:40: Das war so'n bisschen wie wenn man Filme von Leuten guckt die David Lynch nachmachen wollen Aber vielleicht nicht so ganz verstanden haben.. ..dass es bei Lynch mehr so eine Emotionssache ist als so ne Mosaik Als so ne Handwerkssache.

00:22:54: Ja ich hatte das Gefühl also gerade wenn dann später seine Therapeutin Erstaunlich große Teile der Verwandtschaft oder der näheren Umgebung, so auf vor seiner Tür stehen für die Dinnerparty.

00:23:04: Da dachte ich ja jetzt bin ich vielleicht bei einem anderen Filmemacher gelandet.

00:23:08: Jetzt bin ich Vielleicht Bei Louis Benwell und Der Würrige Engel beginnt gleich und vielleicht können wir gleich nicht mehr raus oder sowas.

00:23:14: also Ich hatte schon das Gefühl dass doch ein bisschen Ein surreal ist ein träumerisches ein dataistisches Moment irgendwie auftaucht.

00:23:21: und ich meine Wir haben Ja Schon vorher Andeutungen Davon.

00:23:25: Ich finde gerade Lefs Weg durch Die Welt, also die erste Generationen, die wir hier im Roman beschrieben bekommen.

00:23:32: Die hat ja durchaus so eine gewisse Märchenqualität vielleicht noch so eine Beziehung zu sowas wie Lasa das auch als Märchen beginnt und sich dann langsam in unsere Gegenwart hinüber rettet.

00:23:42: Und hier hatte ich auch das Gefühl Am Anfang haben wir ein bisschen mehrchenhafte Elemente und am Ende Dann auch wieder.

00:23:49: und Ich muss sagen so wie du es beschreibst dass fand ich wahrscheinlich die schwächsten Teile.

00:23:54: Also, wenn da sich die Sachen ineinander verwandeln und dann ist man plötzlich mit den entsprechenden Tieren oder was auch immer unterwegs... Ein Frauen auf weißen

00:24:03: Stirn ins Meer?

00:24:04: Das ist schon schwierig!

00:24:05: Genau

00:24:05: Europa auf jeden Fall dann noch irgendwie als Symbol damit anklingt.

00:24:10: also das fand ich auf jeden fall auch nicht so überzeugend.

00:24:12: Da waren sicher nette Formulierungen drin Die Wortsuche, also ich erlebe Autoren und Autorinnen ja auch oft als Leute die interessant klingende Worte suchen.

00:24:24: Da hat man sicher für... Das letzte Register für diese Anderswelt, die sich da öffnet auch einige interessante Wörter gefunden.

00:24:31: Aber insgesamt dachte ich auch so ja gut irgendwo musstest du halt hin irgendeine Art von Intensivierung, irgendein Art von Zuspitzung und das hast Du eben gefunden.

00:24:39: also das fand ich echt die schwächste Passage wenn wir ins Suriale, ins Träumerische hinübergleiten und wir endgültig aufhören müssen zu glauben noch mehr als vorher vielleicht.

00:24:50: Ich möchte aber sagen, dass ich grundsätzlich die Konstruktion des Romanes auch wieder sehr begrüße... Also das ist ja erstmal schon mal eine riesige Herausforderung, wie sie sich hier gestellt hat also weil mindestens drei Realitätsebenen und Zeitebenen miteinander zu jongliern Das muss man halt auch erst einmal schaffen.

00:25:06: Und es dann auch noch in dieser verknappten Form zu schaffen regnet wirklich höchstens Respekt ab.

00:25:11: und dass das teilweise wirklich vom Satzzusatz ineinander übergeht Dass hier von Präterratum ins Presa zurückgewechselt wird Das ist schon richtig toll gemacht.

00:25:19: Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viele Stunden Arbeit und wie viele Fassungen dieses Manuskriptes am Ende immer haben muss.

00:25:26: aber es ist wie du auch schon sagst vielleicht bleibt man

00:25:28: deshalb auch bei Hundertfünfzig sein oder weil das dann sonst als Verwirrspiel als Wechselspiel noch anstrengender wird?

00:25:34: Aber

00:25:35: es bleibt halt wie du für den Anfang auch schon erwähnt hast ich sehe halt hier das wunderbar designte Haus aber sehe auch an jeder Ecke dass es designt ist.

00:25:43: Weißt du, als Du das gesagt hast?

00:25:45: Es ist ein Haus.

00:25:45: Aber kein Zuhause!

00:25:46: Ich war vor zwei Wochen an einem neue öfteren Café hier in Hamburg und da ging es mir eh nicht, dass ich auch dachte ja... ...ich merke genau, dass hier jeder Stuhl wahrscheinlich mathematisch bestimmt wurde warum er da stehen muss.

