Folge 53: Die Welt hat blaue Haare (Paula Steiner)
Shownotes
Fynn begrüßt erneut Maria im trauten Gelesen-Heim und spricht mit der Autorin und Literaturwissenschaftlerin über Paula Steiners ambitionierten Debütroman "Die Welt hat blaue Haare". Protagonistin Luisa ist verliebt in ihre Klassenkameradin Dunja. Doch das Begehren bleibt unausgesprochen. Einzig in der eigenen Schreibe, in der Dunja die Welt ist, einen Anzug trägt und illegalen Aktivitäten in einem klischeehaft gezeichneten orientalischen Land nachgeht, kann die Beziehung wachsen. Doch Luisas Schreibe fordert Tribut in der realen Welt.
Maria und Fynn diskutieren über Trends in weiblichen Debütromane der 2020er- im Vergleich zu solchen aus den 2010er Jahren, über Subjektivität, Satire und auch ganz kurz über Bahnhofspotboiler.
Maria ist Stipendiatin beim Luaga und Losna Theaterfestival in Österreich. Schaut gerne vorbei: https://www.luagalosna.at/nenzing-2026/
Ihr möchtet euch über den Podcast austauschen oder einen Programmvorschlag machen?
Schreibt uns bei BlueSky!
https://bsky.app/profile/gelesenpodcast.bsky.social
Oder tretet unserem Discord-Server bei
https://discord.gg/w6XUSaWW7q
Transkript anzeigen
00:00:00: Damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge gelesen.
00:00:03: Lukas ist auf dem Hamburger Kurzfilm-Festival unterwegs und deswegen habe ich mir eine Gäste eingeladen, wer könnte das anders sein als meine liebe hochgeschätzte Freundin?
00:00:15: Maria!
00:00:16: Hallo Maria!
00:00:17: Heifen hätte ja auch Jakob Neutig sein können oder so.
00:00:21: Janik heißt der Jakob-Neutig
00:00:22: aber
00:00:23: es bist du... Baby, it is you wie Beyoncé einst schon sang.
00:00:30: und wenn du da bist Maria, du hast es im Vorgespräch gerade schon gesagt dann reden wir über die Mädchenbücher.
00:00:37: Wir reden über die Welt hat blaue Haare den die Büromahn von Paula Steiner.
00:00:43: Die hat Drehbuch an der Filmuniversität Babelsberg studiert und hat auch Literatur-Institut Hildesheim in der Autorinnenwerkstatt teilgenommen.
00:00:53: Also man kann sich, glaube ich, so ungefähr vorstellen aus welcher Richtung die kommt und auch in welche Richtungen ihr die Büro mahnt, die Welt hat blaue Haare, Silas Schlett gehen könnte.
00:01:02: Das Ganze ist im Leikamferlag erschienen und schon im Jahre, zwei tausend vierundzwanzig.
00:01:07: Man fragt sich jetzt warum Ritzen sehen wir dieses schon etwas ältere Buch, weil Frau Steiner nominiert war für den deutschen Pop-Literaturpreis.
00:01:14: Der dieses Jahr verliehen wurde und dem Zweher Mausolf mit ihrem Roman Image oder Image gewonnen hat.
00:01:21: Ich fand aber als ich mir die Shortlist durchgelesen habe – Lukas und ich hatten hier ja schon Party People besprochen -, dass dieser Roman die weltweit blaue Haare irgendwie ziemlich spannend klang!
00:01:32: Und der Leichkamp-Verlag hat uns netterweise mit einem Ritzensonsexemplar beglückt Und wir beide wollen jetzt mal rausfinden, was dieser Roman kann.
00:01:41: Ich verlese mal den klappen Text des Verlages und dann steigen wir ein!
00:01:46: Coming of Age in Schweinfurt Eine Gesellschafts-Saziere über Instagram-Feminismus und sexuelle Identität Zwei Weltenprallen aufeinander.
00:01:55: Das kleinbürgerliche Grillfest auf der Terrasse einer Doppelhaushälfte in Schweinfurt und das unkonventionelle Liebesfest auf die Ladefläche eines Lkw in einem fremden, fernen Land.
00:02:06: In einer Welt geht Luisa zur Schule und träumt von Dunja – obwohl sie mit Benno zusammen ist!
00:02:11: In der anderen schreibt sich Luisa in den Strudel eine Geschichte.
00:02:15: Daran ist Dunja die Welt, trägt einen weißen Leinanzug unter blaue Haare.
00:02:19: Beide begeben sich auf eine Reise, die Luisa zu ihrer Sexualität und so sich selbst führt.
00:02:25: Als ich die beiden Mädchen in der Wirklichkeit näher kommen finden immer mehr Umstände aus Dunjas Leben in der Geschichte Einzug und Luisas Erzähldrang wird immer gewaltvoller bis ihre Geschichte schließt sich Opfer in der echten Welt fordert.
00:02:39: Ja!
00:02:40: So weit...so korrekt?
00:02:44: Was sagst du zur Inhaltsangabe?
00:02:47: Ich finde es nachvollziehbar, dass die Inhaltsangabe etwas auslässt.
00:02:53: Was letztendlich ein sehr großer Punkt ist und auch hier problematisiert ist nämlich Orientalismus Vielleicht auch weil es nur sehr langsam aufkommt, vielleicht weil wir hier eine in Maßen unzuverlässige Erzählerin haben.
00:03:15: Nämlich ein bisschen oder halt in den Maße wie ein siebzehnjähriges Mädchen vielleicht irgendwie so die Welt und ihre Zusammenhänge selbst doch nicht ganz versteht und halt ihre Blindspots hat.
00:03:28: Insofern finde ich das richtig dass das Klappentext oder in der Bewerbung für das Buch ein bisschen ausgelassen wird.
00:03:36: Aber nun, da wir das Buch besprechen muss, dass natürlich auch so sehr in den Vordergrund gerückt werden weil ja es ja auch letztendlich von der Satire wie eben wenn man das so nennen möchte im Buch auch in den vordergrund gewerkt wird also nämlich der Orientalismus
00:03:55: Genau!
00:03:55: Also das ist hier Eventuell halt mit dieser Erwähnung der Gesellschaft, hat ihre so ein bisschen durch die Hinterhand schon angedeutet.
00:04:03: Was heißt so ganz ernst gemeint ist das alles nicht.
00:04:06: aber was Frau Steiner hier macht?
