Folge 61: Orca (Franziska Gänsler)

Shownotes

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2026 ist veröffentlicht. Maria und Lucas besprechen deshalb Orca, den dritten Roman von Franziska Gänsler. Angeregt diskutieren sie über Coming of Age Erzählungen, die Darstellung von literarischen und ökonomischen Räumen und empfehlen den Roman sogar eindringlich als Schullektüre!
Außerdem präsentiert Maria ihre false chord growl Fähigkeiten.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Aufsteigen oder aussteigen, Korra steht vor dem Ende ihrer Schulzeit.

00:00:04: Sie spürt Pfad in die Zukunft und weichen für verschiedene Lebensmodelle an ihrem Körper.

00:00:08: Unter den wohlhabenden Töchtern an ihrer teuren Privatschule, die sie durch ein Förderprogramm besuchen kann fühlt sie sich so einsam wie überall sonst.

00:00:15: Müheselig emittiert sie ihre Luxusartikel ihr aufwendiges Make-up und die Selbstverständlichkeit mit der sie sich durch die Welt bewegen.

00:00:22: Eines Tages steht sie ihrer ehemaligen Schulfreundin Olympia auf einem Supermarktparkplatz gegenüber.

00:00:29: Bewunderung, Freundschaft und Begehren und rutscht in ein neues Leben.

00:00:33: Die beiden landen in den Reihen einer sich zunehmend radikalisierenden Umweltbewegungen organisiert von dem exzentrischen Millionär Ersen – eine Welt deren Wertvorstellungen näher an ihrer materiellen Realität sind, in der Taten die Herkunft

00:00:46: überstrahlen.".

00:00:48: Ein parallel erzählter Handlungsstrang spielt in der nahen Zukunft.

00:00:51: Die Zeit der Pandemie, die Menschen tragen Masken – ein Disconnect!

00:00:55: Korra arbeitet an der Fleischtäker eines Supermarkts.

00:00:58: Grau-Routine zwischen Lioner und Pfefferbeißer.

00:01:00: Was hat sie ausgerechnet dorthin verschlagen?

00:01:03: Orca ist der dritte Roman, der in Auxburg geborenen Franziska Gänzler und steht auf der Shortlist des deutschen Buchpreises.

00:01:11: eine Coming-of-Age Geschichte, in der die individuellen Erfahrungswelten einer jungen Frau mit dem Impulsen einer neuerstarkten Umweltbewegung zusammenfallen.

00:01:19: Fridays for Future, Extinction Rebellion – die letzte oder mittlerweile die neue Generation!

00:01:25: Ein Blick zwischen Bestandsaufnahme, Retrospektive Klassenfrage, die elastische Beziehung zwischen Sein und Bewusstsein.

00:01:34: Der Roman ist am siebzehnten August beim Zürcher Keinen- und Aberverlag erschienen.

00:01:38: Wir haben ihn gelesen Und wir das sind heute Maria oder Joffskaya?

00:01:42: Hallo!

00:01:43: Ich bin Lukas Bavenchik.

00:01:45: Finn Bankert ist leider im Untergrund abgetaucht.

00:01:48: Mal sehen ob er in der nächsten Zeit sagt Ach ne Er hat nur Halsschmerzen.

00:01:51: Dementsprechend Das kriegen wir schon noch irgendwie hin.

00:01:53: Die Folge machen wir zu zweit.

00:01:55: Und ich wollte zum Einstieg passen Zum Roman fragen Was hast du als Letztes eigentlich durch ein YouTube-Tutorial gelernt?

00:02:05: Ich würde sagen, gelernt ist noch ein bisschen zu hochbegreifend gegriffen.

00:02:08: Aber...

00:02:09: Du hast es versucht!

00:02:11: Aber ich war redlich bemüht und versuche immer mal wieder via YouTube so False Court Girls zu lernen.

00:02:21: Das ist die Gesangstechnik, die man bei Death Metal benutzt und das Besondere daran ist dass es eigentlich in dem Sinne kein Gesang ist.

00:02:28: also die Stimmbänder werden dann abwärter nicht benutzt d.h.

00:02:31: sie werden auch nicht belastet.

00:02:34: wie gesagt ich bin noch nicht wahnsinnig gut darin beziehungsweise ich brauche Anlauf aber es macht Spaß.

00:02:41: ich gebe mir Mühe wenn ich selbst auf Demos gehe dann schreibe ich so

00:02:48: eine Kostprobe bitte.

00:02:51: Hey Lukas, wie findest du das Buch Orca von Franziska Götzler?

00:03:07: Ein bisschen beängstigend.

00:03:08: Ich finde es ehrlich gesagt ganz gut, ich sag mal ich find die erste Hälfte spannender als die zweite.

00:03:13: das werden ist auch da spannende als das sein!

00:03:15: Ich muss sagen persönlich habe ich zuletzt was sehr viel unspektakuläres durch YouTube-Tutorials gelernt.

00:03:20: Ich hab mir Haferbananen, Erdnusskekse gemacht, die nachher...ich war ein bisschen enttäuscht, viel zu gesund geschmeckt haben.

00:03:27: Man fühlt sich von Keksen dann doch tendenziell irgendwie betrogen wenn sie nicht primär irgendwie so zuckige Pumpe sind oder sowas und dass war Ja, viel zu gesund.

00:03:36: Da kann man sich genauso gut irgendwie halt so einen von diesen Protein-Cookies... gibt es eigentlich noch Produkte in Supermärkten die nicht dezidiert mit Proteinen sind?

00:03:44: Ich habe das Gefühl nicht!

00:03:45: Das ist sehr viel weniger geworden.

00:03:47: Vor allem dass es so ein fucking Scam, irgendwie Proteine-Riegel ist.

00:03:51: So hi ich bin, ich bin für zwanzig Gramm und hab dabei drei Gramm Proteinen.

00:03:55: Ich kostet zwei Euro.

00:03:58: Ist doch einfach ein Blocktofen wie ein... naja was heißt normaler Mensch?

00:04:04: Proteinlebertran, das ist besonders gesund.

00:04:07: Das ist Proteinweizentos da macht sich ja einen Unterschied.

00:04:10: Naja ich frag weil ein ganz wichtiger Aspekt des buchs ist Ja dass Jugendliche werden das erlernen von Dingen das aneignen Von Fähigkeiten dieses gefühl von ding imitieren fake it till you make it so Ein fach simile der welt die in einen umgibt werden bis man irgendwie tatsächlich ein Teil davon ist.

00:04:30: und ich finde das ehrlich gesagt, dass es sich ein wichtiger Aspekt von vielen Jugendbüchern jedoch ganz gut erzählt.

00:04:35: Also es hat mir irgendwie Freude gemacht unseren Figuren dabei zuzuschauen wie sie stärker werden?

00:04:41: Wie Sie irgendwie Sachen an sich selbst finden?

00:04:43: Das find' ich allgemein immer eine interessante Phase in Romanen nicht ganz Bildungsromaner aber immer Coming of Age-Erzählung Ich glaub die hat oft so ne Rampe hinzu So einer neuen Körperlichkeit.

00:04:55: Und ich glaube, das wird hier ganz gut geschildert oder?

00:04:58: Ja gerade auch nicht nur Körperlichkeit, so eine junge Körperlichkeit findet sich hier statt und nicht als irgendwie ein Selbstentdecken sondern als einen sich selbst stehlen.

00:05:08: also ganz ähnlich eigentlich ja eigentlich weniger wie bei Jim als wie bei mir.

00:05:13: die Wutzi bleibt bei Marike Fallwickel wo wir halt auch ne ähnliche Konstellation haben von jungen Frauen oder halt jungen Mädchen der weiblichen Attraktivität oder was heißt weibliche Attraktivity?

00:05:26: Den Konventionen vielleicht

00:05:28: oder

00:05:29: den Sender-Erwartungen.

00:05:32: Genau, so dem Male Gaze in dem Sinne wirklich entsagen und ihren Körper auf Stärke hintrainieren und dadurch auch so sich selbst kommt.

00:05:42: Aber vor allem interessant fand ich an diesen Bildungsromanhaften oder an dieser Geschichte eines Wertens, vor allem dass es hier die Perfektivität oder die Fakeness sozusagen wirklich in den Vordergrund stellt und sie nicht verurteilt sondern das als eigentlich einen der Kernpunkte von Jugendlichkeit, von Pubertät und Adolescence begreift.

00:06:07: Wir haben hier schon andere Romane die sich mit Jugend beschäftigen und gerade auch mit weiblicher Jugend beschäftigend gelesen.

