Folge 52: Oma Jever (Gerhard Henschel)
Shownotes
Knapp hundert Jahre deutsche Geschichte, von den braunen, über die roten, bis hin zu den schwarzen Jahren, erzählt durch die Augen einer Unbeteiligten: Das Thema, das Gerhard Henschel für seinen Roman "Oma Jever" wählt, scheint bekannt. Interessant wird es dahingehend, dass hier keine fiktiven Figuren sprechen, sondern Henschel die realen Briefe seiner Großmutter Emma Lütjes an die erweiterte Familie archiviert und zu Literatur montiert hat. Gelingt dieses Experiment des Großen im Kleinen? Lucas und Fynn spitzen die Stifte und schreiben in die Podcastkladde.
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Transkript anzeigen
00:00:00: In seinem Nachruf auf den seven verstorbenen Schriftsteller Walter Kempowski lobt Gerhard Hentschel seine liebevolle Millimetergenauigkeit, die aber tausende Nahaufnahmen aus dem Menschenleben, die dieser zusammengetragen sortiert und in Kapiteln kollagiert hat bis aus den Kapitlenromane erwuchsen.
00:00:17: Und als den Roman ein Zyklus entstand!
00:00:19: Auch der newtzer-sächsischen Hannover geborene Hentsche leistet Millimeterarbeit – auch Hentsschl hat mit den zwölf Romanen über sein Literaturavatar Martin Schlosser längst einen eigenen Zyklus ins Leben gerufen, indem er seine eigene Biografie und die seiner Familie ausladend gerne auf je fünf bis sechshundert Seiten ins Erzählerische überführt.
00:00:38: Die Bücher tragen Titel wie Jugendroman, Künstler-Roman und zuletzt im Jahr twenty-fünfundzwanzig Großstadt-Romann.
00:00:44: Er berichtet schmunzelt lakonisch, chronologisch und mithilfe von Briefen und anderen Quellen.
00:00:49: Nun ist Roma Jeva erschienen – vielleicht ein neuer Band?
00:00:53: Vielleicht einen Spin-off?
00:00:54: In jedem Fall ein Buch über seine Großmutter Emma Magda Geradintho später Lütjes aus der norddeutschen Kreisstadt Jeva.
00:01:03: Sie wird von der Wiegens Grab begleitet, von der Geburt am siebten August neunzehnt sechs In der Fußartillerie Kaserne in Breisach bis zu ihrem Tod am vierten Februar nineteenzehnt sechstenneunzig und ihrer Beisetzung auf dem jeweils schon Friedhof.
00:01:15: Dazwischen liegen knapp neunzig Jahre bundesrepublikanischer Geschichte, fast ein Jahrhundert voll von Weltkriegen, Wirtschaftswundern, Urlaubsreisen, Familienfesten und Alltag – wir haben den Roman gelesen und sind Finnbankert!
00:01:26: Und
00:01:26: Lukas Plaventschik?
00:01:27: Lukas ich bin jetzt sehr, sehr gespannt weil das ist vielleicht bei dem einen oder anderen schon durchgekommen.
00:01:31: Ich bin ein großer Fan vor diesem Martin Schlosser Zyklus.
00:01:34: Der hat mich nämlich glaube ich genau den richtigen Moment erwischt, nämlich so als neunzehnjähriger am Anfang meines Studiums.
00:01:41: Da wollte ich selber noch Autor werden und hatte die Idee einen so parodistischen Jugendroman zu schreiben namens Zeitgeist-Romanen.
00:01:48: Es war mir auf jeden Fall sehr wichtig dass dieser Roman den Titel Roman trägt und bin in den Urlaub gefahren und habe eine Buchhandlung einer Sternschance durchforstet was man sich mitnehmen könnte und sehe dann da plötzlich Jugendroman von Gerhard Henschel Und dachte mir, war Mist.
00:02:05: Da waren diese in meinem Kopf so originelle Idee vielleicht gar nicht so originell!
00:02:09: Ich sah es gab auch noch den Bildungs- und Abenteuer Roman.
00:02:12: Ich dachte aber gut ich nehme den Jugendroman mit... ...und habe dann meinen Eltern auf einer sehr langen Autofahrt daraus vorgelesen.
00:02:18: Das fanden die natürlich auch besonders reizvoll weil sie sind ungefähr Henshills Jahrgang.
00:02:24: Also meine Mutter ist aus der Sechzehnte geboren, mein Vater aus der sechzehn.
00:02:27: Und dieser Jugendroman, der vor allem Anfang der siebziger spielt, Martin Schlosser, also Henschl ist da so um die zwölf Jahre alt würde ich sagen, zwölfe bis vierzehn.
00:02:37: Das war schon sehr schön dann auch über diesen Roman mit meinen Eltern ins Gespräch zu kommen und die Erinnerung von Henshel mit den eigenen Abzugleichen.
00:02:45: Dann bin ich zum Fan geworden weil ich merkte das sind alles Fortsetzungsromane und gerade der Bildungsroman in dem wir das Germanistikstudium Martin begleiten.
00:02:54: Der war für mich natürlich sehr, sehr wichtig weil ich gerade in der ähnlichen Lebensphase war.
00:02:59: Ähnliche Erlebnisse hatte und seitdem sind diese Bücher willkommene Jahrjahresmarker praktisch schon.
00:03:05: Weil Henschl muss man ja sagen hält sich wirklich ran.
00:03:08: mittlerweile erscheinen nach immer kurz und nach so.
00:03:11: es gibt immer noch Pausen von ein zwei Jahren und dann erscheint er mal zwei Jahre zwei Romane im Jahr.
00:03:16: Der Familienroman wird Ende.
00:03:22: Ich habe diesem Oma je schon ängstlich entgegen geblickt, aber ich war mir schon unsicher ob das was werden kann.
00:03:29: Denn neben diesen Schlosser Roman gibt es ja noch den Roman die Liebenen der Henshills Literatur
00:03:37: über seine Eltern.
00:03:38: Der Henshelts Literatur Ruhm eigentlich begründet hat wo er nicht nur die Briefe seiner Eltern, sondern auch eben seiner Großeltern und deren Großeldern gesammelt hat.
00:03:47: Und eben auch schon eine Briefkollage der Bundesrepublik von五zig bis neunzehntneinzig erstellt hat.
00:03:53: Als ich mich gefragt habe was kann man bei Oma Jeva jetzt eigentlich noch Neues leisten?
00:03:59: Vor allem weil ich doch das Leben dieser Frau in den Romanen schon mitbegleitet habe.
00:04:05: Ich glaube was es ist.
00:04:06: du hast ja auch schon die Frage gestellt im In deinem Intro ist es ein Spin-Off, es ist eine Fortsetzung.
00:04:12: Es ist, glaube ich so eine Art Verdichtung von allem was Henshel bisher gemacht hat.
00:04:16: Weil es sind Passagen aus dem Liebenen wiederverwendet.
00:04:19: Es sind natürlich auch Passagien aus den Schlosser-Romanen wieder drin wenn man da eben chronologisch mitgelesen hat.
00:04:26: Es ist aber ja noch mehr als nur ein Liebesbrief an seine Oma.
00:04:29: Das ist irgendwie auch eine Kronik der Stadt Jefa zur Zeit der Bundesrepublik über die Braunen, über die Roten bis hin zu den Schwarzen Tagen.
00:04:38: Es ist auch so ein bisschen der Anklage, hat man das Gefühl.
00:04:40: Das ist eine Offenlegung von wie lange der braune Morast noch in der Bundesrepublik gedeihen konnte und nicht wirklich aufgedeckt wurde?
00:04:51: Es ist schon ein ambitioniertes Stück Literatur!
00:04:55: Ich frag mich aber, wie viel das jemandem bedeutet, der an diesem Schlosserzyklus nicht wirklich drin ist.
00:05:01: Was war dein Eindruck?