00:04:08: Ist dass sie gleichzeitig eine Geschichte erzählt diese Geschichte erzählen lässt Aber Sie auch eben problematisiert Durch Charaktere in der Hauptdiegäse also wo eben Luisa auf dem Grillfest sitzt, wie es hier so schön heißt.
00:04:24: Das verlässt dann das Grillfest auch und auch sagen wir mal durch ihre Schreibe selber!
00:04:31: Und wir kommen mir der Roman grundsätzlich gut gefallen.
00:04:34: Das können wir zum Anfang auf jeden Fall schonmal sagen... ist jetzt nichts wahnsinnig radikal Neues, man hat das alles schon ungefähr so mal gelesen.
00:04:43: Das war natürlich auch ein Debütromaan und ich habe das Gefühl wie bei so vielen Debütromanen ist es auch so ein bisschen ein literarischer und popkultureller Steckbrief den Frau Steiner hier veröffentlicht hat uns durch den Text auch markiert was sie gelesen hat was sie gesehen hat wo sie so ungefähr her kommt in dieser Popkulturellen-Wollt was ihr wichtig is.
00:05:04: also Es gibt hier eine Rezension vom Deutschlandfunk, die so auf ein paar Punkte eingeht.
00:05:08: Auf ein paar Referenzen eingeht aber auch kritisiert dass es da größtenteils halt bei der Referenz bleibt oder eben bei dem Aufzeigen bleibt.
00:05:17: und das ist glaube ich alles auch wieder dahingehend okay, dass man sich Ebeluisa als Protagonistin rausgesucht hat als Ich Erzählerin des Ganzen Und wie du gerade schon so richtig erwähnt hast partiell unzuverlässige beziehungsweise einfach noch nicht vollkommen ausgebildete Erzählerin hat, die sich über manche Dinge in der Welt halt eben auch erst klar werden muss und auch über ihre Rolle in dieser Welt klarwerden muss.
00:05:40: Und wir so ein bisschen dabei zugucken können wie jemand unbewusst zu einer Art Täter wird wenn man das mal so stehen lassen möchte, so wage erstmal
00:05:52: Ja.
00:05:52: und insofern finde ich die Rezension von Deutschlandfunk, als ich sie gelesen habe.
00:05:58: Ich finde Sie den Roman gegenüber nicht ganz fair weil er etwas von dem Roman verlangt was er aus meiner Sicht eigentlich gar nicht unbedingt leisten muss.
00:06:08: Also dieser Bogen, der da aufgespannt wird zu blauen Blumen und deutschen Romantik, das ist ein Bogen der halt über zweihundert Jahre reicht und so innovativ, dass das irgendwie heranreicht oder halt ähnlich risikal ist wie das vor zweihundert Jahren passiert.
00:06:25: Das muss ein Literatur aus meiner Sicht überhaupt nicht sein damit sie nicht langweilig ist oder damit sie immer noch Geldung hat Ähnliche vielleicht Coming of Age oder Queer Coming-of-Age Erzählungen kennen, oder so wie ich sie selbst schon geschrieben habe.
00:06:45: Würde ich halt sagen dass es durchaus diesen Thema noch ein paar neue Gedanken hinzufügt und das was das Kontemporär macht.
00:06:52: also halt diese identitätspolitischen Diskurse, dass es sie so einbindet, dass ist nicht wirklich irgendwie bei einem nicht einfach nur Beiwerk ist sondern dass es eine sinnvolle Ergänzung ist mehr Komplexität hinzufügen zu dem Thema.
00:07:12: Insofern so groß, dass man sagt okay das reicht jetzt nicht an die kanonisierten Stiftstelle der deutsche Nomantik.
00:07:21: So groß muss man den Bogen da kann ich aufziehen!
00:07:24: Nein, da gebe ich dir recht.
00:07:26: Das muss man nicht und das ist halt auch die Frage ob dieses Buch oder dieser Roman überhaupt einen Anspruch hat.
00:07:31: Ich würde dir da auch recht kümmern.
00:07:33: Das hat es gar nicht.
00:07:33: Was ich jetzt erst mal spannend fand, ist dass wir glaube schon irgendwie so eine Art Themenkomplex feststellen können seit... diesem knappen Jahr, den dieser Podcast läuft an sage ich mal die Büromaan von weiblich gelesenen Autorinnen, die wir hier besprochen haben und so allgemein ein paar Topoi.
00:07:52: Also wir haben auf jeden Fall gerade eine Welle an die Büro-Mahn wo es um weibliche Freundschafts-weibliches Begehren, weiblichen Liebe geht, wo auch das sag' ich mal selber schreiben sehr stark in Vordergrund gestellt wird, das eigene Biographical Narrative zu ergreifen.
00:08:10: Wir beide haben über den Sommer der schlafenen Hunde schon gesprochen.
00:08:12: ich musste aber auch an Joanna Jones die Büro mann bestie oder Bestie?
00:08:17: Das ist ja das schöne Warsch im Titel hier und da mal denken.
00:08:20: also wir erleben auf jeden Fall sage ich mal hier schon Themen die junge weibliche Autorinnen zu interessieren scheinen aufs Papier bringen.
00:08:30: Wie siehst du das, sag ich mal selber als Autorin?
00:08:33: Hast du dich hier wiedererkannt?
00:08:36: Würdest du das abnicken?
00:08:38: Sind das Themen gerade schon immer Themen gewesen?
00:08:42: Also ich würde sagen, so einerseits sind vielleicht schon seit einigen Jahrzehnten Themen gewesen.
00:08:51: Ist vielleicht schon Thema irgendwie in den Neunzigern bei Judith Herrmann gewesen.
00:08:55: aber ich glaube auch das ist etwas bei jungen weiblichen Debutautorinnen was man gerne liest, was man gern versteht und was man gar nicht darin sehen will.
00:09:03: vor allem halt dieser Punkt von dem Ergreifen des biografischen Erzählens Das ist wirklich so... Slippery in dem Sinne, dass ich halt nicht denke oder halt nicht davon ausgehe.
00:09:17: Dass sich ein Roman nie mit der Ahnung oder der Erwartung lese, dass das mir irgendetwas über die Autoren erzählt.
00:09:23: aber Ich versteh schon, dass es attraktiv ist und gut verkäuflich ist.
00:09:30: wie auch immer geartete vielleicht irgendwie herbeifantasierte Intimität bringt eine weibliche Autorin vor allem auch die Bürautoren als Gallionsfigur sehen kann oder möchte von einer bestimmten weiblichen Generation.