00:06:14: Ich glaube, das werde ich im Verlauf dieses Podcast noch viel erwähnen.

00:06:17: Sommer der schlafenen Hunde!

00:06:20: den ich ja sehr gut fand, aber halt auch andere jetzt zuletzt irgendwie veröffentliche Bücher.

00:06:26: wie irgendwie am Morgen gehen sie Mädchen in den Wald und sprengen Dinge in die Luft von Virofionis ironisch zum Beispiel so.

00:06:35: Und das kann dann nicht auf diese Art und Weise zentriert vor Man sich als Teenager oder vielleicht gerade auch als weiblicher Teenager auch durchaus Phasenweise sehr fake vorkommen, dass alle anderen es richtig machen und von sich aus so sind.

00:06:52: Und man selbst nicht!

00:06:55: Das so dargestellt zu sehen mit diesen ganzen ja gerade so neurotisch geguckten YouTube-Tutorials werden als etwas was man step by step lernen kann halt wirklich komplett manuell.

00:07:08: das ist etwas was sie mir vielleicht vielleicht habe ich nicht genug gelesen, was diese Literatur angeht.

00:07:13: Aber was mir auch ein bisschen gefehlt hat und was glaube ich auch durchaus nachvollziehbar und relatable sein würde für halt genau die Alterskohorte aus deren Sicht Franziska Gänzler hier schreibt?

00:07:25: Ja also ich finde diese neue Darstellung des Faken des falschen, des performativen.

00:07:31: Das scheint allgemein in den letzten Jahren noch mal sehr viel deutlicher ein Thema der Literatur zu sein.

00:07:36: Ich glaube das hatten natürlich auch mit dieser neuen Tendenz zum Selbstentwurf zur digitalen Avataren und so zu tun.

00:07:43: also ich glaube dass ist natürlich irgendwie eine Spielung der Gegenwart und ich fand es hier aber irgendwie ganz schön gemacht dieses Gefühl von Nachahmen sich aneignen.

00:07:52: am Anfang ist diese Sehnsucht nach dem Perfect Replica die Suche nach dem perfekt gefälschten Luxusartikel.

00:07:58: Später sind es dann einfach andere Indikatoren.

00:08:00: Wir haben ja schon in der Einführung gesagt, es wird hier später auch stark um eine Umweltbewegung gegeben und ich hatte schon das Gefühl... In beiden Welten sammelt man schon bestimmte Indikatoren.

00:08:13: Man hat bestimmte Kodizes und Sprachformen, die man sich aneignet.

00:08:18: Und diese Sehnsucht nach Zugehörigkeit von unserer Protagonistin funktioniert ganz ähnlich, ob das an ihrer teuren Privatschule oder in dieser Demonstration- und Protestwelt ist.

00:08:29: In beiden Fällen sammellt man bestimmte Marker und Indikaturen.

00:08:35: Es ist kein tiefgehend soziologisch gearbeiteter Roman.

00:08:38: aber ich finde es schon recht präzise in der Art, wie man einfach versucht dazu zu gehören.

00:08:44: Also ich habe das Gefühl zum Beispiel... Wenn wir uns ihre Lebensentwürfe, ihre Selbstfabulierung über das was sie sein möchte angucken.

00:08:51: Dann funktionieren dort Cambridge oder die Universität Sorbonne in Paris eigentlich genauso wie die Markennamen die sie vorher haben wollte.

00:09:00: ob das jetzt irgendwie Yves Saint Laurent Black Opium ist und auch diese ganze Buzzword Rhetoric die wir dann später von den Aktivisten hören rund um Kipppunkt und Direct Action funktioniert irgendwie ähnlich.

00:09:13: da frage ich mich aber auch Ist es nicht vielleicht als Beschreibung einer Bewegungen so ein bisschen dünn festzustellen?

00:09:20: Alle Orte sind von ähnlichen sozialen Dynamiken, sind von Grabenkämpfen.

00:09:24: Sind auch mal von Schulhofstreite reingeprägt.

00:09:27: also ich habe mich das öfter schon gefragt.

00:09:30: wenn von politischen Bewegungen erzählt wird und dann die doch immer auf das universell menschliche runtergebrochen werden fehlt da nicht auch ein bisschen identitäres Eigengewicht ideologisches Eigengewicht in dieser anderen politischen Weltlinache gezeigt wird.

00:09:44: Also sind sich diese Welten nicht zu ähnlich, gehen sie nicht zu lückenlos ineinander über?

00:09:49: Ich würde das dem Romantaseche nicht als schwächer auslegen sondern als eine... Frage, die für mich interessant offen gestellt wird.

00:09:58: Weil diese Art von Auswechselbarkeit, von Mitläufer-Tum, von Ich will ja nur dazugehören und eben gerade diese ideologische Lehre, die weitestgehend nicht komplett die Hauptfigur auszeichnet – das ist etwas was ich finde dieser Roman nicht direkt verurteilt so keine Ahnung wenn sie anderen Kinder von der Brücke springen, springst du auch?

00:10:19: Das ist das, was dieser Roman hier nicht tut Schullektüre, Überradikalisierung oder so was durchaus vorkommen könnte.

00:10:29: Die Frage, die für mich der Roman interessant umbadwortet aber halt im Raum stehen lässt ist ja gut.

00:10:38: also wir wollen dazu gehören und deswegen treibt es uns vielleicht in gewisse Strukturen ohne dass jetzt irgendwie zu verurteilen, als etwas menschliches dargestellt wird und halt stehen gelassen wird.

00:10:57: Könnten wir uns halt fragen, wo kommen denn unsere Überzeugungen her?

00:11:03: Und letztendlich genauso wie mit diesen Demo-Babys, die da erwähnt werden so... kennen halt auch so meine Leute, die in genau dieser sehr impressionable, sehr formbaren und auch sehr bedürftigen Phase von bis achtzehn oder so ihre politischen Überzeugungen auch bekommen haben.

00:11:24: Und das hat für mich weniger etwas mit Austauschbarkeit zu tun, sondern ich finde nicht dass dieser Appell auf etwas Universal Menschiges da wahnsinnig falsch ist, sondern im Gegenteil das öffnet Fragen wiefern man sich mit Cora identifizieren kann und inwiefern man sie nachvollziehen.

00:11:48: Und ich finde auch nicht, dass der Roman in dieser Hinsicht irgendwie komplett unpolitisch bleibt.

00:11:53: Ich finde schon, dass er seine Klimaschutzaktivistinnen also diese Community sehr ernst nimmt mit ihren Standpunkten durchaus ernst nimmt und zumindest so grob skizziert was es dafür verschiedene Standpunkte gibt.

00:12:08: und wir dürfen noch nicht vergessen das dieses dieser Wirbel an Zeichen so auch nicht bleibt.

00:12:15: Es gibt ja recht konkrete Gewalter Also, und auch an einigen Stellen.

00:12:21: Es gibt mal so mindestens einen Moment für Cora wo sie das nicht nur tut was sie tut um ihren Stand zu behalten oder das was die denkt was ihr Stand ist in der Gruppe um irgendein Plastisch zu behalten oder sich selbst zu schützen was sie nötig hätte sondern weil auch bei Cora nachdem sie vielleicht eine Jahr schon in dieser Bewegung ist haben wir einen Moment, wo sie ihre Wut ganz klar politisiert ist und eben auch ihre Empathie, ihr Mitgefühl ganz klar polizisiert.

00:12:56: Das auf jeden Fall!

00:12:57: Ich bin nur immer so ein bisschen nicht frustriert aber ich finde es irgendwie so'n bisschen erzählerisch unterkomplex wenn ich das Gefühl habe dass universell menschliche wird zu stark betont und sagen wir auch narrative Räume wie diese Erzählwelt, diese eigene Geschichte die sich da erzählt wird, wird so ein bisschen beiseitegeschoben.

00:13:17: Also man könnte sich fragen ist das eine interessante Fokalisierungsposition?

00:13:22: Diese Caro die im Mittelpunkt steht bei der ich oft das Gefühl hatte so wäre es nicht interessanter gewesen dass vielleicht aus der Sicht einer stärk überzeugten Ideologin zu sehen.

00:13:33: oder wäre das nicht Interessanter das zusehen?

00:13:35: zum Beispiel sie wird später an der Fleischtheke eine junge Frau kennenlernen, die über Fohren auf sie gestoßen ist.