00:05:04: Naja, ich finde im Großen und Ganzen war das hier eine sympathische Leseerfahrung.
00:05:09: Ich bin in diese alltäglichen und oft auch sehr offent trivialen Erfahrungen dieser Frau die ich nicht kannte, deren Nachfahren ich nicht kannte so hinein gezogen worden und habe sie gerne begleitet und hatte Spaß an Zeitkoloriet, hatte gerade auch Spaß an der Frage wie viel von der Weltgeschichte reicht, denn wirklich bis in die Provinz hier rein.
00:05:34: Wie verarbeitet man die?
00:05:36: Wie geht man damit um?
00:05:37: Also was ist überhaupt auf dem eigenen Wahrnehmungsradius irgendwie?
00:05:42: Was reicht bis zu einem Heranen?
00:05:44: Es ist schon auch interessant gewesen!
00:05:46: Es ist natürlich immer noch recht umfangreich, auch wenn es kürzer ist als zum Beispiel die Liebenden, die ja glaube ich auch achthundert Seiten sogar das Ganze haben.
00:05:56: also Verdichtung ist hier sicher der richtige Begriff.
00:05:59: Ich glaub am Interesse Tantesten fand ich so eine Gegen- und Nebenfigur, denn es wird ja Negenoma Jeva und ihre erweiterten Familie die ich ehrlich gesagt nie so richtig gut auseinanderhalten konnte.
00:06:12: Also ich wusste jetzt nicht immer genau wer diese Tante und dieser Enklin irgendwie dann ist.
00:06:17: aber es gibt da noch eine eigentliche Hauptfigur eine geheime Hauptfiguren würde ich vielleicht sagen in Form von Fritz Levy Der letzte Jude von Jeva, so eine Art Gegenläufer in den Augen der Jeverane ein Quero-Land.
00:06:31: Aber in unseren Augen und in den errettenden Augen von Henshel sofort erkennbar als klug, als schnell, als schlagfertig, irgendwie auf die richtige Art und Weise humorvoll und provokant... Wirklich so eine feuerbarsche Kontrastfigur, alles was die Jeveraner nicht sind.
00:06:50: Das ist dann irgendwie dieser Fritz Levy und das war schon interessant zu sehen.
00:06:54: und auch sagen wir diese Kultur des Archivierens, des Übertragens, diese oratische Kul- diese Kladden, die wir da vorgeführt bekommen.
00:07:05: Das fand ich tatsächlich interessant!
00:07:06: Die Tatsache dass diese Zeit noch so romanhaft ist weil so viel aufgeschrieben wurde.
00:07:13: er schreibt einmal wahrscheinlich hätte ich das nie erfahren wenn es eine telefonische und keine briefliche Mitteilung gewesen wäre.
00:07:20: doch zum glück waren Ferngespräche damals auch sündhaft teuer und die Briefkultur stand in schönster Blüte.
00:07:26: und ich dachte ja interessant dass die Gegenwart in der Art wie wir kommunizieren der Art, wie wir in Kontakt treten miteinander.
00:07:34: So viel romanhafter war und allgemein so diese Möglichkeiten und Grenzen dieser dokumentarisch-archivarischen Funktionen die finde ich interessant.
00:07:43: Er schreibt immer wieder über die Limitierungen dieser Retroespektive.
00:07:48: also er macht dann so seltsam Juwiale Einwürfe wie da hätte ich ja gerne Moischen gespielt.
00:07:53: oder er schreibt an anderer Stelle ewig Schade dass es davon keine Filmaufnahme gibt.
00:08:00: Vielleicht ist das bei Henshel allgemein so, das musst du mir erklären.
00:08:03: Sind es auch Erzählungen über die Sehnsucht des Archivars?
00:08:06: Denn der Archivar ist jemand, der von außen zurückblickt und die Geschichte nicht berühren kann.
00:08:12: aber er ist so nah an ihr dran dass er darüber enttäuscht sein kann wie anderen.
00:08:16: wir laufen durch das Leben meistens ohne das Gefühl uns würde was entgehen.
00:08:22: Ich finde, man merkt irgendwie bei ihm auch die Sehnsucht diese Vergangenheit in irgendeiner Form lebendig zu machen und sie berühren zu können.
00:08:30: Und sie irgendwie von den Toten auferstehen zu lassen.
00:08:34: Also so wie es im Filmkritischen immer so diese Sehsucht nach der Errettung der physikalischen Wirklichkeit gibt habe ich auch hier immer das Gefühl ist geht darum etwas zu retten.
00:08:45: aber Und da musst du mir jetzt vielleicht auch ein bisschen aushelfen.
00:08:48: Es geht auch viel darum, zu bestrafen oder?
00:08:51: ich habe das Gefühl man hat immer eine spöttische kritische Perspektive auf diesen betulichen Privatkitsch den seine Familie auslebt und dass der Nationalsozialismus die sind schon... sehr, sehr präsent bis in die letzten Minuten und er hat so einen Rhythmus der mich irgendwie manchmal ein bisschen gestört hat.
00:09:14: Denn es ist ja eigentlich immer abwechselnd ein Brief-und dann ein Einwurf!
00:09:19: Und in manchen Passagen ist es so'n bisschen wie so ein Tischtennis-Spiel.
00:09:24: So der Ball kommt oder schmettert ihn dann mit einem etwas grimmigen Blick zurück.
00:09:28: Es ist manchmal so Zitat, Pointe, zitat, pointe... ...und ich finde ihn da manchmal auch so so unangenehm herablassend.
00:09:36: Man merkt natürlich, dass da auch Liebe und Empathie ist aber manchmal wirkt es auch als würde der Ark Wack-a-Mole mit der eigenen Vergangenheit spielen.
00:09:46: jetzt wird der Ark viel drauf dreschen oder?
00:09:48: Oh das ist eine interessante Beobachtung weil ich das gar nicht so gesehen habe.
00:09:53: ich sehe mal wo's herkommt.
00:09:55: Ich glaube jetzt einfach dadurch, dass ich diese Romane alle im Hinterkopf habe auf seine eigene Familie mit diesem Spott blickt.
00:10:05: Ihm ist das alles schon sehr, sehr wichtig!
00:10:06: Ich glaube er sieht vor allem eine große Trauer.
00:10:09: Er guckt dem Ganzen gerade mit der großen Liebestragödie seiner Eltern mit einem sehr weinen Auge entgegen und ich habe so das Gefühl dass archivarische Union jetzt hier viel zu viel auf die Psycho-Couch legen zu wollen kommt.
00:10:22: auch ein bisschen daher Seine angenommene glückliche Kindheit auf dem Wallender Berg, was ja hier auch kurz zum Thema wird.
00:10:32: Einfach je durchbrochen wird weil der Vater versetzt wird nach Meppen und plötzlich in einem Reihenhaus lebt, nicht im baufälligen Haus.
00:10:40: An einem Haus, das niemals fertig wird.
00:10:42: die Mutter, die so gerne gereist wäre eine Dame von Welt ist jetzt in dieser Kleinstadt eingesperrt es dort keinen Anschluss findet der Vater immer mehr vergrandelt sich in seinen Hobbykeller zurückzieht da absurde Bauten verzimmert.
00:10:56: nicht umsonst heißt dann der Roman der sich vor allem um sein Vater dreht Schauer-Roman.
00:11:01: ich glaube da ist so vor allem die Frage wie das Versprechen des großen Glücks der neuen Bund des Republikums, des Wirtschaftswunders nicht in die Realität umgesetzt werden konnte.
00:11:10: Also da ist dieses Kind aus den Jahre twoinzigzehntig das mit der ... wir nennen es einfach mal Propaganda oder mit dem Mindset des Wirtschaftswunders noch aufgewachsen ist und sich fragt warum hat das bei meinen Eltern nicht funktioniert?