00:09:48: Auch hier würde ich wahrscheinlich einfach gerne von der Autorin selbst gerne wissen, wie nervig sie das findet.
00:09:57: Wie nervig es sich möglicherweise findet, wirklich ihre eigene Literatur zu verkörpern in der Presse.
00:10:03: Falls ihr da sowas passiert... Es ist mir definitiv schon selbst passiert und ich fand's immer wieder nervig wenn es anderen Autorinnen passiert.
00:10:16: An sich lese ich, habe ich in der Vergangenheit durchaus Geschichten von diesem Schlag gerne gelesen.
00:10:22: So eine Route Maria Thomas würde mir da einfallen oder Dennis Ode mit Streitlicht wurden, wo man halt zumindest das weibliche Coming of Age erwarten kann oder auch niemandes bei den Kälbern fand ich auch ja, fand ich ganz toll.
00:10:40: Ich glaube dass ist so ein Topus Vielleicht der sehr ergiebig ist, wo man auch durchaus noch unerwartete Einblicke oder eine neue Sprache finden kann.
00:10:55: Vor allem weil ein weibiges Aufwachsen in den Zwei-Tausendzehnerjahren durchaus nicht das Gleiche sein kann wie in den Achtzigern und
00:11:03: Neunzigern.".
00:11:05: Vollkommen.
00:11:06: Ich verallgemeinere hier gerade natürlich auch komplett, das ist mir bewusst... Mir ist nur aufgefallen dass eigentlich mal die weiblichen, die Büromahe der Zweitausender ja vor allem mit so einer Schock-Asthetik und mit so ner Schockpatina geglänzt haben oder sich dadurch präsentiert haben.
00:11:21: also wenn wir an Axlott Roadkill denken oder für euch gebieten Das wäre jetzt weg sein nicht mal von dieser Körperlichkeit sind, die natürlich immer noch stattfindet in dem Sommer der schlafen Hunde oder eben auch hier in die Welt hat blaue Haare, halt tatsächlich wirklich hin zu einer Möglichkeit der literarischen Selbstermächtigung.
00:11:39: Oder zur Möglichkeit der Identitätskonstruktion überschreiben und so überall Spielen mit Personas also sowohl man die Literatur auch nutzt um der Hauptfigur die man da geschrieben hat in eine andere Rolle schlüpfen zu lassen das finde ich als kleine Beobachtungen für mich, kurz dass ich erst mal nur spannend.
00:11:59: Dass sich dieser Roman jedoch einreit in Themen die wir schon besprochen haben in diesem Podcast.
00:12:05: Ja ja also halt das Literatur oder das Schreiben selbst in irgendeiner Weise dann selbst anfängt eine Rolle zu spielen finde ich auch spannend.
00:12:15: Und das ist ja postdigital, sage ich.
00:12:17: Er hat sein Lieblingswort wiedergesagt aber tatsächlich so dass die Schreibszene an sich auch thematisiert wird.
00:12:23: Das scheint mir tatsächlich wirklich ein Element der Post-Digitalien errat zu sein wie auch den Versuch das Internetliterat übersetzen weil hier natürlich auch die große Frage über die wir zumindest mal sprechen möchten ist was machen wir aus der Metadiegeese die es hier gibt?
00:12:39: Wie verhandeln wir die?
00:12:41: Aber ich habe dich unterbrochen.
00:12:42: Verzeihung
00:12:44: Nein, nein.
00:12:45: Ich finde auch, dass sich das Beschäftigen mit dem Schreiben hier noch mal offener und intensiver Darsteller ist.
00:12:53: in anderen Büchern, die wir besprochen haben – ich fand vor allem so auf jeden Fall das persönlich im Bezug es sehr interessant, dass Poetry Slam eine Rolle einnimmt und dass hier einer unerwartet starke Rolle ein nimmt.
00:13:07: Und auch wie Poetry Ja, wie relativ disillusioniert poetry slam hier dargestellt wird.
00:13:13: Letzende fand ich aus meiner Sicht mit meiner eigenen Erfahrung im Poetry Slam ziemlich gut eigentlich so ziemlich wohltuend.
00:13:29: Wir steigen halt einfach mal direkt an.
00:13:31: Es gibt die Rahmenhandlung und die Binnenhandlung.
00:13:36: in der Rahmenhandelung sitzt um Isa, ein siebzenjähriges Mädchen zu Beginn des Romanes auf der Terrasse und es gibt ein großes Grillfest.
00:13:44: Die illustre Verwandenschart udelt ein, besteht aus einem Onkel, einem Cousin.
00:13:49: Der Cousine studiert jetzt an der Uni Germanistik, glaube ich und ist so ein Voker geworden wie der Onkel das Ausdrücken würde und erzählt ständig was von Feminismus und später auch von Orientalismus.
00:14:03: Das schmeckt dem Onkel gar nicht!
00:14:05: Das Verhältnis zwischen Luisa und ihrer Mutter angespannt kompliziert, nennen wir es so und dann gibt es noch die Oma dazu.
00:14:14: Also die Mutter der Mutter, die Entenoma genannt wird Alkoholikerin ist auch da eine durchaus spannende Beziehung zwischen Luisa und ihr stattfindet.
00:14:23: jetzt ist es so dass eben Luisa in ihrem Mitschülerinnen Dunja verliebt ist und angefangen hat sich selber als Held in einer Geschichte zu... zu erfinden, auszudenken in der man in einem nicht näher beschriebenen arabischen Land ist.
00:14:41: Da ja natürlich auch der Orientalismus und wo so alle Handklischees die weiße Mittelstand über den Orientantier munter zusammen... Und das Spannende ist eben, dass das vorgelesen wird.
00:14:53: Vor der Familie und dass durchaus auch kommentiert wird und Luisa diese Kommentare mal allen arbeitet, mal Licht einarbeitet.
00:15:01: Ein Ex-Freund in der innerstangrabischen genannt wurde Benno spielt natürlich noch eine Rolle.
00:15:07: Da fand ich es sehr schön, dass so ein bisschen dieser Romade sich auch Gedanken über das Schriftbild macht.
00:15:11: Die beiden Handlungsebenen sind in unterschiedlichen Schriften Bildern gesetzt und irgendwann kommt Luisa auf die Idee, dass sie ihren Ex-Freund Benno der in der Geschichte zunächst auftaucht er ja gar nicht mehr bräuchte und deswegen seine Passagen immer in Klammern setzt.