00:25:57: Und wenn ich jetzt irgendwo den Architekten hier in der Ecke treffe wird immer einen halbstündigen Vortrag darüber halten, warum er dort steht.

00:26:03: Aber es bleibt irgendwie am Ende ein bisschen zu lichtdurchlässiger Raum mit bisschen zustahlenden Stühlen.

00:26:12: Na gut, immerhin hat man nicht wie in den letzten zehn Jahren oft so dann noch ein bisschen Gewächs an die Decke geklatscht und sich gedacht oh jetzt haben wir quasi einen Tropencafé oder sowas.

00:26:20: Also das fand ich glaube ich den schlimmsten Café-Trend.

00:26:23: aber nun gut... Ich glaub' ich weiß ziemlich genau was du meinst.

00:26:27: Ja ich muss auch sagen dass ich dann gerade in diesem Rahmen einfach nicht viel für mich gefunden habe Dass ich das Gefühl hatte ja okay irgendwann stoßen wir natürlich mit unseren Erzählungsmöglichkeiten an die Grenzen müssen für bestimmte Dinge immer um die Ecke schauen.

00:26:43: Wir müssen durch den düsteren Spiegel schauen oder durch Athenes Schild, also wir haben ja auch zum Beispiel der Blick auf den Holocaust als natürlich irgendwie nicht zu vernachlässigen.

00:26:53: des historisches Faktum wird uns dann eben erzählt über diese Führungen, die Vera macht in einer fremden Sprache und wir leben diese Gleichzeitigkeit von.

00:27:02: Es ist groß, es hat Geschichte bestimmt und es fühlt sich doch manchmal sehr weit weg an für diese Menschen.

00:27:07: Also das ist schon alles richtig.

00:27:09: aber es fühlte sich auch so vielleicht so wie du so andeutest, so abgespult, so erwartbar irgendwie an als wäre der Überraschende der andersartige Zugang einfach mittlerweile auch zu einer Norm geworden und als wären diese Art von Diskurse eigentlich so sehr im permanenten Erneuerungszustand dass man eigentlich nur an ihn verzweifeln kann.

00:27:31: Ich hätte einfach gerne mal wieder Figurenerzählungen, also wirklich einen Romanen der sich wirklich traut Charaktere aufeinander prallen zu lassen und mit denen zu erzählen.

00:27:40: Und eben nicht über diesen intellektuellen Oberbau erzählt.

00:27:43: so ja Leitmotive sind wichtig in so einer Geschichte aber du kannst die Geschichte nicht nur mit leitmotiven Ideen erzielen da muss auch irgendwie so ein bisschen Fleisch dazwischen sein.

00:27:52: Also auch was ich damals bei Lazar meinte so mir fehlt Der ganz große Obergedanke hier dabei Und nur Erinnerungen, Kontrügen und so jeder schreibt sich seine eigene Geschichte.

00:28:04: Das reicht mir nicht mehr so ganz.

00:28:08: Aber darf ich sagen gleichzeitig habe ich auch... Ich will jetzt nicht sagen, oh das ist aber eine Reaktionäre.

00:28:14: Sehnsucht finden wir wollen doch alle Formen aufsprängen.

00:28:16: ich hätte jetzt aber auch nicht mehr so Serienkonstellation von irgendwie komplexen Figuren gebraucht.

00:28:22: ich fand es in der gerade schon angesprochenen Kritik aus der Tat ganz irritieren dass man das dann mit so Formaten aus Frankreich Israel und den USA verglichen hat mit Orntherapie mit Entreatment wo ich dachte so nein das ist doch wirklich überhaupt nicht wie eine Serie erzählt.

00:28:38: Das ist doch ein völlig nutzloser Vergleich und ich habe auch das Gefühl, dass es jetzt auch ein Vergleich der so ein bisschen durch ist oder ich habe das Gefühl die Literaturkritik hat jetzt knapp zu fünfzehn, zwanzig Jahre.

00:28:50: Die ganze Zeit gesagt ja dass neue erzählen ist ja jetzt eigentlich im Fernsehen und jetzt wo das Prestige Fernsehen eigentlich durch ist schreiben da immer noch Leute.

00:28:58: also da dachte ich auch wow!

00:29:00: Da ist aber auch throwback Tuesday bei der Tats gewesen irgendwie

00:29:03: Ja ich würde sagen das finde ich auch einer.

00:29:05: Ich hab diesen Artikeln überflogen tatsächlich weil ich ihn auch ähnlich nicht sagen fangt und ähnlich merkwürdig.