00:11:24: Und dann dadurch ins Archivarische ins Rückblickende geht und natürlich die Begegnung weiter.
00:11:29: Kempowski Mitte der achtziger Jahre ist für ihn dann sicherlich auch sehr, sehr wichtig.
00:11:34: Weil du hast in einem Intro auch schon erwähnt Henschl einer der ersten... großen Literaturbetriebsschaffler war, die Kampofsky überhaupt aus der Bedeutungslosigkeit gehoben haben.
00:11:45: Das ist ihm halt auch immer sehr wichtig in den Schlosser-Romanen da archiviert er ja nicht nur Briefe und montiert nicht Gebriefe sondern auch Romanpassagen aus existierenden Büchern eben aber auch Spiegel und Zeitkritiken und Interviews.
00:11:57: Und man merkte dass eine Lebensaufgabe von Henshel auf jeden Fall war Kampovski auf den hohen Thron der Literatur zu heben.
00:12:04: das soll ihm dann ja auch gelingen... ...das spöttische was du beobachtet hast.
00:12:08: Ich denke, das kommt so ein bisschen daher, dass er eben auch Titanic-Autor ist und also wahr und isst Fragezeichen?
00:12:15: Das
00:12:15: leuchtet mir total ein!
00:12:16: Ich habe im Vorfeld um mich mit der Perspektive ein bisschen vertraut zu machen, auch in einem Buch beim Zwiebeln des Heuters reingelesen, der vor allen Dingen aus Kritiken und v.a.
00:12:28: aus Verrissen besteht.
00:12:30: Und man merkt auf jeden Fall diese kolumnistische Perspektive, dieser kolumnistisch-journalistische Schreibstil der bleibt hier auch viel erhalten.
00:12:39: es ist ein stellenweise lakonischer Schreibsteal vor allen Dingen das würde ich irgendwie jetzt fragen wollen Es scheint mir sehr sprachkritischer Stil zu sein oder?
00:12:51: Diese kritische Auseinandersetzung mit der Art, wie wir Sprache gebrauchen und das Alltägliche, dass hier so viel beschworen wird, konstituiert wird.
00:12:59: Das scheint ihm sehr wichtig!
00:13:01: Also es wäre jetzt banal zu sagen Es geht auch um die Banalität des Bösen und um das Böse der Banalitet.
00:13:08: Aber das ist auf jeden Fall präsent.
00:13:10: Er guckt sich diese subkultare Nazi-Kultur Die Täter in der Bäckerei, in den Fabriken In den Gemeindezentren
00:13:17: doch
00:13:17: sehr genau an.
00:13:20: Es ist natürlich immer auch eine schwierige Perspektive, aber für einen Humoristen, finde ich, wirkt er dabei schon selber auch sehr verbittert.
00:13:29: Ich weiß halt nicht so, weißt du?
00:13:30: Ich verstehe natürlich dass ich ja gegen einen Autor nicht anrede.
00:13:34: Aber da ein leichtes Skepsis erhebe der dir sehr viel bedeutet.
00:13:37: aber für mich so kontextlos wirkt es schon auch irgendwie schroff und da habe ich überhaupt nichts gegen.
00:13:44: Weißt du, ich bin großer Fan von Battlerap und hab auch kein Problem mit Invektiven und jeder Forden von Swada und Schmähschrift
00:13:51: usw.,
00:13:52: aber irgendwie... Er schießt auf sehr einfache Ziele oder also eher Er pflückte auch gerne die sehr tief hängenden Früchte, habe ich das Gefühl.
00:14:02: Das ist manchmal in den schlechtesten Momenten ist die Geschichte hier eine Summe von Pappkameraden, die ganz einfach umgeholzt wird.
00:14:10: Da kann ich überhaupt nichts gegen sagen.
00:14:12: Ich kann nur versuchen ein bisschen Kontext dazu zu liefern.
00:14:14: Natürlich!
00:14:15: Ich glaube dass was Henshel damals gemacht hat So Anfang der Neunziger Für konkret Titanic-Pardon und für was er nicht alles geschrieben hat War noch relativ neu.
00:14:24: also sich irgendwie so die Bäckerblume zu nehmen oder irgendwelche linksisoterischen Bücher tatsächlich zu lesen und sich mal anzugucken, was da drin steht.
00:14:33: Und da dann eben sprachkritisch mit dem Vokabular eines abgebrochenen Germanisten draufzuhauen Das sind natürlich alles jetzt Dinge, das kennt man im Jahre.
00:14:45: Also geh auf YouTube und du wirst achtzig Videos haben!
00:14:48: Ich habe mir die Teletabis angeguckt und habe den maxistischen Untertoder drin gefunden, dass dann vier Stunden lang und gern...
00:14:55: Ich muss sagen ich hatte es sehr und er wird ja auch hier zitiert.
00:14:59: Das ist natürlich auch naheliegender Referenzrahmen.
00:15:01: also ich musste dir ganze Zeit an Max Gold denken.
00:15:05: Ich
00:15:06: wollte gerade sagen, man merkt auch einen ähnlichen Zugang zur Welt und einen ähnelichen Humor.
00:15:10: Und Max Gold ist für mich aber auch jemand den ich so auf Millimeter Basis, den ich über die Kurzstrecke sehr liebe und der mir danach schnell zum Hals raushängt.
00:15:19: Vielleicht ist es das auch gewesen vielleicht?
00:15:21: Der Einzeltext irgendwie von Hanschel ist toll über vierhundertfünfzig Seiten.
00:15:25: Ich fand es nicht schlimm, wie gesagt.
00:15:27: Ich mochte irgendwie auch die Biederkeit und die Spießigkeit, die er findet... ich mochte aber auch natürlich die Energie und die Liebe und die Eigensinnigkeit der bei seiner eigenen Großmutter lebt.
00:15:37: also man sieht die Liebe ja wirklich immer wieder so durchflackern Aber ist schon auch irgendwie manchmal weiß nicht das ist mir sauer aufgestoßen Und ich verstehe kann es voll schwer zuordnen weil ich ja normalerweise wirklich nun nicht jemand bin der sich schnell halt an sagen wir einer zugespitzten kritischen Perspektive abarbeitet, sondern normalerweise ist mir das sehr nahe und irgendwie das ist ja auch etwas dass ich in meinem Gefühl selber ja auch manchmal tue.
00:16:06: Aber ich weiß nicht hier fand ich so es wirkte so einfach oft.
00:16:11: Ich glaube auch das größte Problem dieses Romanes sind die Einschübe von Hennenschild bzw.
00:16:15: Martin Schlosser der hier kommentiert und allen ordnet, denn die Liebenen hat das zum Beispiel überhaupt nicht.
00:16:21: Das sind eigentlich nur Briefe, die aneinander gereizt sind.
00:16:23: Und das hat eine ganz andere Wirkung und auch eine sehr viel stärkere oder sehr niederschmetternde Wirkung.
00:16:28: Denn hier bei Oma Jeva erzählt Henschel- oder Schlosser – das ist ja auch die spannende Verwirrspiel hier gerade!
00:16:35: Wer schreibt hier eigentlich gerade auf?
00:16:37: Und wer montiert hier eigentlich grade
00:16:39: überhaupt?!
00:16:41: Da steht dann irgendwann im Text Cecilia Schlosser ist gestorben, Richard Schlossers stirbt am Sohn zu viel und wird beigesetzt.
00:16:48: Bei die Liebenden sind das dann Briefe, die andere Leute schreiben.
00:16:53: Z.B.,
00:16:54: der Roman endet damit... Also dass Gert Händels Vater gestorgen ist, das ist klar, das sind keine Spoiler.
00:17:00: Dann endet dieser Roman damit, dass Martin Schlossa an die TV-Spielfilm schreibt, dass er gerne das Abonnement seines Vaters abbestellen würde, weil er verstorben ist?
00:17:09: Und damit endet diese Romane!