00:13:43: Die diese Umweltbewegung oder eine Figur aus ihr so besonders bewundert und ich habe gedacht so irgendwie so eine junge Rekutin, die das so von ganz außen sich so aus dem Internet zusammensucht.

00:13:53: Das hätte ich auch spannend gefunden.

00:13:54: aber ich will dass den Roman auch nicht anlassen.

00:13:56: Ich hab nur gedacht ich weiß nicht manchmal habe ich gehadert mit der Neutralität oder sagen wir, der Unzuverlässigkeit dieser Erzählposition.

00:14:03: Weil wir hatten vorhin schon darüber geredet es ist so eine kuriosem Mischung aus Passivität und Aktivität.

00:14:09: wie erleben Sie als jemanden der auch viel mitgezogen wird aber kommen nachher zu dem Schluss.

00:14:14: das ist auch einer der letzten Sätze des Romans.

00:14:16: eigentlich wäre alles ohne sie nicht passiert und ihre Wegbegleiter ihr Kameraden sagen ja auch alle sie ist jemand der durchzieht und ich finde dass schon irgendwie interessant verquick diese Gleichzeitigkeit von Passivität und Aktivität von Aktivismus.

00:14:32: Und Inaktivismus, also ich finde das irgendwie so.

00:14:36: diese Vektoren dieses Buch sind manchmal seltsam diffus.

00:14:40: Das fand ich irgendwie faszinierend weil ich mich die ganze Zeit gefragt habe wie passiert was?

00:14:45: So ganz einfache Antworten wie Radikalisierung funktioniert, wie man in solche Milieus kommt gibt es eigentlich nicht sondern es bleibt auch ein bisschen eine Projektionsfläche und man kann sich selber überlegen warum tun das Leute?

00:14:56: oder

00:14:58: Ja und ich würde dann daraus sagen, also gut.

00:15:01: Ich habe in diesem Vergleich schon angekündigt, Sommer der schlafenden Hunde...

00:15:07: Es naheliegend!

00:15:08: Also ich hatte das dir auch schon erzählt.

00:15:10: meine Partnerin, ich hatte hier eine Passage vorgelesen fragte mich habt ihr das nicht schon gelesen?

00:15:14: Also es fühlt sich so ein bisschen an als würden hier viele Sachen die in der Luft liegen und die auch andere aufgreifen.

00:15:21: werden sie zusammengetragen oder?

00:15:24: Ich habe schon das Gefühl, dass es so ein bisschen eine Welle oder einen Trend gab.

00:15:30: Dafür können die Autorinnen nichts an und es sind meistens AutorInner wahrscheinlich irgendwie in der Buchmarkt, dass Literatur sich mit weiblichen Aufwachsenen und junger weiblicher Wut beschäftigt, jetzt recht viel Aufmerksamkeit bekommen hat.

00:15:47: Da gehört Orca jetzt sicherlich dazu und bekommt ja auch sehr viel Aufwerksamkeit gerade dafür.

00:15:50: Es gibt

00:15:51: dieses Schlagwort Female Rage Marketingetikett benutzt wird.

00:15:56: Ja, genau und mal gucken wir wie viel Fernsehen das den Roman irgendwie einen Gefallen tut also vielleicht kommerziellen Gefallen aber halt so man.

00:16:05: ich hoffe auch man schaut ein bisschen dahinter und wenn man das schon und ich finde der Vergleich ist ein bisschen da hat sich mir ein bisschen aufgetränkt mit sommer das schlafenden Hunde das vergleicht dann hat man da eigentlich eine ähnliche Konstellation in der Unzuverlässigkeit.

00:16:21: aber andererseits Sommer das schlafenen Hunde, da ist es ja halt wirklich in der Form schon recht offen angelegt und recht eindeutig eingelegt die Uneindeutigkeit so nämlich dass man sich auf unsere Erzählerin nicht verlassen kann.

00:16:36: Dass man sich hinterfragen muss, dass man das gegen den Strich lesen muss ob die Erzählerin da wirklich reines Opfer ist, inwiefern sie Täterin war wer wessen Opfer wirklich gewesen ist.

00:16:49: Ja, und hier beim Lesen habe ich mich wegen der Konstellation gefragt.

00:16:53: Oh okay ist das jetzt eine einfacher zuverlässigere Version von der Erzählung?

00:16:59: Nicht dass ich irgendwie Epiguntum vorwerfen würde.

00:17:02: Es ist halt wirklich, denke ich einfach es liegt in der Luft des Zufall.

00:17:06: aber dann dachte Eigentlich führt uns Franziska Gänzler hier auch ein bisschen aufs Glatteis und ich glaube, die Art und Weise wie sie uns aufs glatteis führt ist thematisch relevant.

00:17:15: Weil Cora ja sich selbst als jemand versteht und das ist keine Erzähleren Sie lügt oder sich nur sehr unmittelbar selbst belügt.

00:17:27: also Cora ist jemand der uns erzählt oder Situationen so versteht dass sie so handeln musste wie sie musste aufgrund von äußerem Druck aus Zusammenhängen rausgeschmissen zu werden, ihren Halt zu verlieren, ihre soziale Zugehörigkeit zu verliert und ihrer Freunde zu verliern.

00:17:45: So ganz elementare, gerade so kindliche Ängste, ganz elementaren Dinge weniger... Also

00:17:52: man hat das Gefühl wenn sie diese Freundschaft verliert dann ist das schlimmer eigentlich als der Weltuntergang oder?

00:17:58: Ja!

00:17:58: Ihre Welt geht davon unter!

00:18:03: Insofern meine ich, dass es uns ein bisschen aufs Glatteis gibt.

00:18:06: Weil es sehr wenige Stellen gibt aber die gibt es wo uns eine Außensicht auf Cora gegeben wird nämlich als zum Beispiel die Mutter von Olympia dieser ja strahlenden charismatischen auch sicher etwas idealisierten Freundin von Cora Dass sie Cora sagt, dass Olympia ihr immer nur hinterher gelaufen sei dass Ura eigentlich der leuchtende Final für Olympia gewesen wäre.

00:18:31: Und wir haben ja auch diesen, das haben wir im Vorgespräch ja auch erwähnt, diesen Satz oder du gerade auch... Eigentlich ist es alles nur wegen mir passiert ohne jetzt viel Spoilern zu wollen.

00:18:41: Dieser Satz führt für mich so all diese Punkte zusammen die du als die irgendwie weitgehend die Fuß empfindest weil für mich Korra einen Arg durchläuft einen Ark durchläuft, wo sie durchaus ja ein fundamental unauthentischer Mensch ist.

00:19:02: Nicht nur in dieser Prüvertätadoleszenzart und Weise sondern halt auch wirklich die Überzeugungen sehen... Also sie hat nicht wirklich welche.

00:19:13: Sie ist ein bisschen fähig in einem Wind, sie duckt sich, sie passt sich an und sie hat vor allem Angst.

00:19:18: Und so dass ihr selbst ihre Rolle nicht klar ist in dem was geschehen ist und das endet damit, dass sie sich dazu bekennt zu ihrer Rolle in all dem, was geschehen ist.

00:19:30: Sie bekennt sich zudem, worauf sie stolz ist oder sie bekennt dich dazu, dass sie darauf stolz sind?

00:19:35: Sie bekannt sich auch zudeme, was sie bereut und was schief gegangen ist?

00:19:39: Sie bekennt sich vor anderen?

00:19:41: Sie nimmt das auf sich?

00:19:43: Das ist Verantwortung!

00:19:44: Und dass es halt erwachsen werden muss sich selbst identisch werden.

00:19:48: Insofern eigentlich ein ganz klassischer Topos von Coming of Age-Romanen oder Bildungsromanen aber gleichzeitig auch das kann man ja durchaus irgendwie... Das kann man ja durchaus konkret auf unsere gegenwärtige Weltlage angewandt politisch lesen, weil das ein Appell ist vielleicht irgendwo im Hintergrund Verantwortung zu übernehmen.

00:20:11: Das erkennen

00:20:12: der eigenen Wirkmächtigkeit.

00:20:14: oder man sieht, man hat Verantwortung das heißt aber auch.

00:20:18: Man ist nicht einfach Opfer, man ist nicht passiv wie du schon beschreibst sondern man kann gestalten, man kann die Welt formen.

00:20:24: es gibt da Resonanz in irgendeiner Ebene.

00:20:26: also das ist auf jeden Fall etwas dass hier drin ist.

00:20:28: Ist es auch der Versuch vielleicht so ein bisschen eines Generationen Porträts?