00:29:09: Aber naja wir sind hier auch manchmal hier um nicht zuzustimmen der deutschen Literaturkritik.

00:29:15: Weißt du, es bleibt aber auch bei einer Sache die ich so häufig sage?

00:29:17: Ich glaube was mich am meisten stört ist das es ein sehr introspektiver Roman ist.

00:29:22: Ich am Ende aber immer noch nicht ganz weiß wer Eli eigentlich

00:29:25: Mhm, was es gibt dann auch so Sätze die gleichzeitig vielsagend aber auch leer sind.

00:29:30: Was du über eine andere Figur bei Felix wirklich gesagt hast Es gab ein peinliches Missverhältnis zwischen ihm und der Welt Und das klingt wie einsatz der uns etwas über eine figur erzählt.

00:29:39: Aber ist demso?

00:29:40: Ich bin nicht ganz sicher!

00:29:45: schöne und auch oft Klugesätze zu schreiben.

00:29:48: Und er gefällt sich auch darin, so kleine Spuren zu legen wie er zu lesen ist und was vielleicht seine Techniken und Strategien sind.

00:29:56: aber es fühlt sich für mich nicht an als würde es irgendwo hin führen sondern irgendwann hat man selber sich im Wald verlaufen und ist dann immer weiter der eigenen Brotspur gefolgt.

00:30:07: und ja leider ist man im Kreis gelaufen und jetzt muss man leider mit trockenem Brot in der Kälte rumhängen und es macht nicht so viel Spaß.

00:30:16: Nein, ich weiß nicht!

00:30:16: Ich hatte auf jeden Fall auch das Gefühl, so richtig viel gibt's mir nicht... Es gibt ja einen sehr elaborierten Text bei literaturkritik.de den du bestimmt auch gelesen hast der die ganzen Referenzwelten hier noch mal ein bisschen zu mehr und so aufschlüsselt Und das war auch alles sehr gut gemacht und das finde ich eine sehr tolle germanistische Arbeit irgendwie.

00:30:36: aber Ja okay da ist dann noch Lewis Carroll und White Rabbit Löcher hinein und so, aber ich weiß nicht.

00:30:45: Ich hab irgendwie jetzt gedacht... Weißt du?

00:30:47: Es ist ein komischer Impuls!

00:30:48: Aber wenn Alice da steht und sagt, ne reicht jetzt auch mit weißem Kaninchen, ich habe da keinen Bock drauf dann ist irgendwas falsch gelaufen.

00:30:54: Und so ging es mir tatsächlich eben.

00:30:56: Aber ganz kurz wollen wir vielleicht in diese Filmwelt die uns doch auch beiden sehr nahe liegt kurz rein.

00:31:02: Was ist denn damit gemacht außer dass da mit Doppelbelichtung erzählt was sind denn..was machen wir denn hier mit Marcelo Mastriani und Schlachkotzer Pacjomkin Pasolini und dem Kulischoff Effekt.

00:31:12: Das finde ich zum Beispiel diese ganze Sache um Kulishof und Ivan Mosucin, der bekannt ist aus diesem Kulijov Experiment mit der Suppe man kann jemanden montieren mit verschiedenen Sachen und es werden eben verschiedene Emotionen sucht.

00:31:25: Der Kulishoff Effekt wir kennen das natürlich als Filminteressierte alle.

00:31:30: Das war doch schon auch eine interessante Passage.

00:31:32: oder dass er einen film dreht und dann taucht ein Darsteller auf der behauptet von sich eben dieses Subjekt des Kulischoff-Experiments zu sein und er wird dann abgewiesen, aber taucht dem Hintergrund auf.

00:31:46: Also mir wurde da auf interessante Weise erzählt so das Nebeneinander, das Verschmelzen der Bilder, der Kulischeffekt, die Montage... Das lässt sich nicht verdrängen!

00:31:56: So wir haben immer Konsonanz Wir haben immer ein gemeinsames Schwingen der Dinge.

00:32:02: Ja das ist natürlich auch so.

00:32:03: Nicht der finale Moment, aber es ist auf jeden Fall der Moment.

00:32:06: Das passiert dann noch relativ anfangs zu diesem Roman, ich würde sagen, auf den ersten dreißigvierzig Seiten wo wir auch wissen okay mit der Realität, mit der Wahrnehmung sollte man's hier vielleicht nicht ganz so genau nehmen.

00:32:15: also vielleicht ist sie ehli.

00:32:17: Auf der einen Seite denkt man, vielleicht ist Eli nicht der Zuverlässnis der Erzähler seines eigenen Lebens.