00:15:24: Das ist natürlich ein sehr spannendes Leseerlebnis dann zu sehen, dass diese eigentlich gedachten Passagen im Nachhinein aus dem Text wieder rausgenommen werden.
00:15:31: also der Text bekommt da so eine spannende Performance.
00:15:34: Ja also was Prozesshaftes ne?
00:15:36: Genau.
00:15:37: Prozesshaft ist ein besseres Wort als Performance, da hast du recht.
00:15:39: ja und das fand ich durchaus auch schon cool.
00:15:42: und auch dass es schon mal grundsätzlich was mit dem Roman sein gefallen hat einen wirklich der Versuch prozess zu übersetzen und das eben nicht nur durch so etwas wie durchgestrichene Worte zu machen sondern uns da selber auch wieder mitzudenken als leser als leserin.
00:15:56: Ich denke mal dass diese Gespräche mit der Familie Ein Großteil der sogenannten Sortiere dieses Romanes ausmachen.
00:16:03: Wie ging es dir damit?
00:16:05: Hat das für dich funktioniert, hat hat der Onkel auf der Terrasse für Dich funktioniert?
00:16:09: oder dachtest du ja so könnte man könnte man besser lösen?
00:16:13: Ja!
00:16:13: Es hat für mich bedingt funktioniert weil als ich in diesen Familiengesprächen auf dem Familiengrillfest war es für mich eine Holzschnittartigkeit angedorben hatte geradezu als eine Abstraktion gemerkt wahrgenommen habe.
00:16:32: Die Figuren haben sich für mich auf eine Art und Weise nicht real, so ein Stichwort gebend angefühlt, die sie irgendwie komplett entmenschlicht hatten.
00:16:40: Ich dachte das wäre Absicht.
00:16:41: Ist es wahrscheinlich auch.
00:16:43: Macht aber halt ein sehr komisches Leser-Erlebnis teilweise neutral komisch, nicht hachkomisch... Das ist dann vielleicht auch irgendwie so ein bisschen eine Prozesshaftigkeit oder Aufenthalt des Textes, dass alles was der Konsum sagt halt wirklich nur Instagram-Kacheln ist.
00:17:06: Der Konsum unterscheidet sich von Duisa aus in der Hinsicht das er die Instagram Kacheln liest und sie nicht.
00:17:13: Und also das bricht so'n bisschen die Immersion des Romans für mich... Potenzial oder einen Kern von etwas hat, mit dem ich gerne mehr Zeit verbracht hätte als mir der Satire.
00:17:27: Und zwar so eine Abgründigkeit was in diesem quasi Priambildem vorangestellten Zitat schon zum Ausdruck kommt.
00:17:37: Wuzang There is no nonviolent way to look at somebody und so ein bisschen ist der Text für mich teilweise Unglücklich, teilweise vielleicht auch einfach wirklich nur eine Geschmacksfrage.
00:17:52: Aufgespannt zwischen diesen beiden Polen von Satire die für mich halt meistens etwas ja zielgerichtet ist um nicht zu sagen pädagogisches hat und eben dieser Abgründigkeit so also auch dieser vorangestellte Spruch, der lässt sich auf diese zwei Arten für mich verstehen oder halt unter anderem diesen zwei Artern für mich verstehen.
00:18:16: There is no non-violent way to look at somebody.
00:18:19: einerseits als etwas was uns zu Vorsicht gemahnt
00:18:23: so
00:18:23: der Vorsicht von der eigenen Gewalt vor der intersexuellen Gewalt den einen Blick oder ein Begern haben kann.
00:18:31: andererseits statt Vorsicht vielleicht Ja, nicht die Akzeptanz ungefähr unbedingt von der Gewalt, die ihr am Blick haben kann.
00:18:40: Aber was mich halt mehr interessiert hätte oder immer mehr interessierter hat waren die Momente in denen das Buch in dieser Gewalt verbleibt diese Gewalte auch auskostet ohne sie einordnen zu müssen und immer wenn es sie eingeordnet hat fand ich jetzt nicht schlecht oder so, auf keinen Fall.
00:19:01: Aber ich war dann ein bisschen von dem Buch mehr entfernt als in den Momenten wo ich dachte oh krass da sind sie jetzt hingegangen.
00:19:13: Man könnte natürlich sagen dass Frau Steiner dahingehend fair spielt indem bis auf Luisa und Dunya eigentlich alle Figuren auch durch den Text selber entmenschlicht werden, indem es eben nur die Mutter der Cousin und der Onkel ist.
00:19:27: Und man so das Gefühl hat wie du auch gesagt, dass sollen vielleicht so ein Art Holzschnitt sein, so eine Art Pass pro Toto, der Mittelstandsgegen war.
00:19:36: Aber ich möchte auf was eingehen, was du zuletzt gesagt hast nämlich dieses, wenn das Buch versucht etwas einzuorten.
00:19:43: Denn ich glaube, weil das ist auch das, was ich so am schadigsten, wenn da's ein Wort isst...
00:19:49: Am bedauernswertesten?
00:19:50: ...
00:19:50: am bedauernswertesten, äh... fand ist das mir der Roman sich so allen zweimal zu häufig auch selber erklären musste oder selber für sich von vornherein schon in die Bresche springen musste.
00:20:04: Indem man so offen, also indem er dann so offen kommentiert dass diese Geschichte, die Luisa schreibt voller Orientalismus ist oder dass da Dinge passieren, die vielleicht für ein siebzenjähriges Mädchen okay sind aber jedoch verletzend einer anderen Kultur gegenüber sind.
00:20:19: und Ja, wer bin ich jetzt eigentlich?
00:20:21: Ich hätte das gerne für mich selber rausgefunden bzw.
00:20:25: ich wäre gerne mit dem Roman zusammen Luisa auf die Schliche gekommen oder hätte Luisa gerne überführt als dass es wirklich nochmal auch im Text passiert.
00:20:34: Aber wie seid ihr Gott?
00:20:34: Wer bin ich da?
00:20:36: Wie ging's dir damit?
00:20:38: über mein Verhältnis zu, ich sage jetzt mal, pädagogischer Kunst oder pädagogische Literatur.
00:20:46: Und über so Sachen, die werden sich mich manchmal ärgere, wo ich aber manchmal dann auch als ... Ehm, eine Dreißigjährige im Media Literate Frau auch mal einen Schritt zurücktreten muss und für mich selbst sagen musst du okay ich bin da eine dreißigjährige Akademikerin.