00:17:10: Das hat natürlich eine ganz andere Wirkung als wenn Henshel hier einfach reinschreibt, dann ist die Person gestorben.
00:17:17: Also ich gebe dir auch recht dieses kommentierende so nettes an manchen Stellen manchmal isst, wenn er da uns wie gesagt über Fritz Levy erzählt oder darüber was der jeweiligerer Wochenblattautor denn tatsächlich so gemacht hat neben seiner Tätigkeit als Wochenblattschefredakteur?
00:17:31: Dann ist das schon hilfreich.
00:17:32: immer dieser Drang zu porrente, der drin ist, der ist mir aus den Schlosser-Romanen nicht ganz bekannt.
00:17:41: Okay, das wäre auf jeden Fall auch eine Frage die ich an dich gehabt hätte.
00:17:43: Ist der immer so dass er so aufbaut?
00:17:46: und dann also Seder-Punchline, Seder Punchline?
00:17:48: Weil ich habe das Gefühl genau was du beschreibst ist absolut das Problem wenn es ein Problem gibt des Romans, dass er manchmal auch gar nicht weiß was er denn jetzt nun eigentlich so als Bauschaum, als Filmmaterial eben zwischen die Briefe packen soll.
00:18:01: Also manchmal sind das dann so Quatschrecherchen.
00:18:03: An einer Stelle schreibt ja Wenn man Jeva plus Ostwind googelt kommt man auf.
00:18:07: immerhin schreibt er, von dem Eis in den Berchtesgadener Alpen hat der Klimawandel inzwischen nicht mehr viel übrig gelassen und da muss ich dann sagen das wirkt so wie eine Überspungshandlung.
00:18:21: Wieso Verlegenheitsschreiben?
00:18:23: Als hätte ihn jemand gezwungen jetzt schnell was dazu zu äußern.
00:18:29: Ich hatte manchmal das Gefühl, ich bin so bei einem Dierabend und wir sehen halt diese einzelnen Aufnahmen des Familienlebens.
00:18:34: Und dazwischen muss man dann eben was kommentieren.
00:18:37: aber irgendwann erschöpft sich das auch das Reportoir oder vielleicht wie so ein ermüdender Sportreporter der eine lange Veranstaltung kommentiert muss.
00:18:47: und irgendwann sind die Standardsituationen, sind auch die Standardsprüchlein, die man sich im Laufe der Karriere erarbeitet hat, so ein bisschen ausgegangen.
00:18:56: Dann ist man irgendwann so, Thomas Gottschalk in der sechsten Stunde wer wird?
00:19:02: Wer wird Millionär?
00:19:03: so ein Unsinn.
00:19:04: Dann ist dann irgendwann Tomas gottschalck in der Sechsten stunde von wetten das und muss irgendwie weiter moderieren.
00:19:09: Und ich hatte schon auch das Gefühl Du musst es doch nicht, das ist ja kein Improteater.
00:19:16: Das ist jetzt nicht irgendwie ein Freestyle Battle wo du darauf wartest dass du nicht choken darfst oder so sondern du kannst auch noch mal einen Schritt zurück machen und überlegen muss da jetzt gerade überhaupt ein Kommentar hin?
00:19:27: ich habe manchmal das Gefühl Es fühlt sich so ein bisschen gezwungen an den gewissen Passagen
00:19:32: Es fühlt sich gezwungen an und das ganze Buch, wenn wir jetzt mal zu einer neuen Deedings gelesen Kategorie nämlich Kritik am Paratext durch den Verlag und Kritik an dem Marketing kommen.
00:19:43: Ja ja damit!
00:19:45: Erinnerst du dich noch an diese Geschenkbücher, wir Kinder vom Jahrgang in den Sechsten und Sechzig und so was.
00:19:51: Die lagen für ein paar Jahre immer in Buchhandlungen aus.
00:19:54: Und die konnte man dann zum Geburtstag seinen Eltern- und Großeltern schenken.
00:19:57: Da hat man auf so hundert Seiten die größten Ereignisse dieses Jahres mit lustigen privaten Anekdoten versehen.
00:20:04: Zum Beispiel dass die erste Episode Star Trek im deutschen Fernsehen läuft.
00:20:09: Was die spießigen Eltern damals ja nicht geahnt hatten war das die Pyjama Partys... wie Star Trek Partys waren.
00:20:17: Und ich habe fast ein bisschen Angst, dass Hoffmann und Kampel oder vielleicht auch Henschul als Verlag hier dachten das wird auch so eine Art Geschenkbuch.
00:20:24: also das ist so ein Buch den du der Boomer Generation die ja mehrfach auch genannt wird unter den Tisch legen kannst und da kann man dann gemeinsam nicht komplett in den eigenen Erinnerungen schmelgen sondern vor allem in Erinnerung an die Eltern.
00:20:38: Und das haben wir
00:20:39: jetzt aber ein toyanisches Pferd, oder?
00:20:41: Also ich glaube dass ist ja nun kein nostalgisches Buch zum zurückblicken.
00:20:44: Das fände ich jetzt natürlich dann auch in seiner... vermeintlichen subversiven Sprengkraft, wer weiß wie das in der Realität aussieht.
00:20:51: Zumindest ein unterhaltsamer Ansatz hier ist irgendwie this is your life.
00:20:55: und die Tatsache ist ja ihr wart alle Nazis und dann kam das Wirtschaftswunder und da wurde dir alle Ludwig Erhardpilt und habt konsumiert bis zum geht nicht mehr und habt all die Vergangenheit irgendwie ignoriert?
00:21:08: Und dann seid ihr irgendwann gestorben so dass ich habe das wäre
00:21:10: harisch.
00:21:12: Ich finde zum Teilen ist es hier drin weil wenn man sich jetzt diesen Klappentext auch anschaut Ein bewegtes Jahrhundert und eine grandiose Oma.
00:21:21: Zwei Weltkriege, eine Inflation, fünf Töchter die erste Waschmaschine der Erste Fernseher, die Mondlandung.
00:21:27: Oma Jever hat viel erlebt in ihren neunzig Lebensjahren.
00:21:31: Das liest sich für mich erst mal wie so ein... Ach weißt du noch damals?
00:21:37: Und dann, wie du auch schon gesagt hast, hattest eine gewisse subversive Qualität.
00:21:41: Aber vielleicht soll es auch nicht zu harsh werden und deswegen gibt's da hier und da mal so den Homuresken.
00:21:46: die Gensie weiß ja gar nicht mehr was das Wort überhaupt bedeutet.
00:21:50: Ja
00:21:51: ich dachte auch als dann den Millennials vorgeworfen wurde sie wüsste nicht mehr wer Freddy Quinn ist.
00:21:57: Da war ich also wirklich mit meiner unvergleichen Expertise.
00:22:01: aber nein!
00:22:02: Ich finde das immer so interessant was vorausgesetzt wird was erwartet wird dass man nicht mitbekommen hat oder so.
00:22:08: aber ich hatte schon auch das Gefühl beim merken natürlich dass alter des autos und dessen eigenen status als boomer trademark hier einsetzen sehr an weil die millennial sind die junge generation und alles darunter kann man noch gar nicht sich so richtig imaginieren.
00:22:25: irgendwie das wird auch gar nicht so richtig angesprochen und es ist jetzt auch keine roman.
00:22:30: Der besonders starke... Entschuldigung, wenn wir gerade schon dabei sind.
00:22:34: Wir müssen die andere Lieblingskategorie unsere große Quiz-Show, die wir gelegentliche spielen nämlich ist es ein Roman!
00:22:43: Findest du das hier denn ein Roman oder ist das nicht sachbuchhaft?
00:22:46: Führt es dadurch dass man so spitzfindige Kommentare zwischen Archivware kritzelt als Marginalier fast?
00:22:55: Ist das dann ein
00:22:55: Roman?!