00:32:22: Dann wird aber diese Information ja halt von einer anderen Person vermittelt.

00:32:25: Nämlich die Figur scheint wirklich auf der Filmrolle abgebildet zu sein.

00:32:29: Denkt sich da okay, vielleicht wird es auch ein bisschen über natürlich.

00:32:31: Vielleicht ist der Film so ein Portal zur Geisterwelt wie uns vielleicht aufgemacht wird?

00:32:38: Aber das bleibt dann eben aufwählen.

00:32:39: nur bei dieser falschen Pferde, die gelegt wird und mit einem vielleicht lächelnden Haar.

00:32:44: du hast gedacht darum geht es.

00:32:45: nein tut es nicht!

00:32:48: Ich kann ja grundsätzlich sagen, ich mag Romane über fiktive Künstler-Künstlerin.

00:32:53: Wirklich finde das immer toll!

00:32:59: So... Lieber Bola, bitte korreiert mich und rastet nicht aus.

00:33:05: Wenn da über dessen Werk geschrieben wird in so pornografischer Besessenheit... Ich finde das toll wenn sich dann fiktive Literaturwissenschaftler damit beschäftigen und ich bin auch Elis Karriere hier gerne gefolgt Und ich glaube im Gegensatz zu dir, ich wäre auch gern fünfzig seit mit ihm im Set gewesen!

00:33:19: Ich hätte mir auch das langweilige Dinner mit ihm angeschaut.

00:33:22: Seine Filme an sich finde ich gleichzeitig, ich find es sehr gut beobachtet.

00:33:26: Weil das sind alles so Filmideen wo man sich vorstellen könnte dass die so in den siebziger nachtzigern in Italien wahrscheinlich wirklich funktioniert hätten und eine goldene Palme irgendwo gewonnen hätten.

00:33:37: Sie sind aber glattet auch sehr sehr gute Parodien.

00:33:41: Ja ich finde auch viele davon klingen wie so vergessende Filme von Bertolucci.

00:33:48: Man vergisst manchmal bei Rossellini, dass der auch so ein seltsam Film wie die Maschine, die das Böse tötet oder The Machine That Kills Bad People gedreht hat.

00:33:56: und All diese italienischen Neorealisten haben sich später doch sehr ausgeweitet, nachdem wir dann auch so langsam in diese Comic- und Jalloweld reinrutschen.

00:34:04: Und das Genre alles übernimmt!

00:34:06: Wenn da irgendwie eine Familie sitzt und der kommt ja toll für sie besuchen, dann denk ich so Ja, das klingt total einleuchtend!

00:34:12: Also man hat auf jeden Fall schon das Gefühl, da ist jemand nah an dem Cigé drin... ...und vielleicht würde ich sagen wie alles anderes des Gut recherchiert?

00:34:20: Ist es gut

00:34:20: beobachtet?!

00:34:22: Ich glaube das was mich dann doch über.. also ich habe keine Langweiler erlebt.

00:34:25: Es gab Passagen, die mir nicht so gefallen haben.

00:34:27: Aber ich fand das schon auch ein sehr vergnüglichen und natürlich auch super schnell gelesen Roman.

00:34:31: also der war für mich zu schnell vorbei um den wie du in zwei Hälften zu zerteilen.

00:34:36: Ich hatte das Gefühl, der hatte auf so eine Plötzlichkeit.

00:34:38: So eine Dichte.

00:34:39: diese elliptische Logik sorgt dafür dass plötzlich Dinge passieren große Umbrüche und es wird immer mit einem gewissen Bravado gemacht.

00:34:46: Und ich finde das ist schon auf jeden Fall ein Roman Der bei den Nachteilen die er hat zumindest so ne Grundenergie hat.

00:34:52: und der hat mich mitgenommen.

00:34:53: und ich habe mich jetzt wie gesagt nie darüber geärgert den gelesen zu haben.

00:34:56: ich hab den gern gelesen und Die Zweifel die hier ausformuliert haben das sind auch schon Kritikpunkte auf einem soliden Niveau.

00:35:03: Also ich verstehe auch, dass man sowas ein Preis gibt und ich würde den auch theoretisch tatsächlich weiter empfehlen.

00:35:09: Ja, ich würde den Leuten da draußen sagen, les das mal!

00:35:11: Damit sind die drei Stunden, die ihr damit verbringt, sind auf keinen Fall schlecht aufgewendet.

00:35:17: Das tun wir glaube ich beide und ich habe mir sagen lassen in der ARD Audiothek gibt es wohl auch eine Lesung mit der Autorin, die man stand jetzt noch anhören kann wenn man vielleicht erstmal einen Geschmack bekommen möchte was man hier bekommt.