00:21:03: Nicht alle sind so!
00:21:04: Und vor allem muss ich das auch machen vor dem Hintergrund dass ich ja auch Lehrerin bin.
00:21:10: Ich arbeite viel mit Jugendlichen und Kindern und wenn ich dann zum Beispiel wie er es ja auch in diesen Normal oft darauf rekuriert wird irgendwelche Instagram-Kacheln sehe die auf einer irgendwie super pädagogische, belehrende Art und Weise formuliert sind.
00:21:25: Und mir irgendetwas sagen was ich sowieso schon weiß und wovon ich denke das ging wahnsinnig arrogant oder wovor nicht denke dass es vielleicht nicht ganz so einfach ist denke ich mehr dann aber auch so okay Ich bin nicht die Zielgruppe und es ist vielleicht für Menschen auch wichtig zu lesen und zu wissen in genau dieser Form.
00:21:45: Dann lese ich mir Kommentare durch, wo Menschen aufrichtig dankbar dafür sind.
00:21:50: Und dann denke ich okay diese Form etwas zu sagen, diese Form Wissen zu vermitteln auf eine von mir aus die DAX-Schatentweise ist nicht wertlos nur weil sie nicht für mich ist oder nur weil ich damit nicht gemeint bin.
00:22:02: Und insofern muss ich auch ein bisschen daran bei diesen Text denken, so weil es ja nicht nur in der Form eine didaktische pädagogische Tendenz gibt.
00:22:11: Sondern es auch im Inhalt so ein bisschen darum geht.
00:22:14: Es ist ja eine Coming-of-Age Geschichte Es ist eine Geschichte über Auch... Wie wissen erlangt wird.
00:22:21: und da muss ich auch sagen, auch wenn es diese halt das was du bedauernswert fandest.
00:22:26: Diese Einwürfe gebt dir die Einordnungen, diese Vereindeutlichungen, die das alles ein bisschen weniger unbequem machen als ich es gerne hätte ist da ein Kern für mich der sich interessant macht weil wir durchaus So sie zunehmende Momente haben, wo unsere vier Hauptfigur die Luisa zunehmen Fakt ab wird.
00:22:47: Und in diesen Momenten bin ich gerne verbieten vor allem weil Sie halt wirklich pö apö sukzessive kommen und sich ansammeln.
00:22:55: Ja deswegen ich möchte vielleicht unterscheiden nämlich zwischen denen sage ich mal wirklich Pö Apö Fakt Abmomenten die sich aus dem Text ergeben und auch den Momenten wo Luisa mit ihren Handlungen Dunja abstößt und ab irgendeinem Punkt auch bewusst verprählt.
00:23:11: Das ist wirklich spannend, so sage ich mal diese letzten fünf Seiten wo Luisa wirklich selbstbestimmt handelt und sich dazu entscheidet eine bestimmte Person zu sein.
00:23:23: Und natürlich muss ich sagen dass die Figuren in kommentierenden Aspekte ja durchaus sinnvoll in die Handlung eingewogen sind indem man sich eben diese Vorlesesituation erschaffen hat.
00:23:34: Das ist natürlich auch ein bisschen einfach, weil in so einer Situation wo eine Figur etwas vorträgt kannst du alle Leute was einwerfen lassen.
00:23:41: Es ist aber ja durchaus sage ich mal alles auch in der Diägese gut gelöst, in der Rahmenhandlung gut genug gelöst dass es jetzt nie so ist das der Text anhält und dir etwas erklären möchte
00:23:53: Und da habe ich schon anderes gelesen Fuck Girl!
00:23:55: Fuck Girl ist ein Text der genau das sehr sehr doll macht Dass er darüber überhaupt besprochen.
00:24:02: Ja genau, also FunFuckGirl ist ein Instagram-Kacheltext.
00:24:06: Das hier ist ein Meta-Instagram-Kacheltext.
00:24:10: Frau Steiner erhebt sich ja sage ich mal in ihrer ganzen Attitüde jetzt einen Roman über Instagram-Feminismus zu schreiben.
00:24:18: Ja auch über ihre eigene Hauptfigur und auch über einen bestimmten Teil, ich will nicht sagen ihrer Lesernenschaft aber über einen Bestimmten Teil von Jugendlichen Publikum.
00:24:30: Ist das dann nicht irgendwo unaufrichtig, sag ich mal?
00:24:33: Dann doch die... ...das Leinzeug weiter mit an die Hand zu geben oder ist es fair.
00:24:39: Also so, ich weiß nicht ob ich da eine Antwort drauf hab.
00:24:43: Da gab es auf Goodread so einen Kommentar, wo für mich sich ein bisschen nach offenbart hat wie so eine Roman der Instagram-Feminismuskram nekritisiert auch komplett in das rhetorische Repertoire von Instagram- Feminismus wiederum passen kann.
00:25:04: Von wegen Selective White Feminism, White Saviourism und dass es ein Call-out sei.
00:25:12: Ich wünschte mir das zumindest.
00:25:14: eine Person, die es liest und dann merkt wie Crinchfail ihr performativer Aktivismus ist.
00:25:20: Ich denke so einen Roman kann nicht außerhalb des Diskurses oder hat keine Metaperspektive auf den Diskurs sondern es ist Teil von diesem Diskurs oder es ist teilweise vom rhetorischen Modus von diesen Diskursen.
00:25:35: Es ist zumindest uns erstmal sehr, sehr ambitioniert.
00:25:37: Auch gerade für den Debüt Romal und das können wir hier durchaus schon mal Glück wünschen.
00:25:40: und auch und dass das filmen wir auch durchaus gut Wie hat dir denn die zentrale Liebesgeschichte zwischen Luisa und Dunja gefallen?
00:25:49: Da hat es mir so etwas durchaus... sehr unbequem oder beunruhigendes zu machen mit der Hauptfigur.
00:26:20: Nämlich, dass es am Ende wirklich gar keine Queer-Erweckungsstory oder Liebesgeschichte ist, indem man sagt ... In dem Louisa sagt, in dem unsere Hauptfigure unser Vocalizer und unsere Perspektivfigur sagt, schreiben ist wichtiger!
00:26:35: Und die gewaltvolle Überformung, die ich mit dem Schreiben mache, ist wichtiger als mein Gegenüber so... Das ist schon durchaus irgendwie ein Punkt, der schwierig zu machen ist in einem Roman.