00:22:56: So, ich trete kurz zum Rätnerpult im Gerichtsaal und schaue mein Plädoyer vorbereitet.
00:23:03: Für die Verteidigung.
00:23:05: F-Punkt Bankert!
00:23:06: Sie haben das Wort?
00:23:08: Genau,
00:23:08: ich schreihe in schönster Kevin Kostner oder Tom Cruise Stimmlage... Ja es ist ein... You can't
00:23:13: handle the truth.
00:23:14: it's a novel.
00:23:16: Also ich finde es ist eine Romanin.
00:23:18: hier wird natürlich auf mehreren Ebenen irgendwie literarisch gespielt.
00:23:22: Zum einen ist hier die literarische Persona von Gerhard Henschel als Martin Schlosser, als Archivar dieses autofiktsionalen Familienkosmos vorhanden.
00:23:31: Das darf jetzt natürlich nicht zu Wort, glaube ich, werden.
00:23:34: Ich versuche es so gerade eben möglich zu sagen... Ob das hier wirklich die Familie Henschl ist, die wer liest, das wissen wir natürlich nicht!
00:23:42: Wir gehen ja diesen Fiktionspakt mit den Autoren ein und wir wissen ja auch nicht wie sehr diese Briefe nochmal nachträglich bearbeitet sind und sie sind angeordnet worden.
00:23:52: Das würde ich sagen, spricht auch mal zum Roman.
00:23:54: Sie beschreiben einen Spannungsbogen den sie in der Realität nicht unbedingt gehabt haben Und gerade durch die kommentierenden Passagen wird es ja in so eine Art Handlungsbogen ein Handlungskosett eingeflochten.
00:24:07: Deswegen würde ich sage kann man hier durchaus schon vom Roman sprechen von einem Mix aus Brief Roman?
00:24:12: Ja, es ist eigentlich ein Briefroman mit etwas mehr Einschüben als gewöhnlich da drin sind.
00:24:19: Ich bin auch da hundert Prozent bald.
00:24:20: Natürlich ist das ein Roman denn das Ganze wird geordnet und rhythmisiert natürlich ist das chronologisch aber man merkt ja auch dass hier ausgewählt wird und dass auch manchmal so scheint es mir gezielt bestimmte dramatische Erlebnisse und auch manche große historische Verwerfungen die vielleicht Man als essentielle Werten würde hier einfach nicht stattfindet, gar nicht einmal anklingt.
00:24:44: und ja es ist auf jeden Fall ein interessanter Effekt.
00:24:48: Lass uns doch vielleicht über die Konstituierung von Alltag, von Trivialität, von Konsum, von Reisen... Ein bisschen sprechen.
00:24:57: Was hast du denn das Gefühl, was erfährst Du hier über diesen Alltag von Oma Jeva und ihre erweiterten Familie?
00:25:02: Von ihrem Ehemann, von ihren Kindern und so weiter?
00:25:06: also mir schien es manchmal auch wieder so Listen Literatur zu sein.
00:25:10: wir erfahren So viel und dass ist wahrscheinlich recht klassisch bürgerlich Über zu sich genommene Mahlzeiten.
00:25:17: also Essen ist ein total zentraler Lebensmittelpunkt.
00:25:21: Und wir erfahren vor allen Dingen viel von Reisen und Besuchen, also alles was aus Alltag ausbricht.
00:25:28: aber Alltag bleibt Bewegung durch die Welt Urlaub Alles was so ein bisschen aufbricht und Kontakte mit Menschen.
00:25:35: Also man hat das Gefühl Wenn hier Schwärze ist dann entsteht da immer Licht Dann wird immer Da einen Schlaglicht geworfen Wo Menschen aufeinander treffen wo Man sich begegnet wo Familien feiern sind Aus denen baut sich ein Leben zusammen aus den Feiertagen, aus der hohen Zeit oder den Hochzeiten dann eben auch.
00:25:56: Das sind die Dinge, die danach ein Leben konstituieren.
00:25:59: Man erinnert sich an Arbeit wenn man dann später neunzig ist eigentlich nur noch sehr wenig.
00:26:05: das ist etwas was Leute tun dass es ein Attribut.
00:26:07: aber was bleibt sind Reisen Freunde Essen Kino und Bücher auch, also da ist auch immer drin was man gerne liest oder was man gern im kino anschaut.
00:26:17: das ist glaube ich auch wahrscheinlich für diesen popkultur kriegt.
00:26:20: Und wer wurde erwähnt unser schutzheiliger des podcast simmel?
00:26:24: Ja Ich war auf jeden fall auch sehr amüsiert als ich ihn gelesen habe und ich fand auch sehr schön Als sich beim zwiebeln des heuters aufgeschlagen hat weil irgendwie die vierte kritik oder so über den Auch über simmel das heißt dass Das passt wahrscheinlich einfach perfekt auch so ins Fadenkreuz von jemandem wie Henschlell oder jemand, der so Out of Favor gefallen ist.
00:26:47: Der nicht mehr cool ist und der jetzt eben ohne große Mühe abgeknallt werden darf.
00:26:52: aber dazu zählt im Buch dann auch zum Beispiel jemand wie also beim Zwiebeln des Heuters.
00:26:59: Auch zum Beispiel Günther Gras oder ganz am Anfang ist auch gleich Boto Strauß da wo.
00:27:03: ich bin ja klar natürlich sind die anschwellenden Bockgesänge das Neurechte gesorgt in dieser Nachmauerfallzeit, in dieser frischen Zeit der Bundesrepublik auch irgendwie dankbare Ziele.
00:27:15: Aber ja ich habe mich auf jeden Fall auch amüsiert dass hier nochmal er angebracht wird und... Ich glaube das ist für ihn auch konstituierend für so eine bestimmte Vorstellung von der Bundes-Republik, von der Bonner Republik auf jeden fall.
00:27:29: Das
00:27:29: ist noch sehr spannend.
00:27:30: an diesem Roman und den Briefkonversation finden dem was du genannt hast wie sehr man merkt wie hier auch das private immer noch ne Bühne ist Also wie auch in den privaten immer noch so eine Disziplin, eine Performance liegt.
00:27:43: Zumindest in diesen Briefen weil auch das was wir in den Briefen lesen natürlich es ist jetzt sehr selten Das hier wirklich mal geschrieben, mir geht es nicht gut oder ich bin traurig.
00:27:53: Also man hat zwar schon Krankheiten aber das hält man dann halt durch.
00:27:56: Dann ist man vielleicht etwas geknickt weil man die Hausarbeit jetzt innerhalb von fünf Stunden statt und zwei Stunden erledigen muss.
00:28:03: Und man ist ganz dankbar über die Haushaltshilfe.
00:28:05: Weil vor allem ist man dankbar wenn man wieder mehr Zeit zum Kochen und für den Garten hat.
00:28:10: Es ist sehr selten dass hier wirklich jemand schreibt Mir geht's nicht gut!
00:28:13: Es gibt einen Brief von einer Tochter die als Hausmädchen ja auch eine Profession Untergegangen ist in den letzten den letzten sechzig Jahren Schreibt wie furchtbar es bei ihrer ist bei ihrer Gastfamilie wäre.
00:28:26: das ist einer der ganz wenigen mal wo ihr wirklich mal Emotionen rausbrechen, wo das nicht noch zusammen gehalten ist und wo man vielleicht auch versteht Was die boomer und deren großeltern dann so verbittert am ende des jahre des lebens gemacht hat wenn man immer immer alles zusammenhalten musste, immer lächeln nach außen musste.
00:28:46: Immer die kalten Platten auf den Tisch stellen musste und keine Möglichkeit hatte also nicht mal in der eigenen Schreibe so die Möglichkeit hatte das diesen Druck loszulassen oder es ist los zu lassen.
00:29:00: Es ist schon interessant, wie wenig, wenn ich das jetzt so gesagt weiter denke, Individualität die Menschen sich zugestehen.