00:35:30: Ich gebe ja grundsätzlich auch ein Daumen hoch für Goldstrand Prinzip her jetzt lieber als ein Forthwing oder eine Himmel ohne Ende.

00:35:38: Ich wollte sagen, das war unfair.

00:35:39: Forth Wing gerade gegenüber weil da... Das hat mir einfach nicht gefallen.

00:35:42: aber wirklich bitte kauf Zehntausendmal Goldstrand damit wir nie wieder einen Himmel Ohne Ende bekommen oder so was.

00:35:47: also bitte bitte bitte

00:35:50: Weißt du wer von dem himmel ohne ende profitieren würden?

00:35:52: Drachen!

00:35:53: Drachen fänden den Himmel ohne Ende.

00:35:54: super die können da unendlich weit fliegen unter.

00:35:58: Dann hat Säden auf jeden Fall noch mehr Raumveroberung.

00:36:01: Aber

00:36:02: in der... Was ist, damit die Mutterschwellig andeutend, dass du doch mit mir über einen Flame sprechen möchtest?

00:36:07: Gut dieser Podcast endet hier dann leider auch für immer.

00:36:11: Das war die letzte Folge gelesen.

00:36:12: Nein tatsächlich nicht!

00:36:13: In der nächsten Folge geht es um

00:36:16: was?!

00:36:17: Ich hab das Gefühl... ...das Murmeltier grüßt mal wieder doch recht täglich.

00:36:22: Wir reden mal wieder über deutsche Pop-Literatur.

00:36:25: Wie ist das denn zustande gekommen?

00:36:27: Weißt du, es gibt manchmal Momente wo man sich das Verlagsprogramm anguckt oder eben so durch die Zeitschriften plattert und sich denkt dieser Roman wurde doch nur dafür geschrieben damit wir ihn jetzt zum Podcast besprechen.

00:36:40: Und damit Lukas sein Handy hochnimmt mein Vorschlag für die nächste Woche liest und dann mit den Augen rollt!

00:36:46: Und ja... Die Rede ist von Party People von Stefan Sommer.

00:36:50: und haltet euch fest liebe Höhren ich möchte nicht sagen dass wir hier so ein bisschen geil in die Themenwochen Preise von denen nie etwas gehört habe machen.

00:36:59: Aber ja, das ist ein Preis der Leipziger Buchweise gibt klar!

00:37:02: Hat man jetzt vielleicht noch nicht so prominent was von Goethe?

00:37:04: aber klar erklärt sich von selber?

00:37:06: Das es einen deutschen Preis der Popliteratur gibt War mir bisher komplett unbekannt, wie auch immer.

00:37:13: Und

00:37:13: man sollte meinen du hast eine gewisse Grundaffinität zur Deutsch-Jahob-Literatur.

00:37:17: Es ist ja überraschend dass das so gänzlich an dir vorbeigegangen sind Im Gegensatz zu mir der ja manchmal diese Verlagsvorschauen liest und das Gefühl hat die Welt der Bücher ist ein Waffenasinal und alle sind auf mein Kopf gerichtet.

00:37:30: Ja also wird diese Rede... ...ist noch die Redeliebelur, die ist von Polly People!

00:37:34: Von Stefan Sommer.

00:37:38: Ich bin irgendwie so vorsichtig pervers gespannt, was wir da bekommen.

00:37:42: Es geht um einen DJ und die Depression im Hedonismus... ...und ich weiß schon jetzt mir diese Folge ablaufen wird!

00:37:51: Ich gucke ja auch mit einem vorsicht amüsierten Auge auf dieses wieder sehr schmale Büchlein.

00:37:57: mal gucken.

00:37:58: Ich habe in der Allegro-Pastellfolge gesagt, der Pop Roman ist tot.

00:38:01: Mal gucken, was Stefan Sommer dazu zu sagen hat.

00:38:03: Bis nächste Woche.

00:38:04: ihr Lieben wartet auf den Beat Drop.

00:38:06: Dr.

00:38:06: Sommer erzählt uns wieder mal, wie die Jugend funktioniert denn?

00:38:09: Der Verlag argumentiert für Leser Indy den popkulturellen Gesellschafts-Romanen der Jensie suchen!

00:38:14: Die Suche geht weiter und wir stehen bei jeder Expedition auf eurer Seite gelesen – der große Archäologie- und Suchepodcast.

00:38:23: Das ist unsere Queste das es... Das is Don Quixote.

00:38:27: du bist Sancho Panza.

00:38:28: let's go Tschüss tschüss.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.