Folge 62: Sanditz (Lukas Rietzschel)
Shownotes
Wer möchte, dass sein Roman in Deutschland besprochen wird, der hat mit der DDR eigentlich immer ein dankbares Thema um Platz in Kultursendungen oder der Longlist des Deutschen Buchpreises zu finden. Nach seinem aufsehen erregenden Debüt "Mit der Faust in die Welt schlagen", dass die Radikalisierung der Jugend in den "neuen Bundesländern" behandelte, schickt sich der Autor nun an, kaleidoskopartig eine Familienchronik aufzublättern, von den 1970ern bis in die 2020er, DDR, Freie Kirchen, Corona, Ukraine-Krieg.
Das Gelesen Team diskutiert über Mythos, Gefälligkeit und dem Ende von Narrativen.
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00:00:00: Ein Lokalepost, die Monumentalisierung des Maginalen.
00:00:04: Sanditz von Lukas Riedschel erzählt von den Leben in und um eine Kleinstadt irgendwo am Rande der Republik.
00:00:10: Früher bekannt für Braunkohletagebau hat sich die Bevölkerung der kleinen Stadt in der Lausitz seit der Wende halbiert – Leute von anderswo interessiert von dort mittlerweile nur noch Wölfe und Nazis!
00:00:21: Im Zentrum der Geschichte stehen mehrere Generationen der Familie Wenzel, Maria eine glücklose Lokaljournalistin und ihr Bruder Tom ein ehemaliger Polizist.
00:00:29: auf Sinn suche.
00:00:30: Ihre Mutter Marion, in einer zweckdienlichen Ehe mit Roland Morschnig, ihre Großeltern Erika und Norbert, ihr Onkel der frühere Bausolder hat Dürrk.
00:00:38: Die Erzählung zerfällt in kleine Episoden und große Bewegungen, reicht von den Siebzigern über die Wände bis in die Pandemiezeit und den Ukraine-Krieg.
00:00:47: Manche Kapitel streifen die Wenzels Perspektivieren, neue Erzählstrengen die bisherige Wahrnehmung.
00:00:55: Der fourneinzig geborene Lukas Riedschel stammt selbst aus Reckelwitz einer Gemeinde mit etwas mehr als eintausend Bewohnern im Landkreis Bautzen.
00:01:03: Sandits ist sein dritter Roman nach dem populären Debüt Mit der Faust in die Weltschlagen von zwei tausend achtzehn über ein Brüderpaar Die Ob der Trostlosigkeit ihrer ostsexischen Existenz an Neonazis geraten.
00:01:15: das Buch wurde zweitausendfünfundzwanzig Von Konstanze Klaue verfilmt Raumfahrer, der die Geschichte eines Krankenpflegers parallel zu der des Künstlers Georg Baselitz montiert.
00:01:26: Sanditz ist im März bei DTV erschienen und hat es auf die Longlist aber nicht auf die Shortlistes deutschen Buchpreises geschafft.
00:01:32: Vierhundertachzig Seiten kosten sechsundzwanzig Euro – wir haben ihn gelesen!
00:01:36: Und wir?
00:01:36: Das sind heute Finn Bankert
00:01:39: Hallo und Maria Odesskayas auch dabei.
00:01:42: Hi
00:01:44: Ich bin Lukasz Bawenczyk.
00:01:45: einen wunderschönen guten Tag Ihr beiden... ich muss doch sagen Das ist ein Roman, der hat ja nun seit er erschienen ist im März eine ganz schön Menge Lorberne schon eingefahren oder erst hoch gelobt worden.
00:01:58: Erst wieder mal es erscheint jedes Jahr mindestens einer als der große DDR-Roman bezeichnet wurden und ich fand an den Besprechungen interessant dass dieses erste auf irgendeiner Ebene tonangebende Kapitel kaum in den Rezensionen auftaucht.
00:02:14: Und dann dort wird ja Bezug genommen auf den Krabbermythos, es beginnt alles mit dem Sturz einer Bismarck-Statue die danach ja gar nicht so richtig aufgegriffen wird.
00:02:24: ist das hier ein Buch?
00:02:26: Das sind irgendeiner Formen mit Mythen, mit Mythologisierung und mit dem Blick auf die Welt der mit Verzauberung zu tun hat.
00:02:34: schaut weil wir haben hier ja einen Autoren über DDR schreibt nicht gekannt haben kann, weil er dort noch nicht geboren worden ist.
00:02:44: Das heißt wir sind jetzt weit weg von den ganzen Tellcamps und auch ganz sicher von den Krister Wolfs oder Ulrich Plänsdorfs dieser Welt.
00:02:53: Wir haben hier die DDR in irgendeiner Form auch als Mythos, als alte Erzählung.
00:02:59: Wie ging es euch mit dieser großen Einführung, die danach nur noch so tonal angegeschlagen wird Finn?
00:03:06: Was war deiner Erfahrung?
00:03:08: Also es hat mich am Anfang natürlich sehr gefreut, denn dieser Prolog, denn du hast recht.
00:03:14: Er wird in Rezensionen sehr wenig aufgegriffen wie in so mancher Rezensions zum Beispiel der NDR Kulturredaktion, die ich gelesen habe und man auch ein bisschen das Gefühl hat ob diese... Leute, das überhaupt gelesen haben oder einfach nur anhand des Klappentextes so eine Gemutmaster Ritz in Sohn geschrieben haben.
00:03:30: Ich weiß nicht wie es euch da so ging.
00:03:31: Also sagen wir einfach viele Texte...
00:03:33: Vierundachtzig Seiten?
00:03:34: Das ist ja auch ne Menge Arbeit!
00:03:35: Ich weiss nicht ob man das den meisten Kulturredakteuren zumuten kann.
00:03:38: Ich
00:03:39: möchte nur kurz bevor wir gleich wirklich in die Analyse gehen einmal sagen dass ich selten so eine Diskrepanz zwischen meinem Lektüre-Erlebnis und Teilweise der Literaturkritik hatte einfach da eingehend, was erwähnt wird und worum es in den Roman gehen solle.
00:03:55: Das nur einmal dahingestellt.
00:03:56: wir wollen auch nicht zu sehr auf Kollegen drauf hacken.
00:04:02: Aber das ist doch ein bisschen wie Raben mit raufhacken.
00:04:04: ja aber ist das nicht auch ein bisschen naheliegend?
00:04:06: weil dass ein weitläufiger Roman ist?
00:04:08: also ich muss sagen Ich bin tendenziell so war gepositiv geschimpft und ich glaube ich hatte das Gefühl von Weitläufigkeit viel mehr als bei den meisten Romanen, die wir in letzter Zeit hier besprochen haben.
00:04:20: Und ich habe denen fast wie so ein Abenteuer-Roman, wie so eines dieser Fantasybücher meiner Jugend und Kindheit irgendwie gelesen weil ich nachher wirklich das Gefühl hatte, hier ist viel passiert es wurde viel bewegt.
00:04:33: ob das wirklich so isst darüber kann man streiten.
00:04:36: sicher auch einen ähnliche Aventurismus also eine große Abenteurerlust der Menschen.
00:04:41: Wie ging es denn dir, Maria?
00:04:43: Hattest du hier auch irgendwas von Mythos und Abenteuergeschichte in deiner Lise-Affahrung mit drin?
00:04:51: Naja, sehe ich das.
00:04:52: Mich hat es gewundert wie früh es sich verloren hatte.
00:04:55: also beziehungsweise vielleicht ist es wirklich so subtil gewesen dass es unter mein Radar geflogen ist oder ich halt einfach ein gröberes Sieb dafür hatte.
00:05:05: Das einzige wo es mir wieder aufgefallen ist einen späteren Kapitel, wo Spoiler Alarm Tom schon in der Ukraine ist und er dann einen Rabenschwam sieht oder halt irgendwie.
00:05:19: Ich spoiler jetzt mal nicht irgendwie was dieser Rabenschwand tatsächlich ist das ist ein Kapiteln abends die Raben so dass da wieder irgendwie versucht wird etwas zu schließen.
00:05:31: Das ist ein interessanter Punkt den du mit der Mythologisierung aufgreifst weil wir ja eine sehr Ja eigentlich eine positive oder erbauliche Geschichte eines DDR-Widerstands.
00:05:45: zu hören, bekommen sie eben die Möglichkeit auch.