00:29:08: Also die Selbstverwirklichung findet statt indem man in irgendeinem Dorfverein sich engagiert oder sowas und indem man eben ja ab und zu mal ins Kino geht oder ein Buch kauft.
00:29:20: aber es geht sehr wenig um was wir heute wahrscheinlich als Lifestyle begreifen würden oder?
00:29:26: Ich glaube der Lebensmittelpunkt ist wie du beschriebest hat schon auch der Haushalt und dieses ewige andauernde Ritual, der Bürgerlichkeit.
00:29:36: Der Anstand – und damit auch das im Begriff schon ständische – dass gewahrt und performt und gespielt werden muss!
00:29:43: Und das ist sicher anstrengend aber wir hören nichts davon sich zu beschweren Wie du schon sagst, das findet zwischen den Tönen hier und da mal.
00:29:51: Es klingt leise an!
00:29:53: Ist es so ein Miston, dem man aber nur bis zu einem gewissen Alter hört?
00:29:57: Dann ist die Frequenz wahrscheinlich schon irgendwie versackt.
00:30:00: Und das fand ich auf jeden Fall auch interessant wie strukturiert, wie eng dieses Leben dann doch ist.
00:30:06: also weißt du wir haben in den letzten Jahrzehnten Irgendwann dann so viel Geschichten über Aussteiger bekommen und das Eat, Pray, Laugh Prinzip.
00:30:15: Und jeder hat nochmal Umbrüche im Leben und da findet sich... Die Dramaturgie der eigenen Existenz, die braucht Kapitel.
00:30:23: Die braucht Umbrüche!
00:30:25: Wir schauen uns unser Leben an und denken das muss sein wie die Karriere von Picasso.
00:30:29: da müssen verschiedene Phasen drin sein Und dann habe ich dort gelebt wir ziehen allgemein viel mehr um und so... ...wir sind viel mobiler, viel entwurzelter und das fand ich eben interessant.
00:30:41: also wieviel weniger Bemühungen Das eigene Leben zu mehr zu machen da ist akzeptiert seinen Stand in der Welt.
00:30:50: Also es ist nicht mehr keine Ahnung, Gottesgnadentum und Stände die wirklich fest zugeordnet sind das sind keine indischen Kasten!
00:30:57: Und doch hat man schon das Gefühl diese Welt ist auf ihre Art und Weise doch sehr viel enger.
00:31:05: und das meine ich nicht nur im Sinn von zusätzlichen Mobilität sondern einfach die Frage Was für eine Art von Leben, von da sein man sich vorstellen kann.
00:31:12: Das ist schon sehr viel dichter getaktet als eben das was uns heute vorschwebt in einer sehr viel individualisierteren Gesellschaft.
00:31:21: Das erleben wir in diesem Rumania auch mit der Teenager wird irgendwann in den fünftiger Jahren erfunden in Deutschland vielleicht noch ein bisschen später so mit dem Aufkommen der Bravo und dass es dann halt nicht mal die Tochtergeneration von Oma Jeva die das so richtig mitmacht sondern es sind halt eher Martin und Renate und Wiebke, Volker und Co.
00:31:40: die tatsächlich anfangen Künstler zu werden, die Lebenswege einschlagen, die man den Älteren erst mal erklären muss was eben auch große Teile der Schlosserromane dann ausmachen wird dass eigentlich alle Schlosserkinder etwas andere Karrierewerke, etwas verzwickte Lebensweger haben werden und das ist natürlich irgendwie auch gut.
00:32:01: also Wir haben hier schon viel über das archivarische gesprochen.
00:32:05: Es ist einfach schön, dass es mal aufgeschrieben wurde wie Lebens also wie der normale wieder Standard-Lebensweg vor hundert Jahren aussah.
00:32:14: Also was man... weil ich glaube das ist wirklich etwas was verschwindet.
00:32:17: wer könnte mir denn in dem Geschichtsbuch steht ja nicht drin?
00:32:20: Was ein sechzenjähriges Mädchen aus dem norddeutschen Flachland macht, wenn sie sechzehn geworden ist und wie sie ins Berufsleben starten kann.
00:32:28: Und wie sie in die Welt rausgeschickt werden kann sag ich mal.
00:32:33: Ich finde da dich lässt sich schon auch die große Verwerfung Geschichte irgendwie erahnen weißt du ein großes Problem mit allem historischen Arbeit mit allem historisch Schreiben ist natürlich dass die Begriffe die Kategorien in denen wir denken oft noch gar nicht existierten, dass Leute nicht in der Lage waren bestimmte Vorstellungen so die wir zum Beispiel von Freiheit haben oder so wirklich in ihrer Existenz zu verwirklichen.
00:33:00: und so habe ich schon auch immer das Gefühl Ich sehe hier Irgendwie das Bindegli zwischen moderner Individualisierung und mittelalterlicher Knechtschaft.
00:33:11: Und frage mich, ist Oma Jeva vielleicht näher an einer Person aus dem fünften Jahrhundert als an mir?
00:33:18: Die Antwort ist Quatsch – die ist eigentlich sehr nah!
00:33:21: Trotzdem erlebt man da schon sehr viel Ferne in der Mentalität was einfach anders ist, was anders funktioniert.
00:33:29: Das ist irgendwie interessant zu lesen und ich glaube es ist auch etwas, dass sich so Gleichförmigen heraus schält dieses Leben, das sich selbst genügt und dass ich auch selbst genügen muss.
00:33:40: Und eine Welt die keine anderen Versprechen eigentlich macht als dieses hier.
00:33:45: Und davon ausgehend wie du gesagt hast so diese zweite Generation nach ihr wenn dann auf einmal Leute so die Beatles hören oder sowas Was das für ein Umbruch gewesen sein muss, denn ich sage nicht dass die sechziger Jahre die Erfindung der Freiheit sind.
00:34:01: Das ist alles viel komplexer Aber es ist auf jeden Fall interessant zu sehen wie anders die Perspektiven Die leben und die Fragen die man sich gestellt hat Auf irgendeiner Ebene dann doch waren.
00:34:12: also Ich glaube Man lernt aus diesem Roman viel über die Distanz der Nähe.
00:34:17: Die Sachen, die uns ganz nahe scheinen könnten viel weiter weg sein als wir das jeweils aus unserer eigenen Perspektive wahrnehmen
00:34:24: können.".
00:34:24: Das fand ich schon interessant!
00:34:25: Und
00:34:25: ich glaube man lernt auch dass da Marc jetzt wieder etwas hermische oder vielleicht etwas spöttes von Henshel dazukommen, dass die Bundesrepublik Deutschland einfach schon immer ziemlich spiesig und ziemlich verklemmt war.
00:34:36: Egal was sie gemacht haben es hat immer so ein bisschen was angemuft ist... Ich erinnere mich dann an eine Sequenz im Jahre neunzen sechsen sechszig in der berichtet wird von einer Weihnacht von einer Fasching-Feier im Norddeutschen Rundfunk.
00:34:48: Und das Thema ist sechsundsechzig, weil ja die sexuelle Revolution gerade stattfindet.
00:34:55: Ich bin da beim Lesen dachte... Oh Mann!
00:35:01: Allein wenn man das ausspricht, gruselt es einen schon ein bisschen.
00:35:05: oder Sex und Sex.
00:35:07: Oh wow!
00:35:08: Ein Wortspiel also dieses etwas verkicherte Albane im Umgang damit?
00:35:13: Das ist schon auch ja wie du sagst sehr muffig.
00:35:15: Also es ist auf jeden Fall auch ein guter so Bair-Dénoir Roman irgendwie.
00:35:20: Also muffig ist glaube ich ein gutter Begriff.
00:35:23: Man sieht irgendwie von dem inneren Auge schon auch viel und irgendwie viel so weit getefeltes Holz.