00:26:52: Der denke ich sich mal auch an eine jüngere Generation richtet oder von einer jüngeren Generation auch rezipiert wird Und so das fand ich eigentlich ziemlich, ziemlich gut von wie das auch zunehmend durchgezogen wird.
00:27:09: Wie unsere Hauptfigur zunehmt halt auch ruchloser, rücksichtsloser wird weil es auch etwas ist also diese ethische Dimension des Schreibens.
00:27:19: Weil es auch was ist wo ich mich als Schreibende damit beschäftigt habe worüber ich auch irgendwie lange nachgedacht habe dass oder so die Intersektion von Schreiben und Begären auch eine gewisse Gewalt hervorbringen kann.
00:27:36: Und dass diese Gewalt, die davon alle ausgeht irgendwie ihren eigenen Reiz haben kann das ist Troubling und das es kompliziert.
00:27:44: und genau das passt irgendwie nicht in diesen Instagram-Kacheldiskurs indem man etwas als richtig und falsch darstellen kann, wie es ja andererseits das Buch nicht zu unrecht aber halt doch macht.
00:27:58: Das ist etwas was komplizierter ist und eher so als ästhetische Erfahrung für mich angenommen werden muss als unbequeme ästhetische Erfahrung.
00:28:09: während dieser... Diskurs, den der Romana man fortführt.
00:28:13: Irgendeine Positionierung vis-à-vis Orientalismus – das ist etwas, wo man eine bequemere Eindeutigkeit für sich beanspruchen will und was ich verstehe, wo ich auch nichts gegen den Roman oder seine Schlagrichtung sage.
00:28:27: Aber das, wo meine Aufmerksamkeit mehr da war, wo mich mehr für den Roman interessiert habe, war immer als Luisa irgendetwas komplett fucked up tut es nicht bereut und nicht dafür bestraft wird.
00:28:46: Ich wollte dir am Anfang deines Erhennemologes kurz widersprechen und sagen, ja ist das wirklich so untypisch für die queere Erweckungsgeschichte?
00:28:55: Aber du hast schon recht normalerweise wäre unser Protagonistin dass ich nenne es mal Opfer in dieser Beziehung.
00:29:02: also ich glaube der Titel Die Welt hat blaue Haare spielt durchaus auch auf blaues eine warme Farbe an denn Figur und Konstellation ist jetzt ja nicht unendig, so von der Ausgangslange her.
00:29:14: Die coole Künstlerin mit den blauen Haaren und ihm das Schüchtern im Medien aus der Vorstadt, dass er Sex mit dem Jungen hat... ...und sich dann eben dem weiblichen Gestech zu wendet.
00:29:22: Aber du hast schon recht!
00:29:24: Luisa wird halt hier zur Täterin, Luisa würde hier zur Aggressoren Und schreibt sich eine Welt in der es andersrum ist.
00:29:34: Das ist schon wirklich durchaus interessant eine spannende Gegensetzung zu einem Narrativ.
00:29:40: Weil es gibt ja auch, sag ich mal dieses Klischee und das wollte ich dem Robot noch erst vorwerfen.
00:29:44: aber es wird natürlich hier sehr interessant neu gedeutet dass so ne Queregeschichte immer mit nem Downer-Ending enden muss also damit dass unser Pärchen nicht zusammenkommt Aber ist halt hier selber verschuldet Und es ist eben auch wieder schon gesagt, es ist eine bewusste Entscheidung Es ist eben nichts Was weiß Ich komme bei your name wo der Sommer dann halt zu Ende ist von dem Kamin sitzt.
00:30:08: Ja, also tatsächlich doch etwas durchaus interessant bekannte Vorzeichen umgedreht.
00:30:16: Nicht nur durchaus, ich möchte das durchaus gerne streichen an dieser Stelle.
00:30:18: Interessantbekannte vor Zeichen umgerichtet.
00:30:20: Das klingt halt sonst irgendwie so runterziehend oder so...ja ja, das möchte ich, dass das meinte ich damit natürlich gar nicht!
00:30:31: Wenn man jetzt diese Interaktion von den beiden Elementen, einerseits diese Kritik an Orientalismus und Dwight Saviourism, andererseits ist der künstlerisch-erotische Blick auch immer gewaltvoll.
00:30:44: Wenn man das zusammen nimmt, interessante vielleicht komplizierte Sachen aus diesem Romare über die ich auch gerne länger nachgedacht habe.
00:30:58: Zum Beispiel halt Sender dass wir hier eine junge Queer Figur haben, die es am Anfang irgendwie gut meint aber sich selbst und sich ihres eigenen selbst nicht so bewusst ist.
00:31:10: So können relativ subtile Art und Weise beobachten, so meistens relativ subtilerweise wie eigentlich diese junge Figur, die man nicht das Konservatismus oder nicht der Bigoterie irgendwie verdächtigen will.
00:31:24: Diese junge queere Frau dass sie sich eigentlich irgendwann in dieser Kontinuitätlinie stellt wo am Ende glaube ich, dass sie erkennt den Begriff Fremde letztendlich genauso betont und ausspricht wie ihre Mutter.
00:31:42: Dann halt auch diesen Zeitungsartikel, da gibt also letztendlich queerness als nicht inherent immer progressiv und radikal dargestellt worden.
00:31:54: Ich glaube das ist schon irgendwie ein guter interessanter Punkt.
00:32:00: Sie kennt ja nicht mal den richtigen Namen ihres Schwarmes.
00:32:04: Also wir erfahren ja auch dass die eigentlich nicht Dunja in der, sag ich mal westlichen Schreibweise mit U-N-J-A heißt, sondern eben mit einem Ü und einem Ypsimon.
00:32:15: So das sind ja auch schon mal so spannende Punkte und dass eben diese die Familie Gös heißt und nicht Götz.
00:32:22: also der Text wirft da schon sehr sehr interessante Fallstricke rein und zeigt sie aber ja sage ich mir auch gut wie so ein Konservatavismus, wie du es auch schon gesagt hast, ich würde sagen in uns allen steckt, aber wieder eben doch auf dieser Terrasse all um befestlich ist und wie schnell man Vorurteile aufhört und reproduziert, ohne selber zu wissen, ob das vielleicht gerade tut.
00:32:45: Ich wollte sagen, dass Queerness und Weiblichkeit und Jugend einem davor auch irgendwie nicht schützt.