00:20:32: Oder eine Generation die sich vielleicht als Opfer der Vergangenheit begreift, wie das viele Generationen tun.

00:20:39: Es gibt da draußen so viele zu spät gewohrene die sich immer die andere Zeit natürlich wünschen.

00:20:44: aber ist es auch die Aufforderung festzustellen vielleicht loszulassen diese Lust an der Apokalypse?

00:20:52: also ich glaube es fällt einmal der Satz sie haben richtig Bock auf apokalypse also der Weltuntergang als fast befreiendes katasisches also reinigendes dass ein davon Dass einem nicht nur Recht gibt, sondern dass einem irgendwie auch eine neue Funktion und neuen Stellenwert zuweist.

00:21:09: Und der Gedanke, den er nachher mitschwingt ist ja eigentlich eher selber zu gucken wo man halt wirken kann.

00:21:15: Wo man halt Resonanz hat sich zu lösen aus dieser Idee vom Idioten der Geschichte hin zu jemandem, der tatsächlich die Dinge in irgendeiner Form beeinflusst.

00:21:25: Ist das denn?

00:21:26: Besonders zielführend oder besonders scharf sind ich als Generationen-Porträt.

00:21:30: Also wenn man jetzt sagen muss, wen sehen wir da überhaupt drin?

00:21:33: Ist da nicht vielleicht eine Millennialautorin die über die Millennials schreibt?

00:21:37: Ich habe das Gefühl dass viel Projektion bei dieser Jugendbeschreibung... Die Indikatoren der letzten Jahre für Jugend sind mir oft in der deutschen Literatur ein bisschen zu simpel.

00:21:46: Einfach hinzuschreiben und dann dachten sie über Euphoria nach wie das entfielen.

00:21:50: dieser Roman aus den letzten Jahren passiert ist mir vielleicht ein bisschen dünn.

00:21:53: also wie hast du das erlebt?

00:21:56: Ich würde insofern widersprechen, als dass ich nicht glaube, dass dieser Roman nur ein oder halt vor allem eine sogenannte Generation Portrait sein will.

00:22:05: Oder ja auch.

00:22:08: aber so wie die Generation da gezeichnet wird ist dann so geht ja wirklich und so.

00:22:14: ich finde das der Roman sehr gut macht.

00:22:18: Also diese Grenzen von Klasse dadurch.

00:22:23: Färbt eigentlich super viele Interaktionen.

00:22:26: Das färbt auch später die Interaktion mit diesen verlassenen Rich Girl Lilian.

00:22:32: und ich würde auch nicht sagen, dass dieser Roman und das Recht nicht eben wirklich hoch an einfach nur einen Generationen-Konflikt beschreibt weil ja das Elsenhaus ein Mehrgenerationen Haus ist mit einem coolen Klassenverräter Opa also lieben wir oder halt irgendwie praktischen Diskussionen und Kämpfe auch durchaus ausgetragen.

00:22:58: Also die Kleinen, die Demo-Babys haben durchaus irgendwie Bock auf Apokalypse.

00:23:02: aber wir haben da halt auch so ein bisschen Geschichte oder halt angedeutete Geschichte von entsprechenden so linken progressiven und klimabezogenen Kämpfen drin.

00:23:13: insofern also ich glaube nicht dass dieser Roman das Orgel sich anschickt eine Generation zu beschreiben, sondern dass Orga sich anschickt so vielleicht zu einigen Leuten von dieser Generation zu sprechen.

00:23:27: Es ist ja vor allem eine Milieu-Studie und ich kann mir sehr gut vorstellen... Da frage ich halt ein bisschen mal meine Freunde, sie haben auch so ihre Demo-Babies, sodass sich bestimmte Leute aus dieser so Alterskonnexion Gensi die irgendwie gerade erst jugendlich waren vielleicht dass die sich vielleicht auch wirklich gut wiederfinden in dem Zeichensystem, in dieser verkrampften Inauthentizität.

00:23:54: In diesen Suchen danach und auch in dieser ja eigentlich ich sag jetzt mal prä-apokalyptischen Welt diese ganzen leeren Pandemieräume aber auch ganz viele andere leere Räume irgendwie so bedrückend leere.

00:24:11: Es gab für mich sehr schöne, tatsächlich auch irgendwie sehr einnehmend, atmosphärisch beschriebene Leerstellen in dieser Welt.

00:24:19: Als sie gegen Anfang durch dieses Elstenhaus zusammenlaufen Olympia und Caro und dort reinigen später als wir bei der neuen Bekannten slash Freundin von Caro nämlich Lilien, der Tochter einer reichen Energieindustrie Lobbyistin vorbeischauen, da ist auch eine andere Form von Lehre später als Demonstrationen aufgelöst werden.

00:24:43: Also ich finde dieser Romanis sehr gut darin und das ist vielleicht so einer seiner größten Stärken dieses Gefühl von Pre- und Postapokalyptik irgendwie zu übertragen ein Gefühl von allgemeinem Verfall!

00:24:56: Und da hast du dann eben auch recht.

00:24:57: oder würde ich dir auch zustimmen?

00:24:59: Ich glaube dass schafft einen Vortex eine Stimmung die Generationen übergreifend erfasst und die wichtigere Grenze ist wie du sagst dich hier sehr betont Und manchmal vielleicht doch plakativ betonte Klassenlogik.

00:25:11: All diese leeren Willen, ich musste sehr denken an sagen wir dem was von vielen als ein wichtiger künstlerischer Beitrag zu so zeitgenössischen Klassenfragen betrachtet wurde.

00:25:21: An Parasite von Bong Joon-Ho der ja irgendwie auch den Oscar gewonnen hat und er ja auch im Mittelpunkt diese große Villa eigentlich hat mit ihren fasidenden Etagen bedeutet Architektur sehr viel.

00:25:34: oder die Beschreibung von Räumen dieses Gefühl bei Elsen ist da ein Glaskubus auf dem Dach, das hat große Symbolkraft.

00:25:42: Wir haben dann später so Rettungs-Schächte in die mit Wasser gefühlt sind, die man auch im Notfall in Trinkwasser umwandeln kann.

00:25:49: also wir sehen auch diese Panic Room und Bunker Welt so ein bisschen angedeutet.

00:25:54: es ist über weite Strecken auch einen Roman über Architek-Tour oder die Architektor von Macht Klassen-Selbstschutz von die Architektur von Reichtum.

00:26:05: Das ist schon interessant, da hätte ich mir fast noch mehr von gewünscht!

00:26:08: Ja was ich da auch vor allem so... also ich sage das jetzt mal so karowalmäßig ganz pläkativ, es ist mir direkt ins Herz gegangen da Kora zu folgen durch diese Räume sowohl durch dieses Elsenhaus bevor erst zum Selbstversorgerhaus umgewandelt wird wenn sie damit Olympia putzt und dann aber auch später in der Villa von Lilian.

00:26:33: Es ist so ganz, ganz stark dieses Prinzessin auf der Erbse-Gefühl.

00:26:37: Die haben das Gefühl, unrechtmäßig irgendwo zu sein.

00:26:42: Und ja, Kora ist vielleicht in irgendeiner Weise unrechtmäßig da, weil sie so das Performance hochstapeln, dass sich reinwieseln sind ... Charakterzüge von ihr sind sogar Aktionen, die sie macht.

00:26:59: Aber dass sich inadequate fühlen in diesen Räumen aber gleichzeitig auch von ihnen verführt werden gerade von ihrer Weite und Lehre.

00:27:08: einfach so dieser Raum den sich eine Wille nimmt mit ihren riesigen Fenstern und dem Böden und dem Blick auf die Natur das allein ist ein Statement.

00:27:18: Und wir merken wie Cora davon verführt wird.

00:27:21: Und aber auch...

00:27:25: ihre Verführungskraft spüren kann.

00:27:27: Und das tun wir durch die Figur, wir begreifen wie toll das ist nicht nur One Room of Ones Own zu haben sondern gleich diese ganze Umgebung die man selbst mit der eigenen Identität, mit dem was man sein möchte füllen zu können oder es mit Leuten zu füllten mit denen eine Verbindung aufbaut.

00:27:42: also das finde ich ganz wichtig wie Platz und Raum eben für die eigene Entfaltung so erzählt wird

00:27:50: Ja und vor allem sind das ja auch vollkommen verschiedene Platznutzungen.

00:27:54: Wir haben hier so diese Lehre von der Brechtwiller, die auf Nikora so attraktiv wird aber dem in denen auch so diese... Das erlauben wir uns jetzt einfach mal dekadente Corona-Party gefeiert wird ins Geheim von der Tochter Und wir haben da hingegen das Elsenhaus.