00:05:47: Ich weiß nicht so, ich bin ja auch in der DDR aufgewachsen aber vielleicht auch in irgendeiner Weise Sanitized ist, weil es geht da um Bücherschmuggel in einer freigärchtlichen christlichen Gemeinde und das ist einerseits sehr interessant aus ähnlichen Gründen.
00:06:06: Sie finden immer mal wieder bei früheren Konversation von uns in früheren Podcast-Episoden aufgewerben aufgeführt hat, nämlich dass hier Glaube sehr ernst genommen wird und das hier in der Glaubenskommunität sehr ernstgenommen wird.
00:06:19: Aber es kam mir ein bisschen sanitized vor, ein bisschen weiß reingewaschen weil ich so ein bisschen von anderen Leuten die frei kirchlichen Communities hier gegenwärtig in NRW kenne.
00:06:31: Und ich sage mal so solche Leute wie Achim und Robert hätten da
00:06:34: nicht so lange überstanden... Jetzt muss man natürlich sagen, dass gerade so der Konflikt zwischen Kirche- und Staat unter DDR eine ganz andere oder überhaupt einer war am Gegensatz zu uns und Westen in Anführungszeichen.
00:06:46: Also, man erinnere sich da vielleicht an Anfang der Fünfziger gab es halt einen großen Konflikt zwischen der FDJ- und der evangelischen Gemeinde, der evangelische Jugendorganisation.
00:06:58: Da hat... also darüber hatte ja Uwe Jonsons zum Beispiel auch seinen Biblioman geschrieben mit Ingrid Barben, der Erde reife Prüfung, dreiundfünfzig.
00:07:07: Das tatsächlich die freien Kirchengemeinden glaube ich in der DDR der Ort, der Freigeister waren und das Passivem des Gedanken widerstandelt sich.
00:07:18: Das ist schon so aber es bringt natürlich auch etwas was vielleicht Maria auch gleich sagen wollte Es ist die Mythologisierung von etwas was tatsächlich im Historischen passiert ist und was jetzt noch mal als Abenteuer Geschichte erzählt wird.
00:07:37: Also in Bezug auf Euren Themenpunkt, diese Konfliktlinie-Startreligion muss ich sagen es ist ja schon interessant dass am Anfang der große Ausrechter des damals noch anders
00:07:49: bestimmten
00:07:50: Kulturkampfes bis Markt halt ungestürzt wird.
00:07:53: Also sicher auch etwas das man damit irgendwie kurz schließen kann.
00:07:56: aber ich finde was jetzt aus unserer Bescheidung schon raus klingt aus dem was Maria auch gesagt hat okay Es wird am Ende nochmal irgendwie aufgegriffen.
00:08:04: Ich hatte nicht das Gefühl dass das sein besonders präzise gestalteter Romanis, sondern einfach so ein sammelnder, ein arrangierender, ein kaleidoskopischer fragmentarischer.
00:08:15: Und ich finde das Sorg dafür dass sich ihn immer in Einzelkapiteln sehr überzeugend und sehr toll fand.
00:08:22: also hier sind großartige Einzel Kapitel drin.
00:08:27: Er ist aber nicht so ein besonders komponiertes Gesamtwerk, war mein Eindruck.
00:08:31: Also das ist kein Roman der jetzt besonders klar parallele Linien... also das ist jetzt keiner von diesen so Perek-Romanen wo man am Anfang eine Grafik hat und am Ende entsteht daraus sein Roman.
00:08:43: Das ist natürlich etwas, das man irgendwie bemängeln kann.
00:08:46: Aber für mich war das auch irgendwie ganz angenehm.
00:08:48: Ich hatte das Gefühl der hatte schon so eine
00:08:50: spielerische
00:08:51: irgendwie freie Dimension.
00:08:53: Der hätte eigentlich auch beliebig noch Sachen ergänzen und entfernen können.
00:08:57: Das zeigt jetzt nicht besonders große... Könnerschaft in der Struktur, aber irgendwie fühlte sich das doch ganz angenehm an.
00:09:06: Also ich finde es ist ein Roman, der ein bisschen freier war als ich gedacht hätte zumindest.
00:09:11: Ich glaube da sagst du was sehr richtiges.
00:09:13: also so man könnte das Ritsche sicherlich auch vorwerfen dass dieser Roman so frei ist, dass er so ein bisschen unfokussiert ist vielleicht auch Dass alles so ein bischen zu glatt und so positiv abläuft.
00:09:27: also ja Figuren sterben auch mal Aber grundsätzlich ist das schon eher eine Geschichte von Versöhnung und von Zusammenführungen, und vom Aufeinander zugehen.
00:09:37: Ich glaube aber tatsächlich es ist ein Feature.
00:09:38: also ich glaube wirklich dass scheint der Roman zu sein den Herr Ritzschel hier schreiben wollte denn es hat eben nicht diese diese Zwänge oder diese Aggressionen mit der Faust in die Welt schlagen.
00:09:49: so Ich fand immer zu diesem Roman passt auch dieses Treadman DIY Album damals sehr, sehr gut zusammen.
00:09:55: Die kam ja so ungefähr zeitgleich auch raus und ich finde es knöcheltief hätte der Soundtrack mit der Faust nie weltschlagen können sein können.
00:10:03: das hier möchte durchaus was anderes.
00:10:04: beziehungsweise beginnt Sanditz relativ in der Einöde und im Trostlosen und geht dann immer weiter auf Bewegung hinzu also auf Figuren die sich doch wieder annähern die Krisen überwinden.
00:10:19: Ich hatte eher so das Gefühl, er macht so assoziativ Angebote an uns.
00:10:23: Da gibt es halt diesen Krabbert-Überbau – wir können's ja mal einmal beim Namen nennen!
00:10:28: Es gibt eben diesen finde ich sehr tollen Prolog in der zehn nackte Männer im Wald bei Sanditz auftauchen und wir merken dann relativ schnell, dass sind die Protagonisten der Krabatt sage, beziehungsweise noch genauer halt von Ottfried Preußers Krabat Roman.
00:10:42: Also der Teufel.
00:10:42: dann eben Andrush und Micha und Merten und Lischko wieder aufeinander und haben sich offensichtlich seit zweieinhalb Jahren auch nicht gesehen.
00:10:51: Und das Krabatte hat es leider nicht geschafft.
00:10:54: Man mutmaßt, woran er's geleben haben könnte.
00:10:57: Kantorka scheint in einem Pferd festzuhalten, fand ich ganz lustig.
00:11:04: Es wird so ein bisschen impliziert, dass die die letzten zweihundert Jahre auch so ein bißchen gewacht haben über die Menschheit und sich jetzt aber dazu entschlossen haben nein wir bleiben jetzt nur noch raben.
00:11:14: Wir stürzen die Bismarck-Statur und verlassen dann die Menschhalt.
00:11:19: also möchte man damit sagen Der Osten ist jetzt auch schutzlos, also so die Wächter sind da hin.
00:11:26: So ein bisschen laschlokraschener Horchkrei auch mäßig das Licht ist weg Das Licht ist gestohlen.
00:11:31: dieses Dorf ist sich jetzt selber überlassen.
00:11:34: Ich weiß es nicht weil diese Raben wie Maria schon gesagt hat sie kommen am Ende Prominent nochmal wieder aber Raben werden durchaus gesichtet den ganzen Roman übermal oder so dass Sie sie krähen hier mal im Hintergrund.
00:11:47: Ja ist es?
00:11:48: ist es jetzt so dass Dass das Mütische aus diesem Ort verschwindet, dass das Mötische aus dieser Region verschwindelt.
00:11:57: Verschwindet die Sage?
00:11:58: Verschwendete es?
00:11:59: Geschichten erzählen?
00:12:00: sind die Menschen jetzt auf sich allein gestellt?
00:12:02: Interessant auf was die Menschen gestellt sind und das kam auch in einer Rezension vor.
00:12:08: aber das finde ich dann auch einen recht auffälligen Punkt der ein bisschen außerdem passt was du gesagt hast wenn man so in die Roman-Gegenwart guckt Die Menschen sind auf sich allein gestellt.
00:12:21: Was sind denn dann noch für Menschen, die auf sich alleingestellt sind?
00:12:29: Ja, wir haben eine Familie um sich der Roman dreht wo die jüngsten Mitglieder um sie vierzig sind.
00:12:34: Wir haben einen ab und zu Peripher auftauchenden Jeremy.