00:32:51: Dass die eigene Marginalisierung davor einen auch nicht schützen.
00:32:55: Ja das ist tatsächlich dann schon doch die große Leistung so, dass jede Figur sich im Recht wehnt.
00:33:01: Und das ist wahrscheinlich dann dieser Tiere hier am Ende des Tages doch irgendwo aggressor ist und Gewalt ausübt auf die eine oder andere Art und Weise?
00:33:15: Spannend finde, weil ich glaube oder es ist bei mir ein bisschen lange her, dass ich überhaupt einen Roman gelesen habe der irgendwie so ein Poetry Slam als Ort, als subkulturelles Szene einbindet und ernst nimmt.
00:33:30: Da fände ich das als spannend, wie da das eingebunden wird.
00:33:37: Was ja schon lange nicht mehr der Fall ist, dass Purchaser meine in irgendeiner Weise widerständige Subkultur ist.
00:33:43: im Gegenteil, ich würde sagen... Neutral gemeint.
00:33:46: So ich gebe selbst Poetry Slam Workshops, dass eine Poetry Slam eher so etwas Erhaltendes ist, etwas halt auch so pädagogisch unterstützendes ist wo halt auch eine Mehrheitsgesellschaft oder eine Demokratie sich mit ihren Werten fortsetzt.
00:34:03: und ich finde das sieht man auch in der Art und Weise wie dieser nach dem einem österreichischen Eurentalisten ausgerechnet benannte U-twanzig Slam dargestellt wird.
00:34:15: Dass sie diese Funktion sieht man da auch vor allem in diesen so kleinen Kommentar darüber, welcher Text welche Punkte bekommt und wer welcher text vor welchen ist.
00:34:29: Es erinnert ein bisschen in manchen Punkten die hier gemacht werden vielleicht an Eurasia von Percival Everett oder halt an die Verfilmung American Fiction von vor ein paar Jahren wo eben Ja, dann doch ein weißes Publikum bestimmte Klischees hören möchte über etwas wie sich es sich vorstellt oder die Klischee auf der Erzählung realer findet als die rare Erzählungen.
00:34:56: sein wir so.
00:34:58: Ja also hyperreal einfach!
00:35:00: Wie fandest du denn sage ich mal die Binnenhandlung an sich?
00:35:04: Die ist natürlich bewusst palpig und auch bewusst trashig.
00:35:11: Aber es ist natürlich mir eine spannende Gratwanderung zu versuchen.
00:35:15: Ich möchte nicht sagen schlecht zu schreiben, weil Luisa durchaus der talentierte, selbst nie ihre Grautore und das fand ich sehr beeindruckend wie Steiner's doch schafft.
00:35:25: Zwar unterschiedliche...
00:35:26: Sowohl talentiert als auch siebzehn!
00:35:28: Das muss man beides verachten?
00:35:29: Ja,
00:35:31: dass Steiner es schafft doch durchaus zwei unterschiedliche Schreibstile hier zu pflegen in der Haupt- und der Binnenhandlung, aber da Luisa ja auch die Erzählerin ihres eigenen Lebens ist.
00:35:42: Doch so gewisse Beobachtungen und Quirks in das ein oder das andere rüber zu retten!
00:35:51: Ja, also als die Beobachtenden von Quarkster, die sich dann irgendwann so gegen Endo der letzten Drittel einsammeln.
00:35:59: Die sind ja dieses Signal von der Übergriffigkeit, wie Louisa halt ihre Welt benutzt für ihre Geschichte oder irgendwie ausbeutet für ihre Geschichte... Ich finde auch, dass dieser Kniff da recht gut gelungen ist.
00:36:16: Weil ich glaube schon auch das einer siebzehnjährige, ich war auch mal siebzen ungefähr so schreiben würde mit der Ambitionen, mit dem Metaphern Willen und mit der eigentlich schönen poetischen Idee eine Figur Welt zu nennen und auch mit der Palpigkeit gesehen.
00:36:42: Wenn das, naja gut natürlich war es einfach die Absicht gewesen.
00:36:47: Aber so offensichtlich ist die Absich gewesen wirklich einen Schreibstil zu entwickeln der auf die siebzehnjährigkeit auf die Precociousness der Autorin hinweist.
00:37:02: Und ich finde, das ist da auch so weit gelungen.
00:37:05: Dass ich das nicht einfach nur als ein Artefakt okay habe verstanden Sie es gibt's in Get Out With It sondern dass ich diese Geschichte halt auch ganz gern gelesen habe in dem Spiegel den sie der Rahmenhandlung vorhält also in der Hinsicht durchaus auch ein bisschen ähnlich wie in The Blythe Assassin von Margaret Atwood.
00:37:25: Ich komme mit einem anderen Beispiel denn ich wollte nur nochmal die Runde direkt geben Binhandlung oder sage ich mal Dokumente in Texten, die von anderen Figuren geschrieben sein sollen.
00:37:39: Wir sind immer eine Gratwanderung!
00:37:40: Ich habe kürzlich zuletzt und sollten wir demnächst wieder so ein Recent Reads Folge aufnehmen, werde ich da drüber länger berichten... ...ich hab immer wieder so einen Bahnhof-Zriller.
00:37:49: Das beschweige ich ja auch bewusst aus.
00:37:52: Rausgesucht.
00:37:53: Ich habe nämlich Last Time Alive von Riley Sager gelesen.
00:37:58: Und es ist so eine... Na, Bahnhofstheteratur spielt ein bisschen so mit den Klischees des Ferien-Camp Slashers aus den USA.
00:38:08: und da findet unsere Hauptfigur irgendwann das Tagebuch eines verschollenen Mädchens.
00:38:14: Und ich habe diese Tagebuch einmal schon gelesen und mir gedacht Nein!
00:38:18: So schreibt wirklich kein Mensch seinen Tagebuch weil es richtig wird wie Hey Diary I guess i bought you and now im gonna write into u Guess what?
00:38:29: Also, und da muss ich sagen bin ich Riley Sager beziehungsweise Todd Ritter.
00:38:33: Denn Sager ist ein Absodonym eben für diesen männlichen Autorin Todd Rutter.
00:38:38: Das ist ja auf den Leim gegangen weil er sich dieses Tagebuch dann im Laufe des Romanes Achtung Spoiler auch als Fabrikation herausstellt um Leute auf eine falsche Pferde zu locken.