00:28:13: oder was heißt vielleicht dass ja eindeutig eine utopische Vision beschreibt wie ein Raum genutzt werden kann Mehrgenerationenhaus als Zufluchtsort, überdauern nach der Apokalypse.

00:28:27: Das ist ja eine utopische Vision wie Reichtum oder Dekadenz oder so das Anhäufen von Kapital und Macht auch umgewandelt werden kann.

00:28:38: Ich muss aber sagen für mich hat der Roman über seine Laufzeit hinweg, über die Magie so ein bisschen verloren.

00:28:51: Also ich finde gerade am Anfang, wenn man noch nicht so richtig weiß wo das hin will sind diese Raumerfahrungen irgendwie noch offener und magischer haben wirklich sowas seltsam Funkelndes und später fühlt sich der Roman dann immer ordinärer und weniger überraschend an.

00:29:08: und natürlich geht es darum wie sich Leben manifestiert und zustellt und wie der Horizont betoniert wird und wieder nachher eben unsere Protagonistin in diesem doch eher grauen irgendwie identitätsentlehrenden Raum des Supermarktes halt irgendwie ankommt.

00:29:25: Ich habe da tatsächlich an Sayaka Murata und die Ladenhüterin gedacht, in der ja auch der Konbini also der japanische Supermarkt irgendwie in seiner Normierung, in seiner Reinschaltung Ort ist der eine eigene Handlungsweise diktiert und das ist diese Fleischstärke hier auch.

00:29:42: Da wird einem eine Choreografie, da wird einen Rhythmus... Also ich habe ja selbst den Großküchen gearbeitet und kenne davon tatsächlich irgendwie sehr gut dass man plötzlich so dem Rhythmuss eines Fließbands oder dem Rhythmus einer Arbeitskette halt irgendwie folgt.

00:29:56: Und Ich weiß aber nicht irgendwie fehlte mir da was und ich hab zwischendurch gedacht Der Roman müsste entweder noch dichter sein Also müsste sich noch stärker auf so schlaglich dein Depression konzentrieren oder mir noch mehr Raum öffnen, noch mehr Zeit mit greifbaren Figuren.

00:30:12: Ich hatte hier manchmal das Gefühl, so auf irgendeiner seltsamen Kompromissdimension zu landen.

00:30:18: Hast du das Gefühl auch gehabt?

00:30:19: Also ich kann es nicht irgendwie so... Das ist kein besonders starke Kritik, dass es nur so ein Effekt irgendwie gewesen.

00:30:25: Ging dir das auch so?

00:30:28: Also, ich habe auf jeden Fall So Anknüpfung und Anschlusspunkte in der späteren Hälfte des Romances für mich gefunden oder in der späteren Entwicklung von Cora.

00:30:37: Und da wollte ich dich gerade auch fragen, was hältst du denn von der Figur de Lillean?

00:30:43: Weil für mich war das tatsächlich sehr gegenwärtiger und interessant beschriebener

00:30:47: Sozialtypus.".

00:30:49: Ja genau, Lilien ist die Tochter von Eleanor Brech der schon angesprochenen angedeuteten Fossil-Brennstofflobbyistin und sie ist auch eine werdende Künstlerin in irgendeiner Form, eine sehr ambitionierte Fotografin.

00:31:06: Die sich jetzt schon in den Galerien der Welt sieht und die auch die ganzen Kontakte hat, ihre Mappe und alles was sie da tut auch perfekt betreut kommt, ihr an Fotostudios seid.

00:31:15: Das heißt, sie hat all die Möglichkeiten.

00:31:17: aber wie wir das aus so verschiedenen Kontexten erzählen?

00:31:21: Sie hat eigentlich nichts von dem sie erzielen kann, sie Ein Leben ohne Fallhöhe möchte man vielleicht sagen.

00:31:29: Und ihre Kunst ist antenenziell?

00:31:30: Ja, irgendwie so... Die andere hat so ein interessantes Leben gehabt bis sie mit neununddreißig von den Nazis ermordet wurde und ich habe nicht mal Datenvolumen.

00:31:38: Ich musste tatsächlich auch so ein bisschen an diese Caroline Wahlerzählung aus der letzten Ausgabe denken wo Ihre Künstlerin auch so mit ähnlichen Fragen hadert.

00:31:47: Und ich glaube was ich interessant fand war einerseits den Vergleich zu der Beziehung zur Olympia, weil wir haben ja noch stärker das Gefühl.

00:31:55: Lilien ist jetzt tatsächlich die, die auch auf irgendeiner amorosen, erotischen jugendlichen Ebene da ihrer Gegenüber nachjagt.

00:32:04: Sie hat noch stärkere Kontrolle über sie.

00:32:07: Gleichzeitig ist sie aber auch interessanterweise mit ihr verwandt denn was sie ja auch prägt – was wir in Ihrer Kunst sehen – ist so eine Distanz zu den Dingen und während Olympia, eine Distanz des nicht dazugehörens ist es dann eben bei Lilian.

00:32:22: Eine Distanz das Reichtum des abgeschirmt seins.

00:32:24: Das Nicht Verstehen.

00:32:25: Es ist nicht so

00:32:26: als

00:32:28: wäre sie zu nah an den Dingen und muss sich irgendwie selber davon abgrenzen Muss ich selbst körperlich verpanzern sondern Siehst soweit weg von allem blickt eigentlich nur durch die massiven Willen Fenster irgendwie auf der Welt.

00:32:40: Und deshalb ist irgendwie ihre Kunst immer so naiv.

00:32:43: und Ich fand sie dann Ich fand gut, dass sie nie gänzlich ausverkauft wird.

00:32:50: Dass sie nicht irgendwie zu schurkenhaft, zu sehr mean rich girl wird.

00:32:55: Sondern dass wir mit dieser Naivität schon auch irgendeine Form von Mitleid haben.

00:33:01: Aber ich dachte auch, sie ist natürlich dann doch eine limitierte Figur und eine die uns jetzt nicht mehr überrascht... Klischee nicht aus der Form, die ihr vorgegeben wird so ausbrechen kann.

00:33:14: Also sie ist eine Figur, die man hätte noch interessanter gestalten können.

00:33:18: aber ich verstehe natürlich ihre Funktion.

00:33:23: Ja also das ist wahrscheinlich ne Geschmacksfrage.

00:33:27: Ich konnte mit ihr einfach mehr anfangen weil es mir... Es hat mir mehr an sie handgegeben, mit dem ich was anfangen kann.

00:33:35: Also die bestimmten Sache-Systeme, die die Figur von Lilian bedient weil sie sich hier halt auch wieder sehr so in irgendwie so von heute auf morgen in dieses sechziger Jahre Neobohem reingemaginiert.

00:33:48: Die ist etro schick.

00:33:50: All diese sehr

00:33:50: uberflächlichen Kunstreferenzen, die bekanntesten Zitate, die man finden kann und

00:33:56: so... Ich war überrascht dass Tamla nicht erwähnt wird!

00:34:00: Aber ich glaube davon ist es geht ja schon auch wieder.

00:34:02: schon sagst du man möchte eigentlich in new york sein.

00:34:05: Man möchte eigentlich den sechzigern sein, man möchte das endi warhol um die ecke kommt und man möchte halt irgendwie einer von den factories da sitzen und die leute alle treffen und keine ahnung.

00:34:14: schandal ackermann fotografiert irgendwie was noch oder film mit oder so.

00:34:18: in jedem fall will sich ja davon abheben und wir sehen natürlich auch Ihre Version von dem, was dann vorher Cora gelebt hat.

00:34:27: Während Cora halt irgendwie die äußerlichen externen Indikatoren von diesem Reichtum begreift sehen wir da halt eben geistiges Kapital.

00:34:37: Wir sehen sowieso wenn wir so Bodhyö-mäßig dadurch gehen die verschiedenen Formen von Kapital sehr gut von den Kontakten über das, was man sich körperlicher arbeitet und so... Das ist schon, wenn man das so zoologisch lesen möchte nicht komplex aber irgendwie so gut durchdekliniert auf jeden Fall.

00:34:52: Aber ja, ich fand auf jeden Fall das vielleicht das Interessanteste so die Welt um sie umgibt.

00:34:57: Die Verletzlichkeit, die Sie manchmal präsentiert, diese Naivität mit der wir irgendwie mitfühlen können und das Gefühl auch sie hat so ihre eigene... Idealwelt, an der sie sich angreift.