00:35:32: Ich fühle auf jeden Fall sofort die Luft aus der Wohnung meiner mittlerweile verstorbenen Großmutter wehnen, ich finde es natürlich auch interessant.
00:35:41: Es ist ja ein Roman über Familien, über Konnektivität, diese Verbindung, die doch da sind!
00:35:46: Man hat schon das Gefühl... unabhängig davon, wie weit man auseinander ist und wie schwer es ist zu telefonieren.
00:35:53: Dass diese Leute doch sehr viel näher aneinander sind als zum Beispiel ich das aus meiner Familienerfahrung irgendwie erlebt hat.
00:36:00: Und ich meine, dass ist natürlich auch immer unterschiedlich aber... Meine Familie war immer sehr verstreut und zum Teil halt irgendwie in den Niederlanden und zum teil da in der Grenznähe und zum Teimeln im Rheinland und wir haben dann auch noch Verwandtheit irgendwie in Tschechien, in Prag irgendwie und so.
00:36:17: Ganz viele davon fühlten sich immer sehr fern an und ich habe beim Lesen dieses Romans immer das Gefühl gehabt, wenn jemand sich das Knie anschlägt dann spürt das Oma Jeeve auch fünfhundert Kilometer weiter noch irgendwie.
00:36:28: Also es fühlte sich schon wie eine Erzählung über die Engel von Familienverbänden mit allen Vor- und Nachteilen, die das hat.
00:36:36: Ich finde es fühlt sich auch mal sehr... beherrischend und kontrollierend an.
00:36:40: Man hat schon auch das Gefühl, man entscheidet auch was die Leute zu tun haben so ein bisschen.
00:36:44: Und man muss da auch zustimmen!
00:36:46: Wenn da jemand den falschen Freund hat dann wird die Feder auch mal ein bisschen spitzer auch wenn es nicht so die eigene Art ist.
00:36:53: Ja ich
00:36:53: würde sagen dass sind natürlich auch so wo eben diese Fassaden kurz ein bisschen bricht oder wo man sich ein bisschen beschweren kann.
00:37:00: Ich finde es aber auch tatsächlich eine grundsätzlich erstmal schöne Illustration davon warum diese, sag ich mal, geattential Generation die Familie dann doch noch so hoch hält.
00:37:09: Das erklärt uns dieser Roman dann doch schon ganz gut.
00:37:12: also eben weil dieser zusammen halt... und ich möchte das jetzt gar nicht so verkitscht machen.
00:37:16: früher war alles besser aber es illustrierte einfach ganz gut wie man dann doch damals auch zusammen hing wie du gesagt hast.
00:37:23: da wird das aufgeklagen aufgeklagt Da wird das aufgeschlagene Knie kommentiert da muss natürlich auch in der Briefform länger und breiter und ästhetischer beschrieben werden als heutzutage, wo eine WhatsApp geschrieben wird.
00:37:36: Oh Gott das klingt jetzt wirklich alles sehr boomerhaft!
00:37:38: Aber es ist natürlich grundsätzlich interessant zu sehen wie der Durchschnittsmensch der Oma je verheiratet sein soll auf welchem hohen Niveau da doch Briefe geschrieben werden so vergleichen mit Heutzutagen.
00:37:52: in einer Zeit wo wir uns irgendwie über Illiterarität bei Jugendlichen oder allgemein bei Erwachsenen beschweren, ist es doch einfach schön von einer Zeit zu lesen in der man schreiben musste.
00:38:03: Ja... Gut!
00:38:05: Man hat halt das Gefühl ja diese Sachen werden aufbewahrt und Briefwechsel sind ja auch etwas, dass wir zum Beispiel natürlich dann von Literaten später jetzt oft nochmal veröffentlicht bekommen oder so.
00:38:15: Man hat einfach das Gefühl es passiert vergleichsweise selten und deshalb hat die einzelne Nachricht deutlich mehr Gewicht.
00:38:21: ich habe nicht das Gefühl, dass es stilistisch jemals besonders spannend oder interessant ist aber man möchte schon da drin viel kommunizieren, man weiß die Möglichkeit ist jetzt nicht sofort dann wieder da.
00:38:33: Man kann nicht nur fünf WhatsApp-Nachrichten hinterher schicken oder korrigieren wenn man irgendwie den falschen Buchstaben gesetzt hat sondern man arbeitet da sehr stark.
00:38:42: Sprach ist ein gutes Stichwort.
00:38:43: wir haben über Sprachkritik schon gesprochen abgesehen von der Tatsache dass so das Hinein sickern der Sprache, der Nationalsozialisten ins Alltägliche so ein bisschen angesprochen wird.
00:38:55: Wie erlebst du denn die sprachkritische Dimension dieses Romans?
00:38:58: Passiert da viel?
00:38:59: Ich habe immer das Gefühl dass es auch aufs Pornenhafte beschränkt.
00:39:02: also da sind dann so Sachen wie... Da schreibt jemand über Du mein stilles Tal.
00:39:07: Es war ja ganz unterhaltsam aber reichlich an der ganzen Zeit das Erträglichen und Händschul schreibt dazu dieser schöne Satz könnte gewiss auch auf manchen Grabsteinen stehen Und ich hab immer das gefühlt es wird eigentlich nicht nur so humoristisch benutzt.
00:39:19: Also man hat viel so Quellen, man hat dann auch mal noch eine Bachelor oder eine Doktorarbeit und man hat einen Online-Plattformen.
00:39:27: ich habe da immer recherchiert und es gab sie alle also Watt mit VATT mit Medien gibt es tatsächlich und wahrscheinlich gibt's auch die entsprechende Passage.
00:39:35: aber ich hab nicht das Gefühl dass auf dieser Ebene besonders viel zu holen ist das erwähnt wird.
00:39:41: Sondern es ist mehr so, ja, es gibt hier Klempere und der hat da halt irgendwie diesen Ratgeber geschrieben, guck doch mal danach!
00:39:47: Genau, das ist ein bisschen... Guck mal, diesen plattdeutschen Begriff gibt's gar nicht mehr, den hat man aber früher benutzt.
00:39:53: oder guck mal dieses Wort gibt's irgendwie gar nicht, das benutzt nur Oma Jeva Das bleibt halt alles... Oder
00:39:59: dieser Vergleich wäre einer heutigen Hausfrau nicht mehr eingefallen, wo ich auch bin so Ja no shit bro, manches schien mir auch einfach reichlich trivial in Beschreibung des Trivials Das ist nicht das Gleiche.
00:40:10: Ja genau, also das gelingt dann in den Schlosser-Romanen doch tatsächlich etwas besser wenn er da auch wirklich mehrere Seiten Zeit hat sich in seinem literarischen Alter Ego über eine Kritik von Marcel Reichrand jetzt geben literarischem Quartett aufzuregen oder über einen Gras Roman oder sagen wir so.
00:40:31: Was ich mich noch gefragt habe, ist ab einem gewissen Punkt haben diese Schlosser-Romane auch alle so sage ich mit ein Spiegel eine Spiege der Gegenwartqualität.
00:40:39: Also das sind natürlich dann Dinge die den neunzigern Ende der Neunziger spielen.
00:40:43: aber du merkst Henshel hat... hier gewisse Themen rausgestellt.
00:40:47: Da geht es zum Beispiel im Erfolgs-Roman, geht es so um das erste Versuch, das Gendernsalon fähig zu machen Ende der Achtziger Anfang der Neuenziger Damals vor allem noch von rechter Seite geführt dieser Diskurs also von rechts versucht von links abgelehnt.
00:41:02: dann wird das Gefühl da ist auf jeden Fall glaube ich auch ein Grinsen von Henschl dahinter bei uns so aufzuzeigen.
00:41:09: die Diskussion die wir führen die kommen meistens alle wieder und so originär sind sie gar nicht.