00:38:47: also da wurde ich praktisch geködert mit etwas was sich erst dem Roman als schlechten Stil ausgelegt hat und dann rauszufinden dass es bewusst schlecht das Stil war um mich auf eine falsche Fertigkeit zu bocken.
00:38:57: Ich fand euch ganz nett, aber Frau Steiner gelingt das hier wirklich sehr gut!
00:39:01: Das ist ja sehr glaubhaft und irgendwie auch ne ganz interessante Geschichte oder also... ich wüsste es nicht so sehr wertend, aber ich habe diese Binnenhandlung recht gerne gelesen weil ich hab das häufig wenn Romane mit Binnen handlungen arbeiten dass sich die eher mal überblättere.
00:39:20: Also zuletzt am Prominenten sind das dann Christian Krach mit er gemacht.
00:39:24: wo wird dieser da angehauchte Binnenhandlung haben, die sich dann am Ende zusammenführt.
00:39:29: Die ganz großen literarischen Vergleichen werden ja wahrscheinlich in Abokoffe oder Krawantis.
00:39:35: Aber auch da einfach wieder sehr ambitioniert und ich hätte es Frau Steiner wirklich gewünscht, dass sie diesen Pop-Literaturpreis bekommt.
00:39:45: Ich habe jetzt drei Bücher von der Shortlist gelesen und Iris war mit Abstand das Beste.
00:39:52: Ich glaube, die Stärke, die Binnenhandlung hat, wieso sie funktioniert ist.
00:39:57: Dass wir es ja auch angesprochen haben dass er so ein sehr offener, processhafter Text ist indem man die Eingriffe anmerkt.
00:40:07: Man merkt wie er sich verändert wenn sich die Rahmenhandlung verändert Wenn sich die Stimmungen oder die Kaprizen der Hauptfigur irgendwie ändern wenn sie auf irgendjemanden sauer ist wenn sie irgendwas Neues rausgefunden hat.
00:40:21: Insofern ist er halt auf dieser Ebene schon spannend.
00:40:24: Und um ehrlich zu sein, ich fand das bei The Blind Assassin vor allem bei Margaret Edward hat mich auch eher abgelenkt weil es da einfach nur noch so eine dritte Meta-Lepste gibt, die mich dann überhaupt nicht mehr interessiert hat.
00:40:39: und ich finde das auch in der Hinsicht riskant, weil das ein bisschen ist als würde jemand einen einen Traum erzählen.
00:40:47: und wenn da nicht so ein Kniff kommt wie der, den du jetzt eben vorgeschlagen hast dann ist das halt wirklich immer so.
00:40:56: ja so was.
00:40:57: Aber hier ist es ja ganz gut rechtfertigt und eine so eingebunden gerade durch die Prozesshaftigkeit und Offenheit.
00:41:07: Haben wir noch etwas zu sagen zum Abschluss?
00:41:09: oder sagen wir beide dass wir mit einer Empfehlung hier rausgehen?
00:41:15: Wir gehen mit einer empfehlung raus.
00:41:18: Wir sind auch gespannt, was mit so einem inhaltlichen Informal ja doch recht ambitionierten Deby-Romanen von dieser Autore noch kommt.
00:41:26: Wir freuen uns!
00:41:26: Ja
00:41:26: und es hat sich jetzt also eingebungen, dass wir am Ende sagen, wir geben durchaus eine Kaufempfehlung raus und ich hätte das glaube ich auch getan wenn mir der Roman nicht gefallen hätte einfach weil man sollte unabhängige Verlare wie den Gleikampferlag unterstützen.
00:41:40: und gerade Debütautor innen... riskiert da gerne mal einen... Ach du, Wortwürzzeiten-Sprung.
00:41:47: Die Weltablaube Haare hat mir ziemlich gut gefallen und ich bin gespannt was da als nächstes kommt.
00:41:54: Ich auch!
00:41:55: Worüber reden wir nächste Woche Maria?
00:41:56: Denn Lukas ist tatsächlich noch eine weitere Woche beschäftigt und du beerst mich ein zweites Mal, du nimmst denn zweitesmal die Zeit mit mir zu reden aber dieses Mal hast Du das Thema ausgesucht, sag ich mal.
00:42:07: Ja, stumpfrei!
00:42:09: Lukas weg, stupfrei.
00:42:10: Genau,
00:42:11: jetzt war der richtig wild bei gelesen hier.
00:42:17: Ja, ja richtig feurig war um nicht zu sagen.
00:42:20: Also ich war letztens ein bisschen sauer und dann habe ich einen schönen Morgens zugetestet mit, oh finde ich hasse dieses Buch, es ist so scheiße!
00:42:34: Nach
00:42:35: den Höhren.
00:42:35: nicht zu viel Lust, Maria dieser Scheiße...
00:42:40: Nein, also was ich Lust machen sollte ist eigentlich das worum es in dem Buch geht oder vielmehr nicht geht.
00:42:45: Weil das Buch über das wir reden wollen ist der Lektüre die ich im Rahmen meiner Dissertation gelesen habe und zwar Lords of Chaos.
00:42:55: Das Buch beschäftigt sich mit quasi so eine Console Journalism Chronik von den Geschehnissen rund um den Black Circle um so Leute wie Euronymous und von Mayhem oder halt Vagvikärlis vom Bursum, um die Kirchenverbrennung, um sie Morde.
00:43:20: Und das ist enttäuschenderweise für mich.
00:43:22: so viel kann ich schon mal verraten.
00:43:24: keine subkulturelle Kronik nicht wirklich oder ein Buch in dem es halt wirklich überhaupt nicht um Musik geht sondern es ist im Grunde so true crime Gonzo-Journalismus.
00:43:37: Das Buch zwar wertig für Dissertation als das erste Buch über Black Metal seiner Art, aber ich finde das Buch und da verrate ich jetzt mal erst einmal nicht.
00:43:50: Warum?
00:43:50: Ich finde es auch unverantwortlich und gefährlich!
00:43:53: Und das habe ich finden aufgezwungen weil ich sauer war... ...und Finn hat es Hashtag gelesen.
00:44:00: Yeah!
00:44:01: Lots of Chaos.
00:44:02: nächste Woche bei Gelesen und falsch.
00:44:05: sprengen wir auch nochmal kurz über die Verfilmung.
00:44:06: Maria, ich freue mich!
00:44:08: Ich freu' mich auch!
Neuer Kommentar