00:35:07: Auch Sie hat Ihre performative Dimension halt einfach.

00:35:10: Ja und mir fällt auch gerade auf eigentlich wie wichtig diese Figur als Foyle, als Kontrastfigur zu Cora und Olympia ist weil ja Cora sich in der Interaktion, in ihrer Rolle oder in der Beziehung zu Lilian alles etwas Vollkommen anderes begreifen muss als das was sie in ihrer Funktion mit Olympia und im Elsenhaus ist nämlich dass Cora auf einmal die Kuhle ist und dass sie nie in ihrem Leben gewesen so.

00:35:39: Das fand ich, glaube ich, so interessant an der Konstellation das einerseits Cora so vielleicht auf die Oberfläche macht hat oder macht zumindest ausstrahlt als jemand körperlich überlegenes weil sie halt so sie hat sehr viel trainiert was ja auch sehr erotisiert wird von Lilian als jemand souveräneres, als jemanden weltgewandtes.

00:36:02: So weiß Cora wird sie von Lilian wahrgenommen.

00:36:05: das nutzt ja auch aus.

00:36:07: und gleichzeitig – und auch das ist Cora ja bewusst und auch dass es uns als Lehrerin und Leser bewusst so klein Lilian sich macht oder so verletzlich und naiv Lilian auch isst, die Macht liegt ja bei ihr!

00:36:20: Sie kann Cora nach Hause fahren und sie kann diese Beziehung abbrechen.

00:36:27: verschließen so und es ist jetzt nicht wahnsinnig überraschend, dass Lilian das irgendwann mal auch tut.

00:36:37: Ich denke auch, dass Lilian irgendwie sowieso nicht bewusst Korra außen ist oder nicht, dass das vom Buch so dargestellt wird.

00:36:43: Aber letztendlich, dass unter diesen Vorzeichen von Klasse so Lilians begehren und was sie lieben dann verlieren, er verliebt halt so von vornherein auf einen durchaus fauligen Grund ist oder aus einem fauligem Stamm herauswächst, dem den Olympia ganz am Anfang des Buches

00:37:05: beschreibt.".

00:37:07: Ja, das auf jeden Fall.

00:37:08: Also es bleibt auch unsicher wie weit der Verrat geht!

00:37:12: Wie sehr sie eben nur für Sie eine Funktion erfüllt und wie sehr vielleicht auch irgendeine Form von Nähe da ist oder wie sehr sie sich auch einfach gefällt darin diese Rolle jetzt ausfüllen zu können?

00:37:22: Und das ist natürlich interessant dass hier so die Konstellation von Macht oben unten Klassenfrage ja auch ein bisschen komplexer.

00:37:31: dann geschildert wird, dass wir eben so Prozesse sehen Unterwerfung und Abhängigkeit, also sie liegt davor ihr.

00:37:38: Sie hat Ketamin und irgendwie eine Valium genommen und sie betreut sie dabei.

00:37:42: Sie könnte jetzt jederzeit schaden aber sie ist irgendwie gefällt sich in dieser Position als Begleiterin.

00:37:48: Aber gleichzeitig wie du sagst Könnte sie auch jederzeit einfach sagen Du musst jetzt aus der Wille raus und dann wäre auch vorbei.

00:37:53: Also es wird irgendwie ganz schön geschildert dass das, was als simple Klassenfragen in der Theorie steht.

00:38:00: In der Wirklichkeit natürlich immer viel komplizierter ist aber bestimmte Grundtendenzen und bestimmte Grunzkonstellationen sich dann doch immer wieder abzeichnen.

00:38:09: wir werden ja später noch eine ähnlich angelegte Figur treffen.

00:38:12: ich glaube Taubert heißt sie Eine junge Fleischerei Fachverkäuferin die auch auf irgendeiner Weise unsere Protagonistin Caro bewundert denn Sie weiß von ihrer Zugehörigkeit früher zu dieser Umweltaktivisten-Gruppe.

00:38:29: Olympia ist zu dieser Zeit zu einer Art nationalen Prominenz aufgestiegen und wir sehen da jemand, der sich auch so durchs Internet eine bestimmte Position angeeignet hat und jetzt ähnlich verliebt, ähnlich angetan irgendwie sie umkreist weil sie Gefahr ausströmt.

00:38:46: und Wir sehen diese Konstellation immer wieder.

00:38:48: also wir sehen in diesem Roman bewunderte und Bewunderer irgendwie.

00:38:54: Was machst du damit, dass sich diese Konstellation immer wieder so als Echo durch das Ganze ziehen?

00:38:59: Man könnte ja auch überlegen wie bewundert blickt jetzt jemand auf jemanden wie Eleanor oder Elsen.

00:39:06: Wie bewundern werden diese Milliardäre oder Millionäre da irgendwie geschildert?

00:39:10: was sind Vorbilder?

00:39:11: also was sehen wir in dieser Wiederholung dieses Phänomens?

00:39:16: Ich glaube, also ich glaube das ist auch eine sehr gute Frage, wenn das Buch irgendwie sage ich mal in den Lesen.

00:39:23: Die Schullektüre wird er da sein?

00:39:25: Oder halt wirklich, das werden wirklich gute No-Shade-Schullektüren.

00:39:28: Es gibt schlechte Schullexüren und ich bin Lehrerin, ich glaube es werden gute Schullextüre.

00:39:33: Also ich glaube dass das so eine Frage, die halt auch den Roman umtreibt und wie ich sie für mich beantworten würde jetzt, wenn ich an die ganzen Beziehungskonstellationen Zurückdenke ist das letztendlich und dass es mal subzieler gearbeitet oder mal offener gearbeitet.

00:39:55: und mal weniger, dass letztendlich die Bewunderung etwas durchaus schädliches und dehumanisierendes in diesen Konstellationen hat oder halt zu Schaden führen kann.

00:40:05: Also das ist ja ganz klar so bei der Beziehung zwischen Liliann und Cora.

00:40:11: Das könnte auch durchaus irgendwie hintergründig mitschwingen bei der Olympia Und Cora geschämliche Geschichte weil ich zumindest das Gefühl hatte, dass Cora Olympia immer wieder in ihrer Bewunderungsfekt kennt, so auch ihr net was bestimmtes Überschimpfel stülpen will und das ist besonders schön in seiner schädlichen Dimension zum net zu sehen in Koras Eifersucht.

00:40:37: Also halt irgendwie in der Naturgemäß einer angstgenährten Eif-Versucht wenn sie ihn nicht bewundert wird, wenn sie nicht die gleiche Bewunderung erfährt oder wenn irgendeiner irgendein so linker Makka TM Bewunderung erfährt.

00:40:54: Den gibt's dann nämlich auch so, es gibt Männer da eines zu essen?

00:40:59: Werden

00:40:59: die Mainz-Domarche nachher die Figur im letzten Drittel wichtiger wird...

00:41:04: Ja, ja genau.

00:41:04: Also ich glaube das... Ich habe einerseits gesagt dass diese fundamentale Inauthentizität oder die Fakeness, die man irgendwie bei sich selbst vermutet oder halt ein bisschen Teil von Adolescence ist, ich glaube nicht, dass der Roman das verurteilt.

00:41:22: Ich glaube wenn der Roman etwas verurteilten dann halt diese Mechanismen von Bewunderung.

00:41:31: Es ist nicht komplett mit einem Holzhammer, es ist nicht in jeder Konstellation so.

00:41:35: Aber wenn Bewunderung da ist, dann löst sie oft Verkennung und Schaden aus.

00:41:40: Und ich glaube ... So... Es ist tatsächlich interessanterweise gerade bei Taubart, gerade bei dieser Flascherei Mitarbeiterin weniger Suche?

00:41:50: Ja!

00:41:51: Ich finde was man an diesen Konstellations irgendwie immer erlebt, dass auch irgendeine Form von sanfter Gewalt, was es so wie bei Adorno so das Streicheln die Möglichkeit auch zu züchtigen ist.

00:42:04: Also wenn da Caro halt irgendwie gerade über Lilien sitzt und sie begleitet dann wissen wir sie kann jetzt jederzeit etwas tun.

00:42:12: und ohnehin würde ich mit ihr vielleicht kurz noch über Gewalt in diesem Roman sprechen wollen weil Wir haben hier eine Figur, die irgendwie wie schon gesagt immer so passiv ist.

00:42:23: Aber die auch ab und zu diese Zorn-Momente hat.

00:42:26: es gibt immer kleine Gewaltspitzen Es gibt Momente der Eskalationen Es gibt ein Grundgefühl für in der Luft liegende Gewalt.