00:41:13: Bei Oma Jeva Ist es jetzt nicht so drin, was ich interessant fand ist am Anfang wenn Gäbke Lütjens im Krieg ist dann schreibt Oma je für ihm ein Brief dass sie heute Nacht mit einem Liebesroman ins Bett gehen wird.
00:41:25: Und ich dachte ah guck mal smart hat man auch schon neunzehntundvierzig gelesen.
00:41:33: Da musste ich sogar auch dran denken Ich war so okay gewisse Kontinuität in der Welt sind auf jeden Fall da.
00:41:38: ansonsten ist natürlich das auch ein Roman, der seine eigene Genese immer so ein bisschen einbaut.
00:41:43: Also erwähnt hier und da dachten wir noch nicht an einen Omaeva-Roman oder er endet eben auf die Nachricht, die nochmal betont man sollte doch über Omaewa vielleicht nochmal irgendwie ein Buch schreiben und ihre Qualitäten rühmt und so.
00:41:58: also es ist auf jeden Fall auch so vielleicht so eine Gebrauchsanweisung für das Schreiben einer solche Geschichte, für das Arbeiten mit solchen Archivquellen im Roman enthalten.
00:42:10: Also sagen wir es ist ein Roman der seine Methodik sehr offen ausstellt und der zum Nachahmen oder zum Einfühlen einlädt, der uns sagt so hey!
00:42:18: Wie sieht das denn bei euch aus?
00:42:20: Was habt ihr von eurer Familie, was könnte man damit erzählen.
00:42:23: Was findet ihr da drinnen über?
00:42:24: und ich muss auch sagen so... Ich finde es ganz spannend weil in meinem Leben nicht einen einzigen Brief von meiner Großmutter gesehen oder von meinem Großvater und ich fände natürlich auch interessant wie deren Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg waren irgendwie.
00:42:37: Was schreibt man überhaupt über russische Kriegsgefangenschaft?
00:42:41: als mein Großväter mütterlicherseits aus dem Krieg zurück haben war der irgendwie super abgemagert Und ich glaube, väterlicherseits war der super abgemagert.
00:42:51: Ich habe in meinem jungen Leben bevor er recht früh gestorben ist immer nur so eine seltsame Sklettfigur erlebt, jemanden, der kaum kommunizieren konnte und zu dem ich überhaupt keine Bindung hatte wo so viel historische und auch schon allein physisch körperliche Distanz war.
00:43:09: Also ich glaube, dass es schon auch das Angebot, was einem dieser Roman macht zu sagen so hey schau doch mal selber die Geschichte.
00:43:16: gerade auch der Nationalsozialismus ist erst wirklich aufgearbeitet wenn ihr das wieder und wieder entgegenwart verwandelt.
00:43:23: Wenn ihr die Gleichzeitigkeit des Historischen und des Erlebten irgendwie heraus arbeitet.
00:43:29: Und natürlich auch wenn wir hier sehr viel über die Konformität des Lebens gesprochen haben Dass der Wunsch des Individuums ein Individuum, sondern hier gar nicht noch immer so zu spüren ist zeigt dieser Roman ja doch in deiner Sendung um auf das was du gerade gesagt hast aufzugreifen dass doch jeder Mensch irgendwie eine individuelle Geschichte erlebt und wenn man möchte am Ende des Tages darüber einen Roman geschrieben werden kann oder jedes Leben irgendwie eine Geschichte erzählt.
00:43:53: Das fand ich sehr süß und auch sehr tröstlich
00:44:06: Ja, oder ich dachte vielleicht auch so ein bisschen an den Neorealismus.
00:44:09: Hey eigentlich jedes Leben enthält genug innere Spannung in der Dramatik um eben eine große Geschichte zu sein und nicht nur irgendwelche Könige oder sowas.
00:44:19: also Wenn wir früher eine Tradition von Malereien nur für Adlige und vielleicht sogar für Götter hatten, ist es genauso wertvoll eben über den einfachen Bürger zu malen.
00:44:29: Zu schreiben, zu filmen... Und ich finde das ist hier jetzt auch nochmal bewiesen worden!
00:44:33: Ich war von der Kritik die ich stellenweise gelesen habe also ich hab zum Beispiel bei Radio drei rbb irgendwie die Kritik von Jörg Magnau gelesen und fand dass auch so ein bisschen harsch wie dort vermeintlich triviale, also sofort so runtergekürzt werden muss.
00:44:52: Alles muss weg und ja nicht irgendwie sich nerven lassen von dem vermeintlichen zu seichten vom vermeintliche zu alltäglichen und ich glaube die Bereitschaft mit dieser Art von Erfahrungswelt sicher auch auseinanderzusetzen ist eine die immer trainiert, die immer geschärft werden soll.
00:45:09: Also wer irgendwann die Heiligkeit von jeder belanglosen Kleinigkeit Vergiss, der schreibt wahrscheinlich auch über die großen, über die vermeintlich gewichtigen historischen Dinge nicht so furchtbar interessant.
00:45:24: Also mal wieder eine Empfehlung von Gläsel würde ich sagen für Oma Jeva
00:45:29: ist ja tendenziell schon mit Vorbehalten.
00:45:31: also ich würde sagen mein meinen Daumen zeigt zu ganz zaghaft nach oben und Ich würde sagen sowas muss es auch geben.
00:45:39: liest da rein.
00:45:41: Nächste Woche
00:45:42: wird es ein bisschen aufregend, denn Lukas ist nicht da.
00:45:46: Lukas isst auf dem Kurzfeld Festival in Hamburg unterwegs beziehungsweise...
00:45:52: Es ist auch so'n bisschen albern.
00:45:53: ja ich bin leider nicht da weil ich bin in der Stadt in der du bist.
00:45:56: dann habe ich leider keine Zeit dafür.
00:45:58: aber ja es hat besseres
00:46:00: zu tun.
00:46:03: Weißt du, wenn ich lieb gefragt worden bin, Jury bei einem Filmfestival zu machen, dann übernehme ich das mit großer Freude und dann bleibt für so Trivialitäten und Kleinigkeiten wie eben diesen Podcast hier natürlich keine Zeit.
00:46:16: Aber in der Woche danach geht es dein endlich weiter mit dem regulären Programm und wir windmen uns endlich der Literatur des Dimesquare!
00:46:24: Genau.
00:46:24: aber das heißt natürlich nicht dass es nächste Woche keine Folge gibt denn ich spreche mit Maria um uns mal warm zu reden.
00:46:32: blaue Haare von Paula Steiner und wir werden auch ein paar Seitensprünge in Lords of Cares wagen.
00:46:38: Ich glaube es wird eine spannende Kombination mal über zwei Bücher zu sprechen, ich bin gespannt!
00:46:44: Und natürlich auch an dieser Seite nochmal die Empfehlung das kurz vom Festival Hamburg zu besuchen.
00:46:48: wenn ihr Film interessiert seid dann aus den norddeutschen Raume kommt.
00:46:51: Das lohnt sich immer!
00:46:56: Auf einem anderen Festival, auf dem Technikolorfestival, auf den ich letztes Wochenende war.
00:47:01: Mich mit einem Bekannten darüber unterhalten und er erzählte es gab dort früher auch so Sachen wie Film wo ein Projekto auf einen fahrenden Wagen gesetzt wurden.
00:47:10: Es gab da so ganz experimentelle Zugänge Und dann kam irgendwie ein ältere Herr dazu.
00:47:15: Da zählte Wie sie einmal durch'n Treppenhaus an so einer Art Fahrstuhl So ein Projekt da gezogen haben Wo der Film quasi so auf- und abdurch das Gebäude gefahren ist Als Feste für so eine Tradition hat, der wird heute wohl nichts Schlechtes zeigen.
00:47:29: Das darf ich auch!
00:47:31: Wir sehen uns bis bald bei gelesenen Ciao-Ciao Tschüss.
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