00:12:38: ich habe nicht das Gefühl dass Sannitz als Ort noch irgendwie groß Zukunft oder noch irgendwie ein Leben hat was ja auch durchaus in den Vorderen Kapiteln so angeschlagen wird und da könnte man sich fragen draus verschwindet, dann ist es eigentlich so das Leben oder die Menschen.
00:13:06: Maria eine der Wenzelfamilie, einer der Jüngeren und die letzten Kinder steckt im Grunde in der Sackkasse.
00:13:18: ihre Nachforschung über die Bismarck-Statue für nicht wirklich irgendwohin.
00:13:23: Tom findet vielleicht Sinn oder auf jeden Fall ein Ende Ganz weit außerhalb.
00:13:30: Auch Dirk, der so... Nein nicht der Vater, der Onkel von Tom und Maria findet irgendwann ein Ziel, einen Ausweg.
00:13:41: aber es ist ein Ausweg aus Sanditz.
00:13:44: Viele andere sterben am Alter?
00:13:47: oder halt die meisten sterben am Alter.
00:13:49: Also ich finde in dieser bequemen Seriellen-Logik, in der diese teilweise wirklich guten Einzelkapitel erzählt sind... Ich find den Roman Darin halt so recht!
00:14:01: angenehm bis zu Betuligkeit.
00:14:03: Aber wenn ich mir überlege, was für ein Bild habe ich jetzt von Sanditz?
00:14:07: Wie ist Sanditz für mich in der Romanzeit-Zweißen-Zweiundzwanzig?
00:14:13: Da sehe ich da halt nicht viel!
00:14:15: Das Leben das dort war oder den Lebensfunken der dort war, diesen mythologisierten Lebensfunke vor allem in der DDR-Zeit selbst und nach der DDR Zeit in der Zeit wo Roland einen von dieser Stasi-zentralen Aufstand, der von dieser Besetzung... hat dann irgendwie eine relativ unspektakuläre, eben alle Lebensenergiezehren das stelle in ausgerechnet Frankfurt am Main und so.
00:14:48: Ich weiß nicht ob es das ist was der Roman beabsichtigt hat aber letztendlich strahlt sie DDR oder halt
00:14:55: bzw.,
00:14:56: der Widerstand gegen die DDR im Kleinen und dem Großen da in einem größten mythologisierenden Rahmen als die Gegenwart oder alles was nach der DDR passiert ist.
00:15:07: Ja, die Erde verliert so ihre Kraft zu erzählen oder man hat das Gefühl dass Land an sich fasst.
00:15:14: Diese Orte können eigentlich nicht mehr so gut mit erzählerischer und narrativer Macht aufgeladen werden.
00:15:20: Und wir gucken uns all diese Symbole an zum Beispiel die stürzende Statue und können sie nicht so richtig festlegen.
00:15:28: und ich glaube es ist auch der Versuch gleichzusetzen.
00:15:33: Dass es sich nicht mehr erzählen lässt, ist auch irgendeine Form von Befreiung und eine Möglichkeit mit der Definierung irgendwie umzugehen.
00:15:42: Weil wenn wir Ritual zugehört haben dann ist das ja auch, dass er immer wieder erzählt hat oh die DDR wird so festgelegt, die Leute aus Ostdeutschland
00:15:51: ... Meinen sie auf
00:15:52: Dresden?
00:15:54: Ja also in irgendeiner Form müssen die Leute davon vielleicht auch befreit werden, Handreichung gibt, um zu beschreiben wer sie so sind.
00:16:03: Dass es so klare Kataloge von Begriffswelten gibt und ich glaube der Roman ist auch an vielen Stellen ein bisschen unbestimmt.
00:16:11: er erzählt auch von Lehre, er zählt auch von versiegender narrativer Kraft weil er eben Raum öffnen möchte, weil er sagen möchte okay die Muster die Erzählungen die gerade da sind die sterben die müssen sterben und wir müssen irgendwas Neues finden.
00:16:26: Und das hier ist irgendwie wie so Weiß nicht, der Übergang so... Der Bereich zwischen zwei Fronten.
00:16:33: Wir sind gerade zwischen zwei Phasen des Erzählens und er versucht irgendwie zu sagen die eine Welt stirbt jetzt die einer Zähwelt und hier kommt eine neue Und wir überzeugen das war das weiß ich jetzt nicht aber Das war für mich irgendwie so.
00:16:45: das größere Projekt des Romans.
00:16:46: also es gibt ja immer wieder diesen Versuch hier sich selbst zu definieren.
00:16:50: Also wie zum Beispiel Maria, die dann irgendwo an der Uni in Kassel plötzlich sagt nein ich bin eigentlich die Mandy fast so... Wie im Rap?
00:16:57: Wie man da mit den Klischees über die Eigenschaften
00:16:59: sieht.
00:16:59: Ich würde sagen sie ist der hässliche Spiegel der Ostexistenz oder sowas.
00:17:03: Sie ist das auf die Spitze getrieben was man sich halt vorstellt unter Mandy aus Dresden.
00:17:08: Ja sie ist wie ein lustiger Ossi.
00:17:10: Das eine Mal als sie sich gegen irgendwelche Studierende mit Vorurteilen werft wenn es einen hässlichen Spiegeln gibt.
00:17:17: Klischeefigur, das ist ja der Tom.
00:17:19: Und im Hinblick auf die Figur müssen wir uns jetzt gerade an den Punkt bei dem Suchen nach Narrativen ein bisschen mehr einschließen weil Tom... Der Bruder von Maria, der Corona-Leugner und Freizeitrechtsradikale in seiner Jugend.
00:17:36: Da ist ja gerade jemand, der nach Narrativen sucht.
00:17:40: Der ist ja jemand aus dessen inneren Monolog wie erfahren das er haltlos ist und dass ihm der Sinn fehlt.
00:17:46: Und der letztendlich genau deswegen in seinem Inneren Monologue sagt wieso er als Freiwilliger Kämpfer in die Ukraine geht?
00:17:56: Jetzt haben wir diese Figur einerseits wo... Sie haben diese Idee von dir, Lukas, der Suche nach Post-Wender-Narrativen sehr manifestiert ist.
00:18:07: Aber gleichzeitig halten die Figuristen ein kompletter Loser.
00:18:11: Klar, Lukasz Riedschild schreibt niemanden als kompletten Loser – das hatte auch so wie ich das in Erinnerung habe bei Mitterfaust und Seeweltschlagen nicht gemacht.
00:18:22: durchaus wirklich so gut erhalten, er macht sich auch überleichtert sich hier niemals lustig.
00:18:27: Aber wir merken auch... Tom geht es nicht gut.
00:18:29: Der hat ein Scheiß Leben, der ist in allen möglichen Lebenslagen gescheitert und das ist hier der Gescheiter, der halt krampfhaft mit so einem männlichen Heroismus nach irgendwelchen Narrativen sucht indem er da hält sein kann.
00:18:43: Und vielleicht bestätigt sich das nie Lukas in dem was du gesagt hast mit der Haltung des Romans zu der Suche nach den Helden.
00:18:53: Erzählungen weil ja offensichtlich in der ganzen Corona Leugner Schiene auch bei seiner On-of-Freundin Karoja, die heroistische Rhetorik da ist.
00:19:06: Aber sie laufen ja damit ins Leere vor allem im direkten Vergleich mit den tatsächlichen materiellerfolgreichen wie wirklich erhebenden Widerstand der innerhalb der DDR in diesem frei gerechtlichen Gemeinden stattgefunden hat.
00:19:22: Ja, kann man sagen dass der Kapitalismus einfach nicht mehr zu Heldenerzählungen taugt.
00:19:26: Weil wir erleben ja so in dem letzten Viertel des Romans dieses spannende Off-Kapitel wie es immer mal wieder gibt wo uns berichtet wird die Sparkasse von Sandes.
00:19:35: Daher hätte ich gerne mehr gelesen!
00:19:38: Das Peter-Schulte-Kapitel fand ich auch eines der stärksten, diese Reperspektivierung von außen draufschauen.
00:19:44: Auch so... Der Umgang mit den Klischees und etwas in dem sich meine Erfahrungen mit der DDR oder mit dem Osten an sich ja auch sehr gedeckt hat, dass ich lange irgendwie gar nicht verstanden habe das es wirklich etwas ist identitätsstiftend ist, dass für Leute halt so stark in die Biografie eingeschrieben ist bis ich das dann an Leuten tatsächlich erlebt habe und ich fand es irgendwie einfach gut erzählt.
00:20:06: Ich finde sowieso auch immer wenn sie ganz weit weggehen, wenn sie noch kaleidoskopischer noch sprunghafter werden.