00:42:33: wir haben schon über Die Feulnis über die toten Tiere.

00:42:36: Einmal wird ein Kaninchen irgendwie erlöst einmal wird eine Schlange zertrampelt Überall liegt irgendwie der Tod in der luft Und manchmal verprügelt man dann auch andere.

00:42:46: Direct Action heißt manchmal einfach mal wendet Gewalt an.

00:42:49: Die strukturelle Gewalt, die strömt so von außen.

00:42:53: also da liegen dann auf einmal verwundete irgendwo im Elzenhauskeller und man kann ja ahnen in der Ferne sind irgendwie Polizisten die da keine Ahnung...die Grünheide oder sowas in Brandenburg oder so gerade geräumt haben.

00:43:06: Irgendwer wird niedergeprügelt.

00:43:09: Wie erlebst du das Thema Gewalt in diesem Roman?

00:43:12: Weil das scheint mir irgendwie wichtig zu sein.

00:43:14: Die ganzen toten Tiere und der Fleischerei sind durch Gewalt getötet worden, was ist hier passiert in dieser Welt?

00:43:19: Was erzählt uns das alles?

00:43:21: Also im Grunde genau das, was du sagst... Nexus oder diese Gegensätzliche Ersatzpaar von individueller, punktueller Gewalt und struktureller Gewalt.

00:43:35: Die individuelle Gewalt, die von Korra ausgeht, die sie vielleicht vor sich selbst auch dort durchrechtfertigt oder ihre gefühlte Wahrheit erwächst aus Hilflosigkeit, aus Angst, aus einem in die Ecke gedrängt sein, aus Demütigung... oder halt irgendwie so komplett sich in einer Gefahr wehnen.

00:43:57: und ob sie es jetzt ist, oder nicht.

00:43:59: Und die großen Momente eigentlich wo Kora als Person nachpolizisiert wird oder dem auch entgegenstehen um eine politische Dimension zu geben ist genau das was du sagst die strukturelle Gewalt.

00:44:12: also einerseits haben wir halt so ne Szene von sehr eindrücklich und erschütternd beschriebener Polizeigewalt.

00:44:21: Und dem gegenüber fällt ja der Kontrast auf von der Reichweite, der individuellen Gewalt.

00:44:29: also die meisten Aktionen die individuelle Gewalt betreffen sind nicht alle aber die meisten sind ja wirklich auch schief gegangen Also, oder sind von sehr viel Reue begleitet.

00:44:43: Oder waren halt irgendwie komisch und planlos und nicht so wie geplant gelaufen während die strukturelle Gewalt einem als etwas wirklich auch bedrückend... einem besiegend stabil erscheint einerseits.

00:45:02: Man selbst kann

00:45:03: einen Menschen in die Fresse hauen und die Polizei schafft irgendwie zweihundert hintereinander, das ist ja auch ein bisschen frustrierend!

00:45:09: Ja, und wie die Polizei dann mit den Leuten oder dem Kongress, der sich jetzt darüber riecht.

00:45:15: Das ist halt eine vollkommen Selbstverständlichkeit.

00:45:19: In diesem Fall auch gewaltfreier Protest.

00:45:21: Einfach nur so ein bisschen nervig verabbeutelt und so... Wie er da geräumt wird.

00:45:27: Genauso wie diese Szene, wie Kora nicht das einzige mittelständische Fähnchen im Wind in diesen Romanen.

00:45:34: Es gibt genau so Nebenfiguren, von einer auf die Straße geklebt und irgendwie den Skype rausreißen, nur damit sie schneller zu arbeiten können.

00:45:48: Auch das haben wir da, also diese sich auf die Seite der Institutionellen der strukturellen Gewaltstellen.

00:45:55: Und ich finde es auch in dem Sinne sehr interessant und sehr wichtig dass du die Fleischstärke dann nochmal reingebracht hast weil natürlich man an der Fleischstücke sehr wenig Gewalt sieht!

00:46:05: Man

00:46:06: kriegt ein Bärchenwurst

00:46:07: Ja, man sieht keinen Körper.

00:46:09: Man sieht Wurst und also so allein... Das ließ bei mir halt genauso wie Porm Roman sicherlich intensiert ja die Alarmglocken schrillen als ich Korra, die ich halt irgendwann oder halt schon vom Buch rücken her als Klimaaktivistin verstand dass sich sie ausgerechnet eine Fleischstücke sah und dann auch noch ausgerechnet in einer So shell-shocked, ausgehüllten Art und Weise.

00:46:36: Sie haben gesagt wie sehr sie sich da angepasst und integriert hat.

00:46:40: Da fragt man sich doch auch was ist mit Cora passiert?

00:46:43: Und dann wenn man das einfach ein bisschen weiter überträgt auf ein bisschen größeres Überträgte... Was ist mit uns...?

00:46:50: der Generation dieser Kohorte passiert, dass sie irgendwie krass gegen die Wand geworfen wurde oder so krass gescheitert ist.

00:47:00: Dass Sie sich in dieser prä-apokalyptischen Stimmung in diesen Defidismus zurückgezogen hat ja ich arbeite an der Fleischstike und der Radius meiner Welt ist ein Punkt nämlich die Fleischstikke.

00:47:12: Ja während vorher Geschichte gestaltbar bin, war kann ich jetzt nur noch Pfefferbeißer irgendwie oder Mini Salamis in die richtige Auslage packen.

00:47:22: Ich weiß jede Nummer auswendig!

00:47:25: Irgendeine Form von Kontrolle.

00:47:26: und vielleicht auch da wieder, wir sprachen viele Bezeichensysteme über das Aneignen von Welten und wir sehen hier ja auch eine neue sinnstiftende Logik weil sie haben so ne Art persönliche privaten Numerologie entwickelt.

00:47:38: Also sie freuen sich,

00:47:39: wenn Sie genau zweihundertzwanzig

00:47:42: Gramm von der Fleischwurst abwiegen können oder genau siebenhundertsiebenundsiebzig Gramm Leberwurst oder sowas.

00:47:49: und man merkt auch so was leicht esoterisches vielleicht ja eine Gegenwelt gibt's vielleicht so ne Art die Art wie man dem unbelebten, dem irgendwie statisch gewordenen in irgendeine Form von Lebendigkeit und Sinn verleiht.

00:48:05: Also ich glaube das hat sehr viel mit der Sinnsuche vorher zu tun was wir da so stark in dieser Numerologie erleben.

00:48:11: Ja, und halt auch einfach Cope.

00:48:13: Also das lehste ich halt auch wirklich irgendwie so... Gut, ich habe keine Freunde die das machen aber das lese ich halt auf Instagram oder sonst wie auf Social Media von genau der Altersgehorte, von genauer politischen Schlagrichtung mit irgendwie genau den Sorgen und genau der Panik was sie Zukunft betrifft dass sie mehr oder weniger, naja was heißt abrutschen, aber es heilt sich mehr oder wenigerspielerisch manchmal weniger spielerisch mit Esoteriken, mit Astrologie, mit Numerologie beschäftigen immer so auf so halbironisch, aber die sagen dann auch ja das ist Cope.

00:48:46: Das ist irgendwie so bring a little whimsy into your life weil es ja so schon beschissen genug.

00:48:52: So gut beobachtet ohne wahnsinnig viel daraus zu machen, aber jetzt auch gut dass nicht Wahnsinnigviel draus gemacht wurde, weil da wäre es so offensichtlich

00:49:01: Dieser neue Wimsy Meme trennt es auch ganz furchtbar oder?

00:49:04: Das heißt doch in den meisten Fällen nur Scheiß Plastikkacke auf Sachen draufkleben, damit's ein bisschen bunter aussieht.

00:49:11: Das ist einfach so der Tant und der Kitsch.

00:49:14: frühe Generationen in neuer Form aber... Ich möchte vielleicht... Wir haben nicht so viel explizit darüber gesprochen, sondern hier und da angedeutet die Sprache.

00:49:22: Die steht hier nicht besonders weit im Vordergrund.

00:49:25: Sie scheint mir tendenziell Zweckdienung zu sein.

00:49:27: Sie ist manchmal halt so popliteralisch an Marken interessiert.

00:49:31: Sie is manchmal an Räumen einer Architektur interessiert.

00:49:34: Da finde ich es sie ganz gut in Anordnen und Sammeln von Details.

00:49:37: Sie's ganz gut im Zeichnen von Landschaftspanoramen oder von so Innenraum-Panoram, von Stillleben vielleicht.

00:49:46: Aber insgesamt ist mir doch bemerkenswert wenig hängen geblieben.

00:49:49: Was einerseits gut ist, dass es kein Roman, der sich in Stilblüten ergießt, all die Metaphern, die wir aufgetisch bekommen und all die Bilder, die so sehen... Die Sinn finde ich jetzt sprachlich nie super krumm-und schief irgendwie.

00:50:02: aber dafür das irgendwie auf der Figuren eben und hier und da auch sowas Raues, sowas ein bisschen Punkiges erzählt wird fand ich's dann doch ein bisschen glatt oder?

00:50:13: Ja, das ist auch eine Sache die mich tendenziell ein bisschen gestört haben oder wo ich mich zumindest gefragt habe inwiefern es mich stören soll oder nicht und wo ich ja auch am Anfang gesagt habe dass sich das Gefühl hatte Eine ähnliche Geschichte erzählt wie Sommer das schlafen und Hunde aber mit einer glatteren sprachlichen Oberfläche.

00:50:33: Und ich habe oft daran auch gedacht, so wie die Szenen arrangiert sind, auch irgendwie in ihren starken Bildern diese teilweise finden.

00:50:42: Aber mit dieser Art und Weise wie sich die Sprache einen überhaupt nicht den Weg stellt, es klingt schon alles sehr gut verfilmbar.

00:50:52: Ich wisse Franziska Gänzler-Gönn, wenn das verfilmt wird.

00:50:54: Ich glaube es ist ein guter Stoff aber gleichzeitig so... Man kann sich halt auch die Frage stellen irgendwie muss erfolgreiche Literatur so sein oder halt?

00:51:08: ich weiß nicht wie erfolgreich das momentan ist Aber muss erfolgrige Literature so sein dass sie möglichst wenig dem Medium eigenes mehr hat?

00:51:19: Ja, also ich habe diesen Roman mit mehr Vergnügen gelesen als viele von den Sachen die wir in den letzten Wochen und Monaten besprochen haben.

00:51:26: Das ist ein großen und ganzen finde ich einen sehr gut lesbarer Roman der irgendwie keine besonders großen Ausschläge nach oben oder unten hat.

00:51:33: Also ich fand ihn grundsolide!

00:51:35: Ich hab den irgendwie gerne gelesen aber ich wünsche mir schon auch noch mehr.

00:51:41: Also gerade auch bei Sachen, die von großen Preisinstitutionen in Erwägung gezogen sind.

00:51:48: Mehr Ambitionen mehr Herausforderungen und man könnte jetzt sagen ja vielleicht sind gerade diese großen Mainstreampreise nicht dafür aber ich weiß nicht.

00:51:56: also ein bisschen was hat mir auf jeden Fall noch gefehlt?

00:52:00: Was nicht heißt Ich finde grundsätzlich sympathisch Aber besonders bemerkenswert finde ich nicht.

00:52:08: Ja, ja.

00:52:09: Also es sieht ein bisschen ähnlich bei mir aus aber ich habe mehr auf der haben Seite.

00:52:13: Ich glaube dass der Roman sehr gut darin ist eben diese Fragen von... Der ist halt wirklich weit mehr als nur eine Media-Studie über die Klimaaktivisten oder weit mehr wie nur ein Klimaroman sondern ich finde das sehr gut wer Klasse integriert und ich find so dass es durchaus auch eine Kunst ist.

00:52:34: irgendwie für mich ist auch widerstandslos Modus durchzuziehen, sodass dieser realistischen Modus auch wirklich für einen realistisch klingt.

00:52:42: Ich glaube das ist an vielen Stellen gut beobachtet und sehr gut konstruiert auf der Handlungsebene und ich finde es durchaus schade dass die Sprache dafür möglicherweise so nicht unbedingt leiden.

00:52:55: Das sind wie du sagst keine Stilblüten aber irgendwie glatt und unauffällig werden musste.

00:53:01: Aber ich glaube nicht Wahnsinnig viel auf der Negativseite ist, weil ich glaube der Roman sehr viel.

00:53:11: Also schon für mich auch viel macht das gelingt war sehr gut lesbar.

00:53:15: Ich glaube Kompliment wirklich als komplement gemeint Das könnte eine sehr gute schulexüre sein so halt wirklich irgendwie ab zehnte klasse oder so und also Keine Ahnung, wohin der Trend geht und was jetzt der deutschen Buchpreis angeht.

00:53:33: Aber ich würde Franziska Gensler den kommerziellen Erfolg auf jeden Fall gönnen!

00:53:39: Ja doch, ich auch.

00:53:40: Und ja alle Kulturpolitiker und Kulturpolitikerinnen die uns gerade zuhören setzt das doch mal irgendwo auf Leerpläne.

00:53:47: Das kann nicht schaden.

00:53:48: Wisst ihr da sind Themen drin und ein paar Metaphern?

00:53:50: Da kann man den Schülern irgendwie was machen.

00:53:52: Vielleicht mögen sie das ja sogar!

00:53:55: Ich habe in meiner Schulzeit nicht so furchtbar viel gemocht was mir Lehrer vorgesetzt haben.

00:53:59: Ich hatte da wahrscheinlich eine Grundaversion aber wer weiß vielleicht erreicht es ja jemanden.

00:54:02: Es gibt sicher schlimmer Einstieg in die Welt der Literatur.

00:54:05: Ja, ich will das auch wirklich nicht so lapida sagen.

00:54:09: Ich sage es halt aus meiner Sicht und Erfahrung als Lehrerin, wie ich auch mit älteren Klassen neuntezehnte interagiert habe.

00:54:17: Und ich glaube, dass ist durchaus ein Roman von dem sich sensibler Jugendliche, sag' ich jetzt mal vielleicht nicht alle... Aber ich nenn sie jetzt meine sensiblere Jugendliche durchaus verstanden fühlen können.

00:54:32: Und in der Schule ist sicherlich nicht immer der ideale Rahmen, um Literatur aufzuarbeiten und man muss mit Literatur gerade als jugendliche Person auch viel alleine sein.

00:54:43: aber es ist vielleicht eine Literatur die ich halt wirklich auch ... Nicht mal nur Schuldektüren, also ich würde das gerade auch Jugendlichen in dem Alter, indem sie Protagonistinnen da sind, wirklich empfehlen weil ich glaube so... Ich habe viele auch durchaus Jugendliche oder in der Altersgehorte in meinem Leben kennengelernt, den Suchenbuch was bringen würde und denen es gefallen würde von denen sie sich verstanden fühlen werden.

00:55:09: So positiv ausgedrückt!

00:55:11: Das ist etwas Wertvolles

00:55:14: Das auf jeden Fall.

00:55:15: Und wer weiß, ob das Buch, das wir in der nächsten Woche besprechen werden vielleicht auch irgendwie für Jugendliche interessant ist?

00:55:21: Wir sprechen als nächstes nämlich nicht die ursprünglich angekündigt über hankanks goldenen Faden.

00:55:26: Das klang dann doch zu sehr nach Nobelpreis-Reste-Rampe hier sind noch ein paar kleine Texte zusammengeschnitten und veröffentlicht sondern dann lesen wir lieber Lukas Riedschilds Sanditz seine mythologische Aufarbeitung in Teilen von dem was in der Pandemie passiert und von dem, was vielleicht politisch auch tagesaktuell in Ostdeutschland passiert.

00:55:49: Das klingt jetzt so ein bisschen nach einer Perspektive von außen.

00:55:53: Wer kommt von dort?

00:55:54: Wer weiß wie wir das umgesetzt finden...

00:55:56: Mit davor sind die Welt schlagen.

00:55:57: damit ist er ja durchgestartet damals.

00:55:59: Genau!

00:56:00: Großes Debüt und das ist jetzt sein neuester Roman, Sanditz von Lukas Riegel.

00:56:07: Und bis dahin vielen Dank fürs Zuhören.

00:56:09: und tschüß bis zum nächsten Mal!

00:56:11: Und bitte Verabschiedung in entsprechend gelernter Black Metal Stimme?

00:56:15: Das Metal Stimme, das war es anderes.

00:56:17: Nein, du hast

00:56:19: die Werte!

00:56:19: Ich weiß

00:56:19: es nicht!

00:56:19: Tschüss Leute!

00:56:23: Es klingt

00:56:23: auch ein bisschen wie das Krümelmonster oder so, natürlich.

00:56:27: Das sagen Leute doch im Mittelbereich.

00:56:30: Tschüss!

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