00:20:12: also es gibt zum Beispiel auch dieses Kapitel über Marwan einen syrischen Studenten der halt in der DDR lernen soll für den Kampf der merkwürdigen Logik der Repression konfrontiert wird, mit der Repression die einen an der falschen Stelle anlächelt und im richtigen Moment dann halt irgendwie das Messer zwischen den Räumen rammt.
00:20:36: Und ja je weiter wir weg sind vom Kern des Interessanter fand ich das Ganze auch.
00:20:41: aber Ich finde wenn wir uns diese späteren Bewegung Richtung Ukraine anschauen, dann ist das schon wie wir gerade so angedeutet haben.
00:20:49: So die Suche nach Heldenerzählung.
00:20:51: oder gibt es eine Form von Widerständigkeit, die die Leute aus dieser politischen Geschichte der DDR, aus den Traditionen ihrer Eltern und Großeltern gelernt haben?
00:21:00: Die sich übertragen lässt in andere Kämpfe der Gegenwart?
00:21:03: also ich sah schon irgendeine Form von nicht Gleichsetzung aber Parallelschaltung von Wir kämpfen gegen das Regime dort und wir kämpfen jetzt gegen Putin oder sowas.
00:21:14: und natürlich die Frage inwieweit ist es übertragbar, inwie weit funktioniert diese Schablone?
00:21:19: Also ich fand das auf jeden Fall eine interessante Setzung.
00:21:22: Ich weiß jetzt nicht ob ich das so besonders gut umgesetzt fand aber ich finde dass es eine legitime Frage zu überlegen Ist das eine mögliche Heldenerzählung zum Beispiel für Die Abgehänken?
00:21:32: Und das fand ich dann auch wieder ein bisschen so.
00:21:34: ist das hier nicht auch ne seltsame Form von So einer Propaganda des pragmatischen?
00:21:39: also Hey, wenn ihr Versage seid.
00:21:42: Ihr könnt wenigstens noch gut im Kampf gegen Putin sterben?
00:21:44: Ja ich bin so hin und her gegessen.
00:21:46: Aber gut ist das ja auch nicht sag' ich mal, ne?
00:21:48: Also der... Nein nein!
00:21:49: Ist es ja auch.
00:21:51: Nicht
00:21:52: schön aber auch der Ukraine-Krieg bietet Tom die erste Woche durchaus das was er da haben wollte.
00:21:58: Weil dann darf man mit dem Panzer durch die Gegend fahren und man darf mal mit einem Gewehr auf Leute schießen, aber dann sitzt man halt vor allem auch rum in stinkenden Badezimmern hoffte darauf, endlich mal wieder eine Mörsergranate abfeuern zu dürfen.
00:22:12: Weil wir haben ja vor unlangerer Zeit zusammen Lukas auch den Tvadov-Roman die Nullinie gelesen weil dieser Krieg halt auch dezentralisiert stattfindet und jetzt mittlerweile vor allem über Drohnen stattfindete.
00:22:24: Und wenn man stirbt dann ist es wieder auf die demlichste Art und Weise wie eben im Westen nichts Neues.
00:22:31: und man ist nicht einmal ne Zeitungsmeldung am Ende des Tages sondern Das war es einfach, höchstens ein paar Raben fliegen um deinen Körper.
00:22:38: Ja genau und es kommt ja auch direkt so als ein Zitat in dem Roman vor dass einer der nicht hier Kriegskameraden von Tom sagt das ist ja super peinlich wäre einfach von einem Kinderspielsäug getötet zu werden?
00:22:55: Und das sind auch irgendwie große Kinder da im Krieg.
00:22:58: oder die benennen sich dann nach One Piece Charakteren und haben alle so Code-Närmen, wie wenn man das erste Mal mit dem Walkie Talkie unterwegs ist.
00:23:06: Aber in den Drohnen musste ich hier oft denken!
00:23:08: Oder ist es irgendeine Form von Beziehung zwischen der Drohne... über dem Wohnblock privat geflogen wird, weil man das ganze Leben mit Spielzeugen füllt und der Kriegstrone.
00:23:20: Und am Anfang ist erstaunlich, dass wir so weit oben stehen und dennoch nichts erkennen können.
00:23:27: Ich glaube, es ist einerseits auch ein bisschen der Klischeeblick auf die DDR und den Osten.
00:23:34: Ihr steht so weit darüber, ihr seid so viel ... besser und wohl situiert, aber ihr rafft das trotzdem nicht.
00:23:39: Jetzt gehen wir ran jetzt steigt die Drohne herunter Aber es ist auch so ein bisschen dieses Gefühl so Ein Zeitalter dass sich keinen Überblick mehr verschaffen kann.
00:23:48: Und deshalb müssen wir jetzt hier die Literatur zur zu rate ziehen Die wieder Panoramen öffnet die sich weit ausbreitet mit ihren Ideen.
00:23:56: also das scheint mir alles sehr programmatisch.
00:23:58: auf jeden Fall
00:23:58: Es ist sehr programmatisch und ich glaube der andere Programm kommt der bei uns allen auch schon durch kann ist so Ritsche möchte.
00:24:06: Er möchte ganz zwannhaft Parallelen herstellen.
00:24:08: Er möchte Parallelitäten herstellen zwischen verschiedenen Zeitläufen, zwischen verschiedenen Situationen und das so kontrastieren und sagen guck mal damals war es!
00:24:16: So heute ist es so!
00:24:17: In der DDR ist man eingesperrt hat ein Ausreiseverbot jetzt ist Corona Man hat auch einen Ausreiseverbot und Kontaktverbot.
00:24:24: aber das bedeutet plötzlich was ganz anderes.
00:24:27: Plötzlich möchte niemand mehr mit einem die Botschaft stürmen sondern alle wollen zu Hause bleiben.
00:24:32: Das ist mir irgendwie alles so'n bisschen zu... Ich weiß nicht, ob ich's oberflächlich nennen möchte.
00:24:39: Aber doch ein bisschen zu simpel auf der Vergleichsfront!
00:24:42: Also es springt einfach schon so'nn bisschen an.
00:24:45: So diese... Parallelitäts, diese Vergleichskonstruktion die ich da auf.
00:24:50: Nicht mal so in der DDR hören wir von Aufstätten in Ungarn wo wir aber nicht so richtig was machen wollen also zwar einen Krieg der auch eigentlich direkt gegenüber stattfindet aber man bekommt dann nicht so wirklich etwas mit.
00:24:59: jetzt gibt es den Ukraine-Krieg der theoretisch auch direkt vor unserer Haustür ist von dem wir aber auch nicht wirklich was mitbekommen sondern nur die medialen Bilder.
00:25:07: das ist mir alles schon klar und das sind bestimmt auch alle Sachen wo man auf der Riedschild-Tagung in fünf Jahren Vorträge drüberhalten kann oder wo man im Deutschunterricht gut darüber sprechen kann, nur hätte es mir sie glaube ich auch besser gefallen wenn es noch kaleidoskopartiger gewesen wäre.
00:25:24: Wenn es noch mehr einfach ein Impression Roman gewesen wäre...
00:25:30: Ja!
00:25:31: Der Satz ist jetzt zu Ende.
00:25:31: Ja genau, ich glaube, ich stimme dir da insofern zu, das was ich meine bei dir rauszuhören weil die Konstruktion vor allem von Sanditz als letztendlichen klassischen Familiensager... halt den Fokus sehr, sehr verengt.
00:25:50: Und wenn man so etwas wie das Kapitel mit den Studierenden aus Aleppo liest und der grausamen Gewaltziehende da wieder fährt und dann gleichzeitig solche Sätze hat wie Nebensätze wie Achja und dann haben wir Crystal Meth genommen und auch seine geklatscht einmal... oder dieser Krieg in Serbien und Bosnien, von dem man auch nichts mitbekommt.
00:26:15: Dann merkt man halt, dass diese Konstruktion – zumindest ging es mir so – mit der Familie zwangsläufig sehr viele Lebensrealitäten oder mögliche Perspektiven außen vorlässt und man das Außenvorlassen durchaus auch
00:26:31: merkt.".
00:26:34: Hier hat man so einerseits eine Erzählung durch dieses episodische, gerade zu serielle, was Lukas ... aufgeführt hat, etwas so recht ungezwungenes hat.
00:26:45: Weil es wenig ideologisch ist aber gleichzeitig darin dass sich nur auf diese eine Familie fokussiert hat man nicht wirklich eine Diversität davon was Menschen in der DDR oder Post-DDR in den Ostbundesländern wirklich gedacht haben oder welcher Art und Menschen das da gab.
00:27:02: weil ich hätte mich zum Beispiel interessiert was die Auslande die Tom da geklatscht hat so gedacht haben.
00:27:10: Ich habe auch gedacht, die Behauptung des Panoramischen scheitert dann irgendwann an der Realität der ausgewählten Perspektiven
00:27:18: und
00:27:19: es ist da nie so fragmentarisch, nie so kaleidoskopisch wie man sich das vielleicht wünschen würde.
00:27:23: Wir haben ja alle gesagt wir hätten gerne mehr von Kapiteln wie diesem Peterschuldekapitel gelesen.
00:27:28: ich hätte mir mehr Weidläufigkeit Zentralisierungspunkten, in denen wir irgendwas über die Welt plötzlich begreifen.
00:27:36: Also ich finde dieses Kapitel mit Norbert dem Pfeifenbauer der dann mit Markus den anderen Kollegen ausbrechen möchte irgendwie da sitzt und nachts vor der Tür betet und wir irgendwas begreifen über gleichzeitig die Möglichkeit von Religion uns diese Momente erträglich zu machen aber auch von dem Gefühl wie ewig bleiben wir denn von den Forken stehen?
00:27:59: Wir haben das einführende Adorno-Horkheimer Zitat, der Listig überlebt nun den Preis eines eigenen Traums.
00:28:06: Den er abdingt in dem er wie die Gewalt draußen sich selbst entzaubert.
00:28:11: und wir wissen dass ist aus der Dialektik der Aufklärung aus dem Odysseus Kapitel, aus dem Odyssey Kapitel.
00:28:17: Das haben wir jetzt gerade wegen Nolan und so alle nochmal vielleicht gelesen.
00:28:20: Und ich habe mich auch gefragt Wie weit ist das hier?
00:28:24: eine Odyssee, inwieweit ist das hier eine Entzauberung?
00:28:28: Eine Rationalwertung.
00:28:30: Wir haben ja schon gesagt wir haben diese mythische Dimension und wie ihr sagt die Frage nach der pragmatischen Realität und es hängt irgendwo zwischen den Dingen fest.
00:28:41: Und ich habe auch gedacht so Ja!
00:28:42: Es ist nicht so richtig die Irrfahrt natürlich wird man mal hier und da nach Frankfurt geschlagen aber Es war auf jeden Fall ein Roman, von dem ich gerne noch mehr gehabt hätte.
00:28:50: Und diese Serialität, die sagt man dann aber auch gleichzeitig Ja das hätte aber auch nicht geholfen weil wir wissen Diese Serien wo man die vierte fünfte sechste Staffel dran hängt Die werden dadurch selten wirklich sehr viel besser und es ist wirklich viel spannender.
00:29:03: also Ich habe immer so eine paradoxe reaktion auf den roman dass ich mir will und gleichzeitig weiß Dass mir das auch nicht helfen wird denn das war
00:29:10: jetzt auch gerade sein.
00:29:11: ich glaube diesen diesen roman den wir im wunsch gedenken gerade beschrieben haben die existieren ja Äh, zahlreich.
00:29:20: Also letztes Jahr kam ja gerade von Christopher Heim das Narrenschiff auf.
00:29:24: einen tausendseitiger Familienroman über die DDR vom Anfang bis zum Ende, wo man wirklich minutiös im Thomas Manchin-Bodenburg Stil nachgezeichnet bekommt war es bei welcher Botschaftsbesetzung passiert ist und wie es war sich das erste Mal schuhe... Schmuggeln zu lassen.
00:29:41: Deswegen hat Rachel hier vielleicht einfach auch schon guten Riecher bewiesen, indem er uns ködert mit dem Familienromanen aber dann doch irgendwie was anderes liefert also nämlich uns doch wo die Wand fahren lässt.
00:29:53: denn ich glaube Die Irrfahrt ist hier... Ist es nicht das Leben sondern das Leben an sich isst die Irr-Fahrt Denn wo das so ist wirklich noch das Ziel hat er möchte nach Hause zur Penelopee.
00:30:05: Dieses Zuhause gibt es hier für keine Figur mehr.
00:30:08: Also ja, es gibt Sand und jetzt aber was bedeutet das schon noch?
00:30:11: nachdem die Mauer gefallen ist.
00:30:13: Und schon in der DDR hat Sanditz ja irgendwie seinen Wert verloren, dadurch dass plötzlich einfach nichts mehr produziert wurde.
00:30:19: Dadurch das die Lastwahl eines Tages nicht mehr kam und man sich den Blaumann morgen so noch angezogen hat.
00:30:25: Ja weil was wollte man sonst machen?
00:30:27: Das sind finde ich auch spannende Kapitel.
00:30:28: also wenn dieses Werk da eigentlich schon brach liegt aber die Leute trotzdem noch zur Arbeit kommen und es so schöne Sätze gibt wie man musste vielleicht vier mal mehr Pause am Tag machen weil man sonst zu schnell fertig geworden wäre mit den Aufgaben.
00:30:44: Diese Männer sind alle ziellos, Maria als Donalistin ist in der Sackgasse weil es vielleicht auch keine Geschichte mehr gibt die man so richtig erzählen kann.
00:30:52: das ist vielleicht doch alles ein bisschen ohne Fundament gestapelt in diesem Roman aber es lässt einen doch mal interessant vor eine Wand laufen wie es Romane selten tun in letzter Zeit
00:31:04: Vielleicht auch zu sehen.
00:31:05: idealistischer Roman, mir fehlt da oft irgendwie so die materielle Basis.
00:31:08: Also es mag ja sein dass das so eine Phantomschmerz Erzählung ist.
00:31:12: in dem Moment indem man diesen großen Mythos DDR für sich verliert bleibt Lehre bleibt irgendwie Ja einfach so diese Mögen Die Geworfenheit bleibt die Möglichkeit sich selbst zu entwerfen und Das scheitern an diesem neuen freiheitlich liberalen Projekt.
00:31:27: aber Irgendwie ist mir das auch zu wenig.
00:31:29: also Man hat dann so vielen Stellen beim literarischen Quartett oder so gelobt.
00:31:33: jetzt habe ich aber was über die DDR verstanden, dass sich vorher nicht wusste.
00:31:38: Und dann sitzt da diese Moderatorin und sagt nichts.
00:31:42: Ich hab mich am Ende schon gefragt, was hab' ich denn jetzt neu ist?
00:31:46: Verstanden?
00:31:46: welche Zusammenhänge, welche Gedanken, welche Träume werden mir jetzt plötzlich doch zu Füßen gelegt?
00:31:52: Weil das Blitzte für mich immer nur so auf!
00:31:55: Also ich hab schon das Gefühl wir haben gesagt es ist kein präzise gearbeitete Roman.
00:31:58: Das is jetzt auch kein Roman, das will ich nämlich vorwärmen der auf eine Botschaft reduzierbar.
00:32:02: Aber ich habe jetzt nicht das Gefühl, hier irgendwas Großes Neues mit rauszunehmen.
00:32:05: Außer wir brauchen neue Geschichten!
00:32:08: Also außer der Irrfahrt, außer der Suche ist bei mir wenig hängen geblieben.
00:32:11: Nun was ich mir dachte ist wo bei Nelio Biedermanns Lazar den man vielleicht hiermit vergleichen könnte so ganz grob.
00:32:20: Wo da ja wirklich die Konstruktion offen liegt?
00:32:22: Das ist ein Roman des Handwerkes, dass es einen Roman des dargestellten Kölnens wo Biederman uns durch jeden Satt, sag guck mal was ich kann.
00:32:30: Guck mal wie konstruieren können.
00:32:31: Guckt mal wie ich die Stiläden wechseln kann!
00:32:33: Is Ritschel glaube ich doch einfach eher interessiert an den Figuren und guckt einfach mal was passiert wenn er die da so hinsetzt?
00:32:41: Aber dafür ist es dann einfach nicht ganz frei genug.
00:32:43: Dafür ist es denn nicht ganz Robert Ordmann genug sondern doch noch zu sehr... auf so eine Bewegung fokussiert.
00:32:50: Weil es hätte ja auch sein können zum Beispiel, dass man so vognamäßig sich jetzt erst mal erraten muss wie gehören diese Figuren überhaupt zusammen?
00:32:58: Wer ist denn da wer?
00:32:59: aber das wird eigentlich auch relativ schnell klar nach so hunderthundertfünfzig Seiten.
00:33:04: Das ist dann auch schon kein Geheimnis mehr.
00:33:05: Ja beziehungsweise das Buch, das physische Buch hat am Ende so ne Legende.
00:33:10: Weißt du wem gehört?
00:33:15: Und Faulkner kann es nicht sein, weil das auch irgendwie konsumierbar sei.
00:33:18: Ja!
00:33:19: Das ist jetzt kein herausforderndes Buch, das ist auch sprachlich nie so super
00:33:24: ambitioniert,
00:33:25: sondern ich habe halt das Gefühl... Weißt du, wir sagen immer ja das will eigentlich ein Film werden.
00:33:31: Das hier will kein Film werden sondern halt eine Serie oder eine Miniserie.
00:33:34: Das will ich eben auch nicht vorwerfen.
00:33:36: aber ich habe schon das Gefühl es fehlt letztlich die Bereitschaft wirklich zu dekonstruieren und zu zersetzen irgendwie uns in Perspektiven hineinzuwerfen weil man diskutiert immer Lukas Ritzschel ist jetzt so ein Ost-Ein DDR Versteher in den deutschen Talkshows und das Klischee ist ja die Leute wollen jetzt ernst genommen würden sie wollen dass man ihnen zuhört und ich habe nicht das Gefühl, dass wir hier wirklich nah genug in die Perspektiven kommen.
00:34:04: Dass wir irgendwie in ... weißt du, dass sie uns einfinden müssen?
00:34:07: Dass wir herausgefordert werden diese Perspektive zu begreifen also am ehesten noch wenn dann so die Innenwelt von den Schwurblanden, den Verschwörungstheoretikern, die auch immer so'n in der Luft schweben des Feindbilds der letzten Jahre halt waren, wenn die ernst nehmen, aber insgesamt muss ich sagen es war weder genug Nähen noch genug Distanz.
00:34:28: Also das was er am Anfang schreibt.
00:34:30: egal wie hoch man ist man sieht nicht genug.
00:34:32: das habe ich hier auch erlebt.
00:34:33: also ich fühlte mich diesen Figuren nur in sehr wenigen Momenten fand ich sie irgendwie greifbar so richtig... Sie haben mir so selten etwas bedeutet natürlich wenn dann irgendwie Roland und Achim irgendwie zueinander finden ein Fündigner ganz nett erzählen queeren Liebesgeschichte.
00:34:52: Es gibt hier rührende Momente, aber ich finde diese Mischung aus Befreien von Klischees und sie dauernd doch wieder zurückbringen.
00:35:01: Sie doch wieder als Orientierungspunkt dem Leser an die Hand geben das hat mich so ein bisschen unsicher zurückgelassen.
00:35:08: was hier genau beabsichtigt war.
00:35:10: also was auch immer es gedacht war ist es hätte vielleicht ein bisschen stärker in die eine oder andere Richtung gehen müssen.
00:35:18: Die Frage ist, wir reden häufig und gerne bei gelesen über Absichten und über Mission des Romans.
00:35:23: Ich frage mich nur so was ist denn über... Also ich könnte dir halt immer noch nicht sagen was wirklich die Absicht dieses Textes am Ende dann eigentlich war?
00:35:30: Und ob es sich vielleicht wirklich einfach Gritzschild darum ging hier wirklich einfach nur mal so ein paar Schicksale aneinander zu rein.
00:35:37: Denn kann eher was dafür, wenn jetzt in Talkshows Leute mit dem DDR-Roman Bullshit Bingo Phrasen um sich werfen und eben sagen ja der habe ich wieder so viel gelernt weil das muss man ja glaube ich auch zwangsweise über jeden Roman sagen die in der DDR spielt.
00:35:52: So eine westliche liberale Selbstkastei.
00:35:55: Oh, jetzt habe ich wieder ganz viel verstanden!
00:35:57: Jetzt hab' ich mich wieder in anderen Positionen durch das Zuhören und das Check-in meiner Privilege angedient...
00:36:01: Ich hab schon das...
00:36:02: Ich gefühle
00:36:03: für ein paar Jahre gab es diese schöne Trilogie von André Kubicek die ging los mit Skizze eines Sommers und hat dann auch zwei Nachfolgeromane nach sich gezogen halt über einen siebzenjährigen Schülernames René der so ein bisschen so auch zum Freigeist am Ende der DDR wird.
00:36:19: Das ganze Spielte habe ich nünzten achtundachtzig.
00:36:21: also wir wissen Oh, solange wird das hier nicht mehr gut gehen.
00:36:23: Aber das waren wirklich drei bezaubernde Romane wo dann so die Rezeption ist.
00:36:27: Ach!
00:36:28: In der DDR wurde... war man auch jung?
00:36:30: Da, da, da.
00:36:32: Weißt du, da wurden auch geträumt und Das ist glaube ich wirklich so eine gern verbreitete Vessimeinung.
00:36:37: Dann guckt man halt mal Sonnenallee oder sowas anderes und denkt sich ach Mensch guck ma Die waren auch Kinder So.
00:36:44: Und dann sind wir ja eigentlich wieder bei dieser Norbert-Figur vom Ende von Sanditz, der dann da ganz begeistert durch die Gegend fährt und sagt ach guck mal die haben hier auch eine Sparkasse.
00:36:55: Und guck Mal die haben ja auch Schwulen!
00:36:57: So...ehm..und vielleicht will Ritschel hier wirklich einfach nochmal endgültig einschreiben und aufhören mit diesem Guckmal die hatten das da auch?
00:37:05: Sondern einfach sagen Ja natürlich wurde hier auch gelebt und ich biete euch hier vier bis fünf Lebensentwürfe an Die es in der DDR gab.
00:37:12: und zeige euch die Kinder jetzt die auch unter diesen Druck einer gemutmasten kulturellen Legacy nicht so richtig wissen, was sie jetzt machen sollen.
00:37:24: Ja gut also wenn wir tatsächlich so dezidiert von diesen Frame abrücken wollen dass dieser Roman irgendetwas über die DDR sagen will also dass dieser roman etwas genau das nicht ist was man ihm nach sagt dass man da nicht unbedingt etwas über die ddr lernen muss und wenn wir den Romanians betrachten als Angebot von verschiedenen Schicksalen.
00:37:49: Dann fällt mir aber, wenn ich diesen anderen Frame darauf anwende, leider Gottes auf das da bis auf vielleicht drei zwei die meisten Figuren und was aus denen passiert dann letztendlich doch vergessen werden.
00:38:03: so es gibt Zwei Figuren die mir jetzt direkt einfallen.
00:38:06: der sieht tatsächlich sowas wie den Ark haben Der Leben ohne dass es irgendwie enden muss zu Ende erzählt wird.
00:38:16: Dirk und Steffen scheinen mir am ehesten halt breite Bewegung zu machen.
00:38:20: Ja, genau drei Figuren.
00:38:22: Dirk, Roland und Tom.
00:38:26: Ich meine, Dirk nennt sich
00:38:27: Dirk Schnecken der Verbande.
00:38:28: Ach
00:38:29: so, die
00:38:29: Lassen sind das noch
00:38:31: nicht genau.
00:38:32: Der ist ja schon so.
00:38:32: Da gibt es drei Arks, da waren sehr viel mehr Figuren... Und dann kann man bei Durchdebank allen Frauenfiguren dann sagen okay was ist mit der passiert?
00:38:43: Ja, Maria hat dieses seltsame Stelldich ein mit ihrem ehemaligen
00:38:47: Klassenkameraden
00:38:48: und danach wird sie auch so ein bisschen vergessen oder?
00:38:51: Das fand ich auch so'n bisschen irritierend.
00:38:52: Dass das da gar nichts mehr so.
00:38:54: dann hat sich ein bisschen recherchiert zu der Statue.
00:38:57: fragwürdige sexuelle Erlebnis und dann war es das eigentlich auch mit ihr.
00:39:01: Ganz komisch, dass ist so arg im Sand von...
00:39:03: Das kann man aber fast allen Frauenfiguren dieses Romanes vorwerfen oder?
00:39:08: Also vielleicht ist das einfach nicht das größte Talent des Herrn Ritchell so Frauenfigurren.
00:39:13: ich will nicht sagen ganz zu schreiben sondern auf jeden Fall sie zu Ende zu erzählen weil die Angebote die hier für Frauen bleiben sind entweder Doch ja die gehörnte Ehefrau zu sein, die so wissend erträgt dass ihr Mann eigentlich homosexuell ist aber man muss die Kinder jetzt halt durchbringen.
00:39:31: Man darf noch die gute Pastoren sein, Die die Gemeinde bei Sammeln hält oder man is eben Maria die noch ein One-Eyed Stand hat und dann verschwindet und deren Karriere so'n bisschen von die Wand gefahren ist.
00:39:42: Es ist schon irgendwie interessant das es doch die Männer sind Und auch die Männer die am Anfang Am weitesten unten auf der Leid und auch so oft der Erdärmlichkeitskala waren, die am Ende hier als Gewinner oder zumindest mit einer Art Lächeln aus der Geschichte heraustreten dürfen.
00:39:59: Ja, oder überhaupt Menschen
00:40:02: sind.
00:40:04: Ja, sehr biblisch.
00:40:04: Die verlorenen Söhne werden dann doch mit mehr Begeisterung in den Arm genommen als die Töchter, die geblieben sind.
00:40:11: Aber ich finde es gibt natürlich immer und hier und da auch diese positiven Figuren.
00:40:15: also ich fand zum Beispiel unsere Marmeladen-Priesterinnen, die wir zwischendurch da sehen... Also die Pfarrerin, die irgendwie diese Diaz macht durch die Welt reißt und sich auch so ein bisschen hinter so einer Fassade aus der Harmlosigkeit versteht, was du so eins der vielen Symbole für die Vielgesichtigkeit, für die Janusköpfigkeit des Widerstandes halt irgendwie ist.
00:40:35: Weil das scheint ja schon eines so der zentralen sich durchziehenden Themen zu sein oder dass Widerstand gegen die bestehende Ordnung, gegen die Hegemonie des Denkens in jeder Zeit viele Formen annimmt.
00:40:47: und selbst wenn sie viel geleitet sind glaube ich, dass Rachel da irgendein Wert dran sieht im Starsinn, in der Eigensinnigkeit, nicht alles gefallen lässt, aber da hätte ich mir irgendwie auch mehr Differenzierung gewünscht und da habe ich auch das Gefühl so ja also dass dann Frau Hauf irgendwie mit da die Bücher schreibt.
00:41:08: Das macht sie als Figur nicht aufregender und es bleibt dann doch an einigen wenigen Kleben.
00:41:13: und Die Frage ist jetzt Was machen wir mit diesen Lehrstellen?
00:41:18: Habt ihr das Gefühl, dass er ästhetisch erzählerisch mit diesen vielen Ellipsen, die fast zwangsläufig da sind was Gutes macht?
00:41:25: weil Ich finde manchmal die auch Kapitel auch schön die so Im Nicht sehr plötzlich enden.
00:41:30: Ich finde manchmal schön, dass es so eine Bruchstückhaftigkeit gibt aber so richtig ein ästhetisches Prinzip, ne Montagelogik wann plötzlich aus einer Szene rausgeschnitten wird in Anführungszeichen habe ich eigentlich nicht erkannt sondern manchmal wie ihr schon gesagt habt fühlt es sich so ein bisschen vergessen an und Sachen versanden so
00:41:49: Ja um nicht zu sagen beliebig
00:41:52: ja so'n bisschen.
00:41:55: Das wäre so die Kehrseite der Offenheit, die ich am Anfang irgendwie beschrieben habe.
00:41:58: Mir gefällt das Spielerische aber manchmal hab' ich auch das Gefühl ja wieder ein bisschen arg viel Bälle hoch geworfen und nicht so viele aufgefangen Und...das ist dann einfach auf so einer, sagen wir Leistungs- auf so eine artistischen Ebene nicht immer so eindrucksvoll.
00:42:14: Ich kann euch da nicht widersprechen so Aber ich glaube mich habt's einfach von der anderen Seite gesehen.
00:42:17: Ich fand es irgendwie mal angenehm.
00:42:20: Ich fand es angenehm, mal wieder einen Text zu haben der nicht von mir möchte oder der nicht auf diese Art und Weise analysiert werden möchte.
00:42:26: Also wo mir jetzt kein TikToker YouTuber Literaturkritter wie auch immer vor mir sitzt und mir ein Diagramm an die Tafel malt und sagt guck mal weil Figur A damals das gemacht hat passiert jetzt für Figuor B also so ich fand das glaube ich auf eine ähnliche Art undweise angenehme wie man jetzt so die Monster of the Week Serien auch wieder entdeckt und sich denkt
00:42:52: Ich mein fair, was soll man sagen?
00:42:56: Aber ich verstehe, was du meinst.
00:42:57: Das ist halt so eine Rückkehr zu ... Ich will nicht sagen Genügsamkeit!
00:43:02: Das is ja schon auch hier
00:43:03: und da mit der Beziehung.
00:43:05: Ich kann den oben zu deiner Abenteuerromane vielleicht von Anfang schaffen.
00:43:09: Es ist vielleicht tatsächlich einfach eine Staffel John Sinclair Comics oder ... Was weiß ich, was es da noch alles gab?
00:43:18: So versucht in einem Roman zusammen zu beurteilen.
00:43:22: Statt dass man sich so hintereinander liest hat man sie eben durcheinander gewurbelt und liest praktisch fünf Hälfte parallel zueinander wie man's als Kind vielleicht auch mal getan hat so.
00:43:33: Also Perry Roden lebt jetzt in der Lausitz.
00:43:36: na gut das ist auf jeden Fall eine Analyseebene Perspektive die ich begreifen kann.
00:43:40: insgesamt Ich habe das nicht ungern gelesen, auch so ein Satz den man nicht immer als das größte Lob verstehen kann.
00:43:46: Aber das ist schon dafür dass es doch vierhundertachzig Seiten lang ist!
00:43:49: Das liest sich flott.
00:43:51: ich finde das hat immer wieder tolle Einzelzenen aber ich wünschte mir dass es mehr von denen hat.
00:43:57: Dass es mehr Leuchttürme und nicht so viel nebliges Meer hat.
00:44:01: Also es ist sehr viel Irrfahrt aber nicht auf eine Art und Weise die mich aus der Bahn wirft.
00:44:06: Ich wäre gerne hier unter Mehr verloren gegangen mit den Figuren.
00:44:11: Ihre Desorientierung, ihre Verlorenheit in der Welt mehr gespürt.
00:44:15: Weil ich hatte schon immer das Gefühl die Dinge haben Eigengewicht aber nicht genug dass sie nicht auch Spielball des Autoren sein können und ich glaube so ein bisschen mehr Konfusion sich einarbeiten, um dadurch die Perspektiven zu verstehen.
00:44:32: Das wäre toll!
00:44:33: Ich hätte mich gerne mehr in den Figuren durch ihre Augen selbst erprobt.
00:44:39: Es ist selten notwendig gewesen... So sehr wir sagen, okay diese Figuren sind so geschrieben.
00:44:48: Dass sie nicht in Diagramme passen und dass die nicht sofort erkennbar sind.
00:44:51: Oh das ist keine Ahnung Klischeefigur XY der gute Nazi oder so.
00:44:56: aber ich hätte mir schon auch noch ein bisschen mehr Diffusion, bisschen mehr noch mehr Offenheit mehr, noch mehr Verspieltheit gewünscht.
00:45:02: Aber ja also nicht der schlechteste Roman!
00:45:05: Ist Ritzschilder Autor dafür?
00:45:08: Also ich begreife total was du meinst Lukas.
00:45:11: Wie gesagt, leider habe ich mit der Faust in die Weltschlage jetzt auch nicht mehr so im Kopf.
00:45:14: Vielleicht werde ich es für die nächste Woche nochmal nachholen um diese Frage in der nächsten Woche Achtung Cliffhanger Leute schaltet nächste Woche wieder ein Beantworten zu können.
00:45:24: Das scheint mir schon ein Autor zu sein.
00:45:26: wo also wo die Figuren schon einfach das sind was sie sind?
00:45:29: Also sowohl vor allen Dingen aufeinander klatschen und man dann mal gucken was passiert wenn Charakter auf charakter b trifft.
00:45:38: Es ist so eine gewisse Gefälligkeit, die mich vielleicht die Klebe von bei Maria an und die turnt mich einfach ein bisschen ab.
00:45:44: Also ich habe zwischendurch auch gedacht... Ich weiß nicht ob ihr es nachvollziehen könnt!
00:45:48: Es hat mich doch an die Konstruktion von den letzten Daniel Kilmann Roman erinnert weil es immer diese Kamera-Bewegung... Wir sind bei einer fremden Figur fahren dann in das bekannte Szenario hinein Und wir umspielen also nicht ganz cubistisch aber wir haben so ne Multi Perspektivik Die aber doch ein klar umrissenes Objekt irgendwie wie er gibt.
00:46:08: Also ich weiß nicht, es hätte schon auch noch ein bisschen herausfordernd sein können.
00:46:12: Habt ihr noch so einen Fazit?
00:46:13: Habt Ihr noch irgendwas das unbedingt gesagt werden muss jetzt gegen
00:46:16: Ende?".
00:46:17: Was Ritzschel ziemlich toll schafft was sich aber vor allem auf das erste Drittel des Romanes bezieht... Ich finde er schafft schon eine sehr interessante Winteratmosphäre.
00:46:28: also wir lesen das hier gerade im Herbst.
00:46:30: aber ich konnte wirklich diesen leicht mystischen Raum des Waldes auch schmecken, diese komische Zeit der Raunächte wo so Himmel und Erdreich ein bisschen ineinander überkirken.
00:46:43: Ich finde das hat da wirklich interessant beschrieben und da habe ich mich gerne drin fallen lassen und hätte mich wie auch schon durchkam allgemein gefreut wenn das auch noch in diesem mystischen Krawatt-Dimensionen geblieben wäre.
00:46:59: Also Lukas Ritzschild, falls du zuhörst schreib doch als Jesus mal so ein Fantasy-Roman oder schreib ein Sequel zu Krabbert.
00:47:05: Würde ich sofort lesen!
00:47:08: Kritik ist immer auch als Handlungsanweisung zu lesen, das garantiert so.
00:47:13: Maria hast du einen Fazit?
00:47:14: Gibt es noch irgendwas... Es
00:47:15: ist mir tatsächlich ein bisschen schwer gefallen über diesen Roman überhaupt eine Meinung zu bilden.
00:47:19: ich bin da relativ widerstandslos durchgerauscht weil Lukas Riedschel halt sehr gefährlich schreiben kann und das Thema oder halt das inhaltliche auch weniger ich sage jetzt mal Dornig oder unbequem ist als mit davorsten die Welt schlagen Genau.
00:47:36: Und ich musste immer mal wieder an so einen Satz denken, den du Lukas bei Orca angebracht hast und der für mich viel hier tatsächlich viel besser passt nämlich, dass das politische irgendwie das Zahn gezogen wird oder das übertünscht und verdrängt wird vom menschlichen all zu menschlichem.
00:47:59: doch mal den Frame anlegen möchte, dann den Roman so.
00:48:02: Was lernt man denn um die sogenannte DDR über den sogenannten Osten?
00:48:07: Dann finde ich, kann mir das relativ beliebig in der Konstruktion dieser Figuren vor in der Art wie gesagt der Familienromanzo andere Perspektiven oder andere Blicke auf diese Familie gerade so kategorisch ausschließt.
00:48:28: Es ist ein Lieb.
00:48:32: Die Sprache hat nicht so viel zum Glück, aber einige Ställe wo sie vom Schönen ins Schlagerhafte kippt.
00:48:40: es ist teilweise betulig.
00:48:43: Es lässt sich sehr schnell lesen weil diese episodische serielle Logik das halt so macht.
00:48:49: Ich habe es geschafft, das für die Folge zu lesen.
00:48:53: Aber ich glaube, wenn ich mich entscheiden müsste, wo Lukas Richel das Interessantere gemacht hat – auch wenn's ein sogenannter Problemroman war -, würde ich für mich immer noch mit der Faust in die Welt schlagen bleiben.
00:49:10: Ja, ich glaube wir haben hier zweimal eher so eine Skepsis und ein bisschen positivere Stimmung bei Finn.
00:49:17: Aber insgesamt würde ich sagen Wir stimmen nicht so ganz in den Kanon der Begeisterten ein Und ich kann auch verstehen warum das jetzt nicht irgendwie nach auch trotz großen Stimmen die das hochgelobt haben Warum es jetzt nicht mit Preisen ausgezeichnet wird?
00:49:32: Das hängt irgendwie dazwischen.
00:49:33: Es ist glaube ich auch also es ist zum glück nicht arg problemromanhaft dass es auch keine Schullecktüre oder sowas, wie der noch im schlechten Sinne.
00:49:41: Es ist ein bisschen zu lang dafür aber insgesamt ja es fließt so ein bisschen vorbei... Es hat mich irgendwie unterhalten.
00:49:48: Ich kann nicht sagen, ihr dürft das da draußen auf keinen Fall lesen.
00:49:51: so weit würde ich nicht gehen.
00:49:53: Finn!
00:49:54: Ich werde nächste Woche nicht da sein.
00:49:56: Ich muss mich nach Aachen auf das Filmfestival verziehen.
00:50:00: Was werdet Ihr denn in der nächsten Woche den Leuten da draußen so zu bieten haben?
00:50:04: Ich glaube, Ihr macht mal wieder eine Folge gelesen während des Festes.
00:50:07: Ja
00:50:07: genau, wir Herr Mario und ich hatten eine revolutionäre neue Idee und wir wollten mal über Bücher reden in diesem Podcast
00:50:16: nicht
00:50:16: über Brett spielt und auch nicht über Cocktail.
00:50:18: zu unserem Discord Server kamen letzte Woche die spannende Spin-off Idee von Getrunken der Cocktail Podcast auf.
00:50:26: Wer weiß, wenn es dazu kommt... Nein Lukas man kann das ja sagen.
00:50:30: du bist wie gesagt auf dem Filmfest Aachen und wirst dort unter anderem über den Filmfilm Farsi diskutieren über das Thema verloren Filme und die Faszination nach Lost Media findet statt am samstag den sechsohnzwanzigsten neunten wenn ich das richtig ja aufgeschrieben habe.
00:50:53: Ja in der taille jetzt wo du es gerade sagst stimmt man kann im podcast auch Sachen pitchen, man kann ja Werbung machen wenn man irgendwie so ein Funken Geschäftssinn in seinem körper hat.
00:51:03: danke dass du das jetzt für mich übernimmst.
00:51:05: also wer aus nordrhein-westfalen der findet auf jeden fall am samstag den sechsten zwanzig neunzehn um dreizehn uhr im apollo zwei in aachen diesen live auftritt unter anderem mit dem feste beleiter und regelmäßigen oder mit dem gelegentlichen katzgast niclas
00:51:24: michens.
00:51:24: sowieso das film fest.
00:51:25: ach an coole veranstaltung sollte man unterstützen.
00:51:29: nein aber maria und ich wir sitzen hier nicht untätig rum.
00:51:32: wir machen mal wieder eine folge recent reads beziehungsweise zuletzt gelesen in der Herbst-Edition und ich habe schon mal einen Teezer, ein Appetizer mitgebracht, weswegen ihr nächste Woche auf jeden Fall einschalten müsst.
00:51:45: Denn ich habe mich... Ich hab mich an Jorh gewalt was ich sonst nicht so lese.
00:51:49: Ich habe mir immer so einen spicy Roman rausgesucht.
00:51:52: Bittesweise genauer genommen eine He Falls First Spicy Rom kommen namens Satisfy Me wenn Liebe verkleidet kommt Und ich sage mal so, ich habe das bei Goodreads auf die möchte ich gerne lesen Liste gepackt und Grüße gehen raus.
00:52:12: Einen Kollegen Janik Nolding der glaube ich zwanzig Minuten später dieses Status abhält mit einem Like Versaar.
00:52:20: also Janik wenn du mir diesen Roman jetzt klaust und zuerst drüber sprichst hier hab' ich dich outgekollt.
00:52:26: Bei gelesen werdet ihr zuerst Wird's den Sohn dieses tollen Romanes hören?
00:52:30: Aber dann, es wird auch noch viele andere Dinge geben.
00:52:32: Wir haben ja die Literatur-Longlist für den deutschen Buchpreis vielleicht noch so ein bisschen weiter abgearbeitet.
00:52:37: Maria und ich werden da denke ich in schönes Programm zusammengestellen für euch nächste Woche bei Gelesen!
00:52:43: Tschüss ihr Lieben!
00:52:44: Tschüß!
00:52:46: Vielen Dank fürs hören!
00:52:47: Tschüs und bis zum nächsten Mal